Börsenrallye oder Strohfeuer: Ende der Krise in Sicht?
VON STEPHAN DÖRNER - zuletzt aktualisiert: 13.03.2009 - 15:21Düsseldorf (RPO). Der deutsche Leitindex Dax steigt drei Tage in Folge, hatte am Freitag zwischenzeitlich die Marke von 4.000 Punkten wiedererobert. Auch die anderen Börsenbarometer der Welt, allen voran der wichtige US-Index Dow Jones, zeigen steil nach oben. Der Grund: Die größte US-Bank Citigroup schreibt wieder schwarze Zahlen und auch von JP Morgan und Bank of America kommen gute Nachrichten. Handelt es sich um eine nachhaltige Erholung oder nur ein Strohfeuer?
Citigroup, JP Morgan, Bank of America: Bei allen drei großen US-Banken scheint sich erstmals seit Beginn der Finanzkrise eine Stabilisierung einzustellen. Die Citigroup überraschte vergangene Woche mit schwarzen Zahlen, auch JP Morgan arbeitet seit Jahresbeginn profitabel, vermeldete deren Chef Jamie Dimon am Mittwoch. Einen Tag später legte auch Bank-of-America-CEO Kenneth Lewis nach: Er erklärte, sein Institut benötige keine weiteren Staatshilfen.
Das alles verhalf den Märkten in den vergangenen Tagen zu kräftigen Gewinnen. Seit Donnerstag hat der Dow-Jones-Index die Marke von 7.000 Punkten zurückerobert, der deutsche Leitindex Dax notierte zwischenzeitlich wieder über 4.000 Punkten. Insbesondere die in der Krise stark gebeutelten Finanzwerte holten auf.
Jedoch gab es auch nach dem Zusammenbruch der Märkte nach dem Platzen der Dotcom-Blase mehrmals Phasen eines trügerischen Aufschwungs an den Börsen, die danach ums so steiler abstürzten. Beim Dax zog sich der Crash auf Raten bis zum März 2003. Damals fiel der Leitindex bis auf rund 2.400 Punkte zurück. Erst dann setzte eine nachhaltige Erholung ein. Solche trügerische Erholungen in einer Krise werden auch als Bärenmarktrallye bezeichnet. Befinden wir uns am Anfang vom Ende der Krise – oder doch nur in einer Atempause?
Kai Carstensen vom Münchner Ifo-Institut warnt vor voreiligem Optimismus: "Ich möchte grundsätzlich davor warnen, die positiven Nachrichten bei einzelnen Bankinstituten jetzt als Erholung des gesamten Finanzsektors überzuinterpretieren, auch wenn sie sicherlich positiv zu bewerten sind", sagte er im Gespräch mit unserer Redaktion. Es gebe zwar "einige Erholungszeichen", er wolle aber zumindest nicht ausschließen, dass diese vor allem auf die massiven Staatseingriffe zurückzuführen sind. So geben derzeit viele Banken staatlich besicherte Anleihen aus. Daher würden die aktuellen Zahlen wenig darüber aussagen, wie das Geschäft ohne diese staatlichen Garantien aussähe.
Eingeläutet hatte die Serie positiver Wirtschaftsnachrichten am vergangenen Mittwoch die Citigroup: Die größte US-Bank hatte einen operativen Gewinn vor Steuern und Sonderfaktoren von 8,3 Milliarden Dollar erwirschaftet. In einem Brief an die Mitarbeiter erklärte Vorstandschef Vikram Pandit, das sei das beste Ergebnis seit dem dritten Quartal 2007.
Auch bei den heimischen Top-Managern scheint sich das Klima, wenn auch vorsichtig, aufzuhellen. Laut dem am Freitag veröffentlichten "Handelsblatt Business Monitor" planen 14 Prozent der Manager in deutschen Unternehmen in den kommenden 12 Monaten Neueinstellungen. Im Febraur waren es noch 12 Prozent. Für das Jahr 2009 erwarten die Firmenlenker allerdings eine schwere Rezession.
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