Umstrittene Hilfen für Griechenland: Euro-Krise verunsichert die Deutschen
VON A. INGENRIETH UND B. MARSCHALL - zuletzt aktualisiert: 21.06.2011 - 07:25Luxemburg/Berlin (RP). Die Zuspitzung der Schuldenkrise in Griechenland macht die Deutschen zunehmend rat- und hilflos. Nur eine knappe Mehrheit von 53 Prozent der Bürger befürwortet in einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest Dimap ein neues Hilfspaket. 44 Prozent dagegen wollen Griechenland nicht mehr unterstützen.
Noch unentschiedener ist das Meinungsbild in der Umfrage für die ARD-Sendung "Report München", wenn danach gefragt wird, ob nicht eine Pleite Griechenlands "als harter Schnitt für das Land und uns alle das Beste wäre". Dem stimmen 46 Prozent der Befragten zu, 51 Prozent sind dagegen. Infratest Dimap befragte 1000 Bürger vom 16. bis 18. Juni.
Die Umfrage zeigt, wie wenig es der Bundesregierung derzeit gelingt, eine klare Mehrheit der Bürger von neuen Hilfen für den stark angeschlagenen Euro-Partner zu überzeugen. Die Schuldenkrise wird für die schwarz-gelbe Koalition damit zum größten politischen Risiko. Sie schürt nicht nur die ohnehin verbreiteten Inflationsängste in der Bevölkerung. Auch die Angst vor politischer Instabilität in Europa nimmt zu.
In der Hand der Märkte
"Die Deutschen sind zutiefst verunsichert. Kein Mensch versteht mehr, was da in Brüssel eigentlich an folgenschweren Dingen verabredet wird", sagte Klaus-Peter Schöppner, Meinungsforscher bei TNS Emnid in Bielefeld. Auf unsichere Situationen reagierten die Deutschen besonders stark. "Ob Griechenland, EHEC oder Vogelgrippe – die Deutschen sind in Europa diejenigen, die stets am meisten beunruhigt sind."
Die meisten Deutschen sehen sich längst in der Hand kaum kontrollierbarer Finanzmärkte. Infratest Dimap sagten 62 Prozent der Befragten, über die Zukunft des Euro entschieden letztendlich die Finanzmärkte, nicht die Politik.
In Luxemburg beschlossen die Finanzminister unterdessen zur Euro-Rettung neue Lasten für die Bundesbürger. Der Krisen-Fonds wird von 440 auf 780 Milliarden Euro aufgestockt. "Der deutsche Anteil am Garantierahmen erhöht sich dann von jetzt 123 auf 211 Milliarden Euro", räumte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble in Luxemburg ein.
Ziel der Aktion ist, statt 250 nun rund 440 Milliarden Euro zur Unterstützung klammer Krisenstaaten zu Verfügung zu stellen. Eine Entscheidung über weitere Milliarden-Hilfen zur Rettung Griechenlands vor der Staatspleite verschoben die Minister auf Anfang Juli. Bis dahin soll ein bis zu 120 Milliarden schweres zweites Rettungspaket geschnürt werden.
Angst vor Verschlechterung der Wirtschaftslage
Ähnliches ergibt auch eine Forsa-Umfrage für RTL und "Stern". Demnach sind die Deutschen wegen der anhaltenden Griechenlandkrise wieder pessimistischer gestimmt seien. Forsa-Chef Manfred Güllner sagte dem "Stern": "Trotz guter ökonomischer Daten fürchten aktuell 44 Prozent eine Verschlechterung der Wirtschaftslage, vier Punkte mehr als in der Vorwoche. Es ist der höchste Wert in diesem Jahr." Besonders hoch sei das Gefühl der Bedrohung mit 49 Prozent bei den Selbstständigen.



dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.