Börse: Euro sackt zeitweise ab
zuletzt aktualisiert: 22.10.2008 - 16:18Frankfurt/Main (RPO). Die Aktienmärkte sind weltweit auf Talfahrt und auch dem Euro geht es nicht wirklich gut. Er ist am Mittwoch zeitweise unter 1,28 Dollar gerutscht, den niedrigsten Stand seit fast zwei Jahren. Im morgendlichen Handel gab die Gemeinschaftswährung bis auf 1,2736 Dollar nach.
Grund ist laut Experten vor allem, dass die Händler auf eine Zinssenkung im Euro-Raum spekulieren, was die Nachfrage nach Euro zurückgehen lassen würde. Der fallende Euro-Kurs sorgt auch dafür, dass die Preise für Benzin und Diesel an den Tankstellen nicht stärker zurückgehen. Zwar sank der Ölpreis in New York am Mittwoch wieder unter 70 Dollar. An den deutschen Tankstellen lagen die Preise aber höher als noch vor wenigen Tagen.
Der Kurs des Euros sinkt Analysten zufolge, weil Händler auf eine Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Bekämpfung des Wirtschaftsabschwungs spekulieren. Bei niedrigeren Zinsen sind Anleihen des jeweiligen Währungsraums weniger gefragt, die Nachfrage nach der Währung und deren Kurs sinkt.
Der Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Europa, Alessandro Leipold, erklärte, der niedrigere Euro-Kurs sei "ein gutes Zeichen". Dies habe mit einer Verzögerung im kommenden Jahr "einen positiven Effekt auf die Exporte. Der Rückgang des Euro-Kurses komme "im richtigen Moment", sagte er mit Blick auf den Wirtschaftsabschwung, der in den kommenden Monaten droht. Ein niedriger Euro-Kurs verbilligt die Exporte in Länder außerhalb der Eurozone.
Der niedrigere Euro-Kurs werde vor allem jenen Firmen helfen, die bei niedrigpreisigen Gütern in weltweiter Konkurrenz stünden, sagte Sylvain Broyer von der französischen Investmentbank Natixis. Dazu gehörten etwa die Produzenten von Konsumgütern oder von Kleinwagen. Deshalb werde der niedrige Euro-Kurs eher Frankreich und Italien als Deutschland helfen. Véronique Riches-Flores von der französischen Bank Sociéte Générale sagte dagegen, der Euro-Kurs werde den Firmen wenig helfen, da sie unter einem Nachlassen der weltweiten Nachfrage, nicht unter mangelnder Wettbewerbsfähigkeit litten.
Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Ölsorte Light Sweet Crude sank am Mittwoch in New York erneut unter die Marke von 70 Dollar. Die für den deutschen Markt wichtige Nordseesorte Brent kostete in London nur noch knapp über 67 Dollar. Noch vor wenigen Monaten hatte der Ölpreis bei 147 Dollar sein Allzeithoch erreicht. In den vergangenen Tagen hatte der Ölpreis angezogen, da Händler fürchteten, die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) könnte ihre Produktion zurückfahren. Dann gäbe es weniger Öl auf dem Markt, was die Preise steigen lassen würde. Analysten zufolge wurde die Sorge um das OPEC-Vorgehen nun von der Furcht vor einer Rezession überdeckt.
An deutschen Tankstellen wirkt sich der Preisrückgang des Öls nicht so stark aus, weil der Eurokurs parallel sinkt und das in Dollar gehandelte Öl dadurch teurer wird. Ein Sprecher von Aral/BP sagte der Nachrichtenagentur AFP, am Mittwoch habe ein Liter Super-Benzin 1,28 Euro gekostet.
Ein Liter Diesel kostete demnach 1,26 Euro. Am Montag waren Benzin und Diesel billiger gewesen. "Der starke Dollar sorgt dafür, dass die Kraftstoffpreise nicht noch stärker purzeln", sagte der BP/Aral-Sprecher. Diesel sinke nicht so stark wie Benzin, weil die Nachfrage nach Heizöl mit Diesel konkurriere und den Preis treibe.
Aktienmärkte auf Talfahrt
Nach schlechten Vorgaben aus den USA und Asien tendierte am Mittwoch auch der Deutsche Aktienindex Dax deutlich schwächer. Bis gegen Mittag verlor der Leitindex rund 2,8 Prozent auf etwa 4.650 Punkte. Der MDax gab rund 1,5 Prozent nach und der TecDAX etwa 2,5 Prozent. Größter Verlierer im Dax war mit einem Einbruch um rund 11 Prozent das Papier der Hypo Real Estate.
Auch andere europäische Börsen gingen nach unten. In Asien führten Konjunkturängste zum Absturz der Aktienkurse. In Tokio fiel der Nikkei-Index um 6,79 Prozent auf 8.674,69 Zähler. In Hongkong verlor der Hang Seng 5,2 Prozent. Der Shanghai Composite Index sank um 3,2 Prozent.
Zuvor hatte die Wall Street in New York erneut herbe Verluste hinnehmen müssen. Der Dow-Jones-Index schloss am Dienstag 2,5 Prozent schwächer bei 9.033,66 Punkten, der Technikindex Nasdaq verlor 4,14 Prozent auf 1.696,68 Zähler.
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