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Geldinstitute
Experte hält bis zu 250 Sparkassen für ausreichend

Experte hält bis zu 250 Sparkassen für ausreichend
FOTO: Schnettler
Düsseldorf. Wirtschaftsprofessor Bernd Nolte fürchtet bei einem Teil der Branche bald große Ertragsprobleme. Das sehen die Institute anders. Aber auch sie wollen schlanker werden und werben zum Sparkassentag für mehr staatliche Vorsorge-Förderung. Von Georg Winters

Wenn die Kanzlerin kommt, kann das Ereignis nicht bedeutungslos sein. Insofern genießt der 25. Deutsche Sparkassentag, der an diesem Mittwoch und Donnerstag in Düsseldorf stattfindet, automatisch großen Aufmerksamkeitswert. Angela Merkel, so kann man es vorempfinden, wird ein Loblied auf das deutsche Drei-Säulen-System aus Sparkassen, Privat- und Genossenschaftsbanken singen und die besondere Bedeutung der Sparkassen für das Gemeinwesen betonen.

Daran kann man sich einen Tag lang laben, aber die drängenden Probleme beseitigt es nicht. Zu denen gehört vor allem die Dauer-Niedrigzinsphase. Die empfindet Georg Fahrenschon, als Präsident des Bundesverbandes DSGV oberster Repräsentant der Sparkassen, als bedrohlich, vor allem für die Kunden. "Wenn Zins- und Zinseszins-Effekt ausfallen, wird es immer schwieriger, sich ein finanzielles Polster zu schaffen und für das Alter vorzusorgen", sagte Fahrenschon am Dienstag in Düsseldorf.

Zinstief trifft auch Sparkassen selbst

Konsequenz: Der Staat soll die Vorsorge stärker fördern, mehr finanzielle Anreize setzen. Fahrenschon mag nicht konkreter werden. Aber durchgesickert ist schon, dass der DSGV vorschlägt, bei der Arbeitnehmersparzulage von neun Prozent die Grenzen anzuheben. Bisher bekommt diese Zulage nur jemand, der maximal 17.900 (Verheiratete: 35.800) Euro versteuert. Diese Grenze soll auf 30.000 (60.000) Euro steigen. Und auch den jährlich geförderten VL-Höchstbetrag von 470 (940) Euro möchten die Sparkassen auf 1000 (2000) Euro erhöht sehen.

Das Zinstief trifft indes die Sparkassen auch selbst, denn es nagt an ihrem Geschäftsmodell. Seit Jahren weisen Kritiker darauf hin, dass ein Teil der Sparkassen in einigen Jahren, wenn höher verzinste Kreditverträge auslaufen, große Ertragsprobleme bekommt. Einer von ihnen ist der Wirtschaftsprofessor Bernd Nolte, Chef der Beratungsfirma 4P Consulting. Der sieht schon in zwei, drei Jahren ein Drittel aller Sparkassen als "kaum mehr konkurrenzfähig" an. Schwindende Erträge würden es in vielen Fällen unmöglich machen, das Eigenkapital und die Rücklagen so aufzustocken, wie es die Regeln von Basel III und die notwendigen Investitionen in eine Modernisierung verlangten.

Die Institute müssten rund 20 bis 30 Prozent der Personal- und Sachkostenkosten sparen, auch in ihren Führungsgremien, im Filialnetz und den dahinter liegenden Back-Offices. Auch die Verbands- und Verbundstruktur sei etwa 500 Millionen Euro teurer als die der Genossenschaftsbanken, es gebe zu viele regionale Prüfungs- und Interessenverbände, zu viele Versicherer und Bausparkassen. Noltes Kritik gipfelt in der Einschätzung: "Deutschland ließe sich mit 200 bis 250 Sparkassen und einer zentraleren Verbands- und Verbundstruktur hervorragend bewirtschaften."

Zahl der Arbeitskreise soll von rund 100 auf etwa 30 sinken

Starker Tobak, wenn man bedenkt, dass es noch mehr als 400 Sparkassen in Deutschland gibt. Natürlich wird der These kaum jemand im öffentlich-rechtlichen Lager zustimmen. Zugegeben, die Verantwortlichen haben längst eingeräumt, dass sich die Landschaft verändert, dass so manche Filiale dem wachsenden Verlangen von Kunden nach digitalen Dienstleistungen zum Opfer fallen wird. Aber so einen radikalen Streichkurs? Nein.

Allerdings räumen sie die Notwendigkeit zum Sparen ein. "Wir müssen unser Zusammenspiel effektiver machen und zügiger zu Entscheidungen kommen", fordert Fahrenschon. Dazu gehört, dass der Verband sich auf strategische Weichenstellungen konzentrieren und der Koordinierungsausschuss darunter operative Fragen lösen soll. Die Zahl der Arbeitskreise soll von rund 100 auf etwa 30 sinken.

Was alle eint: Die Europäische Zentralbank (EZB) und ihre Geldpolitik gelten als eine der größten Ursachen allen Übels. "Bei der EZB gibt es Leute, die würden die deutschen Sparkassen am liebsten abschaffen", sagt der Hohenheimer Wirtschaftsprofessor Hans-Peter Burghof. Auch er sieht bei den Sparkassen den Zwang zum Wandel: "Sie müssen sparen und effizienter werden." Burghofs Prognose: In den nächsten vier Jahren werde die Zahl der Sparkassen-Filialen um etwa 15 Prozent sinken. Das ist deutlich freundlicher als Noltes Voraussage. Aber so richtig positiv klingt es auch nicht.

Quelle: RP
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