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Europäische Zentralbank: Experten erwarten Leitzinssenkung

zuletzt aktualisiert: 06.11.2008 - 07:18

Frankfurt/Main (RPO). Für Donnerstag hat die Europäische Zentralbank (EZB) ein Treffen angesetzt. Analysten gehen davon aus, dass dabei eine Senkung des Leitzinses um 0,5 Prozentpunkte beschlossen wird. Womöglich falle der Zinsschritt sogar noch größer aus und der Leitzins sinke um einen ganzen Punkt, hieß es in den Zinsprognosen. Auf sinkende Zinsen für Kredite hoffen angesichts der drohenden weltweiten Wirtschaftskrise Wirtschaft und Verbraucher.

In Folge eines solchen Schritts würden auch die Zinsen für Verbraucher- und Unternehmenskredite sinken. Die EU-Kommission meldete derweil am Mittwoch Bedenken an den staatlichen Milliardenhilfen für die Commerzbank an.

Die Senkung des Leitzinses gilt angesichts der trüben Aussichten für die Wirtschaft in der Euro-Zone als wahrscheinlich. EZB-Chef Jean-Claude Trichet hatte einen solchen Schritt bereits Ende Oktober angedeutet. Die Zentralbank habe Spielraum für einen solchen Schritt, weil der Inflationsdruck in den 15 Euro-Staaten abgenommen habe, hatte Trichet gesagt. Die Inflationsrate war im Oktober auf 3,2 Prozent gesunken, nach einem Hoch von vier Prozent im Sommer. Zuletzt hatte die EZB Anfang Oktober in einer gemeinsamen Aktion mit anderen Notenbanken den Leitzins von 4,25 auf 3,75 Prozent gesenkt.

Die Zentralbank legt mit dem Leitzins fest, zu welchen Bedingungen sich Banken bei ihr Geld leihen können. Damit beeinflusst die EZB auch die Zinsen für Kredite, die Banken an Verbraucher oder Unternehmen weitergeben. Mit einer Zinssenkung gibt die EZB der Wirtschaft in der Euro-Zone einen Impuls. Bei Verbrauchern steigt die Neigung, Kredite für Neuanschaffungen aufzunehmen; für Unternehmen werden Investitionen leichter finanzierbar.

Bank-of-America-Analyst Holger Schmieding hält eine zweistufige Zinssenkung für möglich: Am Donnerstag senke die EZB den Leitzins voraussichtlich um 0,5 Prozentpunkte, im Dezember oder Januar dann möglicherweise um weitere 0,5 Punkte. Nach Einschätzung von Citigroup-Analyst Jürgen Michels könnte die EZB den Leitzins sogar schon jetzt um einen ganzen Prozentpunkt senken. Die Eintrübung der Wirtschaftsaussichten und die sich abschwächende Inflation ließen einen solchen Schritt "wahrscheinlicher" werden.

Zu den versprochenene Milliardenhilfen für die Commerzbank aus dem Bankenrettungsfonds forderte ein Sprecher der EU-Kommission die Bundesregierung auf, zusätzliche Informationen zu liefern. Die Kommission sieht ihm zufolge einen möglichen Widerspruch zu den Vorgaben des deutschen Rettungspakets für die Finanzbranche, das Brüssel vor gut einer Woche gebilligt hatte.

Die Kritik entzündet sich an den günstigen Konditionen, die der Staat der Bank einräumen will. Die Commerzbank hatte zu Wochenbeginn Zusagen für eine Kapitalspritze in Höhe von 8,2 Milliarden Euro und eine Kreditgarantie über 15 Milliarden Euro erhalten. Der Kommissionssprecher sagte, laut Presseberichten fordere der Bund von dem Institut für die erste Kapitaltranche 8,5 Prozent Zinsen und für die zweite 5,5 Prozent. Der staatliche Banken-Rettungsplan sehe jedoch eine Mindestbezinsung von zehn Prozent vor.

In der Diskussion um den Zusammenschluss von Landesbanken angesichts der Probleme mit der Finanzkrise warnte VÖB-Hauptgeschäftsführer Karl-Heinz Boos vor übereilten Schritten. Wer glaube, die Probleme der Landesbanken durch den Zusammenschluss einzelner Institute "zu einer Super-Landesbank zu lösen, wird damit Schiffbruch erleiden". Bei der Fusion zweier großer Landesbanken wachse deren Bilanzsumme stark an. Dies sei aus betriebswirtschaftlicher Sicht nicht finanzierbar. Die Institute müssten vor einem Zusammenschluss schrumpfen.

Nachdem die BayernLB kürzlich angekündigt hatte, Milliardenhilfen aus dem Bankenrettungsfonds in Anspruch nehmen zu wollen, hatten Spekulationen über einen Zusammenschluss des Instituts mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) neue Nahrung erhalten.

Ein großes Special zur Finanzkrise finden Sie hier.

Quelle: afp

 
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