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Die Stimmung auf der Straße: Finanzkrise macht vielen Angst

VON PHILIPP STEMPEL - zuletzt aktualisiert: 08.10.2008 - 10:41

Düsseldorf (RPO). Die Bundesregierung garantiert für alle privaten Sparguthaben in Deutschland. Kanzlerin Angela Merkel hat dies erneut bekräftigt. Ihre Ansage hat vielen erst deutlich gemacht, wie ernst die Lage ist. "Die Ansprache hat mich in höchste Alarmbereitschaft versetzt", heißt es beispielhaft in einem Leserkommentar.

Am Sonntag traten Angela Merkel und Peer Steinbrück vor die Presse. Ihre Botschaft: Die privaten Sparguthaben der Deutschen sind sicher. Das Signal diente vor allem zwei Zwecken: Zum einen galt es den Geldfluss an den Finanzmärkten zu stabilisieren. Weil sich die Banken mittlerweile gegenseitig misstrauen, verleiht niemand mehr Geld. Die Klemme hat die Hypo Real Estate an den Rand des Ruins getrieben.

Zum anderen galt es zu verhindern, dass die Bundesbürger in Scharen die Bankschalter stürmen, um ihre Konten leerzuräumen. In dieser Hinsicht war Merkels Ansage ein Erfolg. Die Katastrophe am Bankschalter blieb aus. Viele Sparkassen registrieren in diesen Tagen sogar den Zulauf neuer Kunden, die auf Nummer Sicher gehen wollen. Die kommunalen Finanzinstitute gelten als krisenfest. Ein Pfund, mit dem sich in diesen Zeiten wuchern lässt.

Sicherheit ist derzeit ein gefragtes Gut. War die Finanzkrise zunächst noch ein abstraktes Ding, das sich fernab in den Vereinigten Staaten abspielte, sind nun auch viele Menschen in Deutschland beunruhigt.

Die Vorstellung, dass hier in Deutschland Sparguthaben gefährdet sein könnten – kaum jemand hatte ernsthaft daran gedacht. Bis zur Garantieerklärung Merkels. Das Echo auf das 1000 Milliarden-Versprechen fiel zwiespältig aus. Erster Tenor: Ein wichtiges und wohl auch notwendiges Signal. Zweiter Tenor: Eine verkappte Notstandserklärung.

Vor allem ältere Menschen sind beunruhigt. Sie  trauen den Versicherungen der Banker und Politiker nicht. "Ein bisschen Geld habe ich schon von meinen Konten abgehoben", sagt die 72-jährige Helga Schnebel aus Mönchengladbach. "Ein bisschen Angst habe ich schon vor der Krise", gesteht Susanne Cammans (69) aus Kleve während unserer Umfrage. "Mein Mann und ich unterhalten uns ständig darüber."

Auch in der virtuellen Welt spiegelt sich die Stimmung. "Langsam bekomme ich es mit der Angst zu tun", schreibt einer unserer Leser in unserem Leserportal OPINIO. Täglich laufen dort Berichte ein, die die Finanzkrise aus persönlicher Sicht thematisieren. Neben der Wut und Empörung über das Versagen der Bankenmanager geht es vor allem um Zukunft. Was wird aus den Enkeln, was aus der Altersvorsorge? Die Verunsicherung ist mit Händen zu greifen.

Das spürt auch der Viersener CDU-Abgeordnete Uwe Schummer in seiner Bürgersprechstunde. "Es gibt große Verunsicherung und Verärgerung", stellt er fest. Schummer fragt sich, ob die Welt gerade Zeuge wird, wie 20 Jahre nach dem Ende des Sozialismus auch das Ende des ungebändigten Kapitalismus gekommen ist. Seine Wähler fragen sich, ob der Sturm der Krise ihr Erspartes verschonen wird.

Alles über die Krise an den Finanzmärkten in unserem Special.


 
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