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Finanzmärkte
Chinas Schwäche ist kein Grund zur Panik

Das 1x1 der Börsensprache
Das 1x1 der Börsensprache FOTO: AP
Meinung Weltweite Kursstürze an den Börsen, Abwertung der chinesischen Währung Yuan, der Dax fällt unter 10.000 Punkte – nicht nur als privater Kapitalanleger kann man da nervös werden. Tatsächlich aber gibt es derzeit noch keinen Grund zur Panik. Von Birgit Marschall

Das Riesenreich China erfährt an seinen Börsen schon seit Mitte 2014 die Wirkmächte des Marktes. Damals hatte die Regierung privaten Anlegern im eigenen Land erstmals erlaubt, Geld in Aktien anzulegen und an den Börsen zu spekulieren. Viele Chinesen nutzten das mit Begeisterung und trieben die chinesischen Kurse in atemberaubende Höhen. Es entstand eine riesige Spekulationsblase.

Bis Sommer 2015 wurde der chinesische Aktienindex im Vergleich zum Stand ein Jahr zuvor um 150 Prozent in die Höhe getrieben. Seitdem erleben die Chinesen das Platzen dieser Blase in dosierten Schritten, weil die Notenbank verzweifelt gegensteuert. Zu Anfang 2016 liegen die chinesischen Kurse aber immer noch um etwa 60 Prozent über dem Stand von Mitte 2014. Das langsame, schrittweise Platzen der Blase in China ist also noch nicht zu Ende.

Das chinesische Börsengeschehen muss den Rest der Welt nicht beunruhigen, dazu ist es auch noch zu unbedeutend und zu reguliert. Entscheidender sind zwei andere Fragen: Wie stark ist die chinesische Wirtschaft fundamental tatsächlich geschwächt? Und beginnt die chinesische Führung jetzt tatsächlich einen Abwertungswettlauf mit Konkurrenten wie Südkorea oder Japan in Asien?

Für die erste dieser beiden Fragen lautet die Antwort aus heutiger Sicht: Die Zeiten der Wachstumsraten von acht, neun oder zehn Prozent in China sind tatsächlich jetzt vorbei. Künftig wird das Riesenreich mit einer etwas schwächeren Rate von sechs, allenfalls sieben Prozent expandieren. Wir erleben hier eine Normalisierung. Von einer deutlichen Abschwächung in China kann aber keine Rede sein, es geht nur langsamer voran. Die deutsche Wirtschaft betrifft das nur marginal, denn nur ein geringer Teil ihrer Exporte geht nach China.

Auch die zweite Frage nach dem Beginn eines Währungswettlaufs lässt sich zurzeit noch eher gelassen sehen. Chinas Führung weiß, dass Interventionen seiner Notenbank von anderen Ländern nicht unbeantwortet bleiben können. Die Konkurrenten werden eine zu dreiste Abwertung des Yuan nicht dulden. Und Europa ist mit seiner expansiven Geldpolitik ohnehin einigermaßen gut gefeit gegen die Yuan-Abwertung.

Zudem fußen die deutsche und die europäische Konjunktur 2016 eher auf den eigenen Kräften. Vor allem in Deutschland stützt der private Konsum die Konjunktur, die Schwäche der chinesischen Wirtschaft stört da wenig. Noch gibt es also keinen Grund zur größeren Besorgnis.    

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