Finanzkrisen-Plan für Deutschland in Arbeit: G-7-Staaten wollen entschlossen handeln
zuletzt aktualisiert: 11.10.2008 - 12:06Washington (RPO). Die sieben führenden Industriestaaten wollen der Finanzmarktkrise mit entschlossenem Handeln begegnen. Bei einem Treffen in Washington verständigten sich die Finanzminister und Notenbankchefs der G-7 auf einen Fünf-Punkte-Plan mit dem Ziel, die Kreditklemme auf den internationalen Finanzmärkten zu beseitigen. Deutschland wird seine weiteren Schritte zur Eindämmung der Finanzmarktkrise am Sonntag bei dem Krisengipfel der Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone in Paris vorstellen.
Nach Informationen der Tageszeitung "Die Welt" arbeitet die Regierung an einem Rettungsplan für das deutsche Finanzsystem nach britischem Vorbild. Demnach erwägt die Regierung, nicht nur Interbankenkredite in dreistelliger Milliardenhöhe zu garantieren oder direkt Kredite zu vergeben, sondern auch Eigenkapital in zweistelliger Milliardenhöhe zur Verfügung zu stellen. Im Gegenzug wolle sich der Staat an den Kreditinstituten beteiligen, schrieb das Blatt. Hintergrund sei, dass sich die Situation unter den deutschen Banken drastisch zugespitzt habe.
Die Kreditlemme ist einer der Hauptgründe für die seit Tagen anhaltenden Turbulenzen an den internationalen Börsen. Die G-7 versprachen, große Banken zu schützen und ihren Bankrott zu verhindern. Die Kreditströme sollen wieder zum Fließen gebracht werden. Außerdem wollen die Regierungen die Bemühungen der Banken unterstützen, aus öffentlichen und privaten Quellen frisches Kapital zu bekommen.
Die Sicherungen für Spareinlagen sollen gestärkt und der zusammenbrechende Hypothekenfinanzierungsmarkt gestützt werden. US-Finanzminister Henry Paulson betonte, die US-Regierung halte an ihrem Plan fest, Aktien von Finanzinstitutionen aufzukaufen. Es wäre das erste derartige Vorgehen seit den 1930er Jahren.
Signalwirkung erhofft
Deutschland wurde in Washington von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück und Bundesbankpräsident Axel Weber vertreten. Steinbrück sagte nach dem dreistündigen Treffen am Freitag, die Bundesregierung arbeite mit Hochdruck an einem übergreifenden Stabilisierungsprogramm für den gesamten deutschen Finanzsektor. Die "systemische Antwort" solle die bisherigen Einzelfalllösungen ersetzen und schon am Montag für die Märkte in Deutschland "eine Signalwirkung haben und auch materiell unterfüttert sein".
Bundesbankpräsident Axel Weber sagte auf derselben Pressekonferenz: "Das deutsche Bankensystem ist in den letzten Tagen aufgrund der internationalen Rückwirkungen außerordentlich unter Druck geraten. Und deshalb gibt es zu diesem umfangreichen Maßnahmenpaket keine Alternative." Die französische Finanzministerin Christine Lagarde erklärte, es handele sich um einen "koordinierten, synchronisierten und zeitlich richtigen Ansatz".
US-Präsident George W. Bush lud die Gipfelteilnehmer für (den heutigen) Samstag zu einem Treffen ins Weiße Haus. Die Finanzkrise sollte auch im Mittelpunkt der Treffen von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank am Wochenende stehen.
Schlechteste Handelswoche der Geschichte
Die New Yorker Börse beendete am Freitag die schlechteste Handelswoche ihrer Geschichte uneinheitlich. Der Dow-Jones-Index war nach einem wilden Zickzackverlauf abends leicht ins Minus gedreht, die Technologiebörse Nasdaq hingegen schloss fester. Der Verlust des Dow Jones von 128 Punkten war der beste Tagesschluss nach acht Handelstagen mit teils drastischen Einbrüchen - insgesamt verlor der Index seither fast 2.400 Punkte oder 22,1 Prozent. Der Dow-Jones-Index verzeichnete sowohl nach Punkten als auch nach Prozenten die schlechteste Handelswoche in seiner Geschichte.
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