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Garantiezins
Weniger als 1 Prozent für Lebensversicherung

Garantiezins: Weniger als 1 Prozent für Lebensversicherung
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Düsseldorf. Das Bundesfinanzministerium will ab 2017 den Garantiezins für neue Lebensversicherungen auf 0,9 Prozent senken. Mehr traut es der Branche nicht zu. Diese Altersvorsorge wird noch unattraktiver. Von Antje Höning

Schlechte Nachricht für alle Bürger, die mit einer Lebensversicherung privat fürs Alter vorsorgen wollen: Das Bundesfinanzministerium will erstmals in der Geschichte den Garantiezins unter ein Prozent senken. Der Garantiezins ist der Zins, den Lebensversicherer neuen Kunden maximal versprechen dürfen. Diesen Zins müssen die Unternehmen über die Laufzeit der Police mindestens zahlen. Von Januar 2017 an soll der Garantiezins nur noch bei 0,9 Prozent liegen, aktuell beträgt er 1,25 Prozent. Dies bestätigte eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums.

Kunden, die 2017 eine Lebensversicherung abschließen, müssen sich daher auf eine noch geringere Verzinsung als bisher einstellen. Zugleich dürfen die Versicherer nur noch mit einem abgesenkten Zinsversprechen werben. Der Garantiezins galt Jahre lang als Verkaufsargument für diese Policen.

Keine Folgen für Altkunden

Auf Altkunden, die bereits eine Lebensversicherung abgeschlossen haben, hat die Senkung des Garantiezinses keine Auswirkung. Bei ihnen müssen die Versicherungsunternehmen ihre früher gemachten Versprechen einhalten - auch wenn ihnen das wegen der anhaltenden Minizins-Phase immer schwerer fällt. Das zeigt sich auch daran, dass die Überschuss-Beteiligung, die die Versicherer freiwillig und ergänzend zum Garantiezins zahlen, immer geringer wird. Folglich fällt die laufende Gesamtverzinsung in diesem Jahr von durchschnittlich 3,1 auf 2,9 Prozent.

Mit dem aktuellen Vorschlag geht das Ministerium aber noch über die Empfehlung der unabhängigen Experten der Deutschen Aktuarsvereinigung hinaus. Diese wollte den Garantiezins 2017 noch unverändert lassen und erst 2018 auf 1,0 Prozent senken. Entsprechend kritisierte der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) die geplante Absenkung als zu weitgehend. Zudem käme diese zu kurzfristig, da die Unternehmen ihre Produkte neu kalkulieren müssten.

Der Freiburger Rentenexperte Bernd Raffelhüschen meint dagegen, der Staat habe gar kein andere Wahl: "Das Versicherungsaufsichtsgesetz wie auch unsere Bilanzierungsregeln (etwa das strikte Niederstwertprinzip) zwingen Lebensversicherungen dazu, sich in Staatsanleihen zu refinanzieren. Wenn der Staat dann, wie auch immer, beschließt, keine Zinsen mehr auf seine Obligationen zu zahlen, dann muss der Garantiezins sukzessive sinken", sagte Raffelhüschen unserer Redaktion. Der Kauf einer Lebensversicherung sei letztlich nicht anderes als der Kauf von Staatspapieren mit einer verbundenen Risikoabsicherung.

"Das können wir nicht empfehlen"

Der Marktführer Allianz hat die klassische Lebensversicherung faktisch schon abgeschrieben: "Wir bieten die herkömmliche Variante mit Garantiezins weiter an, können sie aber nicht empfehlen", sagte ein Sprecher von Allianz Deutschland. Nur noch zehn Prozent der Kunden würden eine solche Lebensversicherung abschließen. Die deutschen Vorsorgesparer würden indes zunehmend Produkte ohne Garantiezins mit höheren Rendite-Chancen favorisieren. Es gebe aber auch höhere Risiken und die Produkte seien nicht mehr vergleichbar, warnen Verbraucherschützer.

Erst gestern betonte Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank, dass angesichts der wirtschaftlichen Lage die extrem lockere Geldpolitik derzeit ohne Alternative sei. Die führenden deutschen Forschungsinstitute erwarten, dass die EZB noch mindestens bis 2017 an ihrer Nullzins-Politik festhält.

Quelle: RP
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