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15 Milliarden Euro verzockt: Höhenflug der VW-Aktie schockt Hedgefonds-Manager

zuletzt aktualisiert: 28.10.2008 - 10:18

Frankfurt/Main (RPO). Der Höhenflug der VW-Aktie geht rasant weiter - sogar die Schwelle von 1000 Euro wurde am Dienstag zweitweise durchbrochen. Als Grund für den beispiellosen Anstieg der Aktie nennen Experten die Gerüchte im Zuge der bevorstehenden Übernahme durch Porsche. Hedgefonds wurden kalt erwischt - Spekulanten verzockten 15 Milliarden Euro. Beobachter stellen kritische Fragen.

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Nach dem gestrigen VW-Erdbeben an der Frankfurter Börse folgte am Dienstag das kräftige Nachbeben: der Der Kurs der VW-Papiere stieg in der ersten Handelsstunde zeitweise um mehr als 93 Prozent. Bereits am Montag hatte sich der Wert der VW-Aktien mehr als verdoppelt und lag zu Handelsschluss um 138 Prozent über dem Vortages-Niveau.

Der Auslöser für den Höhenflug - da herrschte unter den Börsianern Einigkeit - waren Spekulationen um die bevorstehende VW-Übernahme durch Porsche. Die Zuffenhausener hatten am Sonntag erklärt, des Konzern habe seinen Anteil an VW auf 42,6 Prozent erhöht und verfüge zusätzlich über 31,5 Prozent Optionen auf VW-Stammaktien, zusammen also 74,1 Prozent.

Im nächsten Jahr wolle man den Anteil auf 75 Prozent aufstocken und damit den Weg für einen Beherrschungsvertrag über VW frei machen. Damit hätte Porsche bei VW völlig freie Hand. Voraussetzung ist aber, dass das VW-Gesetz fällt, welches die Sperrminorität des Landes Niedersachsen bei VW auf 20 Prozent statt der üblichen 25 Prozent senkt. Das VW-Gesetz stößt auf Widerstand der EU.

Spekulanten eiskalt erwischt

Der Großeinkauf von VW-Aktien durch Porsche entwickelte sich für einige Spekulanten zur kleinen Katastrophe: Hedgefonds, die auf fallende Kurse gesetzt hatten, büßten laut "Financial Times" an einem Tag bis zu 15 Milliarden Euro ein.

Weil an der Börse lediglich wenige VW-Papiere übrigblieben und die Händler dennoch Aktien zurückkaufen mussten, um sie den Ausleihern wiederzugeben, kam es zu einem wahren Ansturm auf die Anteilsscheine. Als Folge schoss der Preis der VW-Aktie auch am Dienstag in ungeahnte Höhen.

Die Spekulanten verzockten sich maßlos, weil sie glaubten, mit den sogenannten Leerverkäufen in Zeiten sinkender Aktienmärkte wie sonst auch viel Geld einstreichen zu können. Die Grundidee der Leerverkäufe besteht darin, eine geliehene Aktie erst zu verkaufen und dann vor der Rückgabe an den Ausleiher zum niedrigeren Kurs zurück zu erwerben. Solche Geschäfte gelten als riskant, doch es geschieht selten, dass sie derart schiefgehen wie im Falle der VW-Aktie.

Porsche erwartet ruhigeres Fahrwasser

Hintergrund der Porsche- Bekanntgabe waren offenbar die extremen Kursschwankungen der VW-Aktie in den vergangenen Wochen gewesen: Zunächst schnellte der Kurs auf rund 400 Euro in die Höhe, am Freitag war die Aktie dann nur noch 218 Euro wert. Die Ursache dieser Schwankungen waren für Marktteilnehmer unerklärlich und erscheinen durch den realen Wert des Unternehmens nicht gedeckt.

Ein Porsche-Sprecher erklärte, mit der Übernahme-Ankündigung wolle man die Märkte beruhigen. "Der Kurs der VW-Aktie war völlig irrational", sagte der Sprecher. Nachdem Porsche nun Klarheit über seine Pläne geschaffen habe, rechne er beim Thema Aktienkurs damit, dass sich in ein oder zwei Monaten die Lage entspannen werde. Er erinnerte daran, dass Porsche erst im November/Dezember 2008 die 50-Prozent-Hürde bei VW nehmen wolle.

Die Bekanntgabe der VW-Übernahme folgte am Ende einer Woche, in der die Porsche-Eigentümerfamilien Porsche und Piëch ihre Meinungsverschiedenheiten beigelegt hatten. Am Donnerstag erklärte VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech, gegen eine Beherrschung von VW durch Porsche sei nichts einzuwenden. Das war eine Überraschung, denn der Beherrschungsvertrag würde die Macht des Aufsichtsratschefs bei VW beschneiden. So müsste der VW-Vorstand dann beispielsweise Anweisungen der Porsche-Holding ausführen.

Experten fragen: Was will Porsche?

Dennoch fragen sich erste Experten kritisch, was Porsche mit seinem neuerlichen Coup erreichen will. Denn selbst für den Fall, dass der Sportwagenbauer im nächsten Jahr auf 75% aufstocken würde, hätte er damit noch längst nicht die Chance auf einen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag, solange die VW-Satzung hier eine Hürde von 80% vorsieht. Ganz zu schweigen von der Frage, wie Porsche eine solche Aufstockung finanziell zu stemmen gedenkt.

Der Volkswagen-Betriebsrat lehnt es bislang jedenfalls strikt ab, dass Porsche einen Beherrschungsvertrag mit VW schließt. "Für die mehr als 360.000 Beschäftigten von Volkswagen wäre es eine Katastrophe, wenn Manager, die Arbeitnehmerrechte mit Füßen treten, in diesem Unternehmen das Sagen bekämen", erklärte Betriebsratchef Bernd Osterloh.

Ein großes Special zur Finanzkrise finden Sie hier.

Quelle: afp2

 
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