Zweiter Anlauf am Freitag: Hoffen und Bangen um US-Rettungspaket
zuletzt aktualisiert: 03.10.2008 - 19:01Washington (RPO). Am Freitag nimmt das 700 Milliarden Dollar schwere Rettungspaket für das Finanzsystem im US-Repräsentantenhaus seinen zweiten Anlauf. Demokraten und Republikaner werben im Vorfeld gemeinsam für eine Zustimmung. Die Finanzwelt bangt gespannt aufs Kapitol.
Dem Repräsentantenhaus werde kein Entwurf vorgelegt, der nicht genügend Stimmen habe, sagte dessen demokratische Präsidentin Nancy Pelosi am Donnerstag in Washington. Sie zeigte sich zuversichtlich, dass es eine Abstimmung geben werde.
Zugleich warb US-Präsident George W. Bush noch einmal für eine rasche Verabschiedung des Rettungspakets. Durch den Plan würde die Erholung der US-Wirtschaft gefördert: "Eine starke, überparteiliche Unterstützung des Gesetzes ist wichtig und ein hilfreiches Signal an die Märkte im In- und Ausland, dass die Regierung alle notwendigen Maßnahmen unternimmt, um das Finanzsystem wieder auf den richtigen Weg zu bringen", hieß es in der Erklärung des Weißen Hauses.
Nach dem Scheitern des insgesamt 700 Milliarden Dollar schweren Rettungsplans am Montag rief Pelosi die Abgeordneten eindringlich dazu auf, den inzwischen abgeänderten und vom Senat bereits gebilligten Entwurf dieses Mal zu verabschieden: "Wenn wir nicht handeln, müssen hart-arbeitende Amerikaner und Millionen Menschen mitansehen, wie sich der amerikanische Traum in Luft auflöst."
Das überraschende Nein der Repräsentanten zu dem Rettungsplan hatte eine Rekord-Talfahrt der US-Finanzmärkte ausgelöst und international Ängste vor einer Kettenreaktion hervorgerufen. Am Donnerstag hielt die Talfahrt an den Börsen weiter an: Der Dow-Jones-Index schloss 3,2 Prozent tiefer bei 10.482 Punkten. Der Technologie-Index Nasdaq büßte sogar knapp 4,5 Prozent ein und schloss bei knapp 1977 Punkten. Auch die größten lateinamerikanischen Börsen erlitten schwere Verluste.
Für Unruhe sorgten zudem Äußerungen des demokratischen Mehrheitsführers im Senat, Harry Reid, wonach ein großes US-Versicherungsunternehmen bereits am Rande des Bankrotts stehe. Reid hatte bei seiner Warnung am Mittwoch keine Namen genannt, doch verlor die Aktie von MetLife, des größten US-Lebensversicherers, einen Tag später rapide an Wert.
Trotz der Versicherung von MetLife, "finanziell solide" dazustehen, fiel die Aktie weiter. Reid bedauerte daraufhin seine Äußerungen. Diese hätten sich "allgemein" auf den Finanzsektor bezogen, ihm sei persönlich kein Unternehmen bekannt, das vor der Insolvenz stünde.
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