Die Wut wächst: HRE-Chef Funke kaum noch zu halten
zuletzt aktualisiert: 06.10.2008 - 09:04Berlin (RPO). Über dem Chef der Chaos-Bank Hypo Real Estate, Georg Funke, schlagen die Wogen der Empörung zusammen. Zahlreiche Politiker fordern seinen Rücktritt. Nun auch Peer Steinbrück. Der Finanzminister schäumt vor Wut. Schon am gestrigen Abend war ihm in den TV-Interviews der Zorn auf die HRE-Spitze anzusehen.
Fass übergelaufen Der Grund von Steinbrücks Verstimmung liegt auf der Hand. Funke hat die Folgen der Finanzkrise noch kleingeredet, als er um die Probleme der Bank längst hätte wissen müssen. Den größten Fauxpas leistete er sich in dieser Woche. Die Nachricht vom plötzlichen Nachbesserungsbedarf in der HRE-Krise brachte das Fass zum Überlaufen.
Steinbrück stinksauer Noch im heute-journal, während der dramatischen Verhandlungen, unterzog Steinbrück das Management beißender Kritik. Die Bundesregierung fühle sich "definitiv falsch informiert", kritisierte er. Die Meldung von weiteren Liquiditätslöchern des Konzerns habe ihn "entsetzt". Auch von dem Scheitern des ursprünglich geplanten 35 Milliarden schweren Rettungspaketes habe die Bundesregierung nur "aus den Nachrichten" erfahren. Dies habe "erhebliche Verärgerung" ausgelöst.
Rücktrittsforderung Nun fordert der Bundesfinanzminister den Rücktritt der Führung. "Ich halte es für undenkbar, dass mit dem jetzigen Management weiter zusammengearbeitet wird", sagte Steinbrück am Montag im Deutschlandfunk.
Verheerender Eindruck Der Eindruck, den Funke hinterlässt, ist verheererend. Der HRE-Chef hat die Folgen der Finanzkrise noch kleingeredet, als er um die Probleme der Bank längst hätte wissen müssen. Entweder hat er alle getäuscht, oder er hat das Ausmaß der Krise nicht verstanden. Beides wäre schlimm. Der Erlanger Bankprofessor Wolfgang Gerke spricht von "katastrophalem Missmanagement". Funkes Rücktritt scheint unvermeidlich.
Das 15-Milliarden-Versehen Erst vor einer Woche hatte die Bundesregierung ein Rettungspaket in Höhe von 35 Milliarden Euro für die HRE geschnürt. Nur wenige Tage später legt Funke neue Zahlen vor. Das Ausmaß der Krise ist deutlich größer. Plötzlich sind 50 Milliarden nötig. Die Banken hatten am späten Sonntagabend ihre Kreditlinie für den Immobilienfinanzierer um 15 Milliarden Euro aufgestockt.
Weiter Bürgschaft denkbar Eine weitere Bürgschaft des Staates für die Bank könne er "nicht ausschließen", sagte Steinbrück im Deutschlandfunk. Über die "singuläre Lösung" für die Hypo Real Estate hinaus "müssen wir versuchen, in Deutschland insgesamt einen Schirm zu spannen". Ziel sei, nicht "von einem Fall in den anderen Fall" zu geraten, sagte Steinbrück weiter - "ohne dass ich einen weiteren Fall herbeireden will."
Dank an die Retter Auf die erneute Rettung reagierte Funke erleichtert. "Wir sind für die Unterstützung aller Parteien sehr dankbar", sagte Funke am frühen Montagmorgen in München. Die gefundene Lösung stelle sicher, dass die Hypo Real Estate Group stabilisiert werde, auch bei andauernder Finanzkrise über ausreichende Liquidität verfüge und weiterarbeiten könne.
CDU-Experte Bernhardt Der finanzpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Otto Bernhardt (CDU), sagte der "Bild"-Zeitung: "Wer 35 Milliarden Euro sagt und dann sind es 50 Milliarden Euro - der ist kein kompetenter Gesprächspartner mehr. Es ist an der Zeit, die Konsequenzen zu ziehen."
Grünen-Chef Fritz Kuhn Auch Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn verlangt einen Wechsel an der Bankspitze. "Die HRE hat offenbar nicht alle Fakten zum tatsächlichen Ausmaß der Krise auf den Tisch gelegt. Das Vertrauen in Vorstandschef Funke ist zerstört", sagte Kuhn der Zeitung. "Wenn der Bund Garantien für HRE gibt, muss er im Gegenzug Anteile übernehmen und die Abwicklung der Bank auch personell kontrollieren können."
Unionsfraktionschef Volker Kauder Der Rücktrittsforderung schloss sich acuh der Unionsfraktionschef Volker Kauder an. Es werde "höchste Eisenbahn, dass das Management der Hypo Real Estate in die Wüste geschickt wird" - und zwar möglichst ohne "Goldenen Handschlag", sagte Kauder am Montag im ZDF-Morgenmagazin. Warum inzwischen aus dem 35- ein 50-Milliarden-Euro-Loch geworden sei, habe auch er nicht in Erfahrung bringen können.
Auch Aufsichtsratschef im Visier Nicht nur Funkes Zukunft steht auf der Kippe. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires steht offenbar auch der Name des HRE-Aufsichtsratsvorsitzenden Kurt Viermetz auf der Agenda. "Das wird Thema der nächsten Tage", sagte der Sprecher des Bundesfinanzministeriums, Torsten Albig. Bei der Sitzung habe es entsprechende Forderungen nach einem Rücktritt von Funke und Viermetz gegeben, gesellschaftsrechtlich hätte es dort aber keine Handlungsmöglichkeiten gegeben.
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