1000 Stellen werden gestrichen: Hypo Real Estate auf Schrumpfkurs
zuletzt aktualisiert: 20.12.2008 - 08:27München (RPO). Mit einem deutlichen Schrumpfkurs will die Hypo Real Estate Holding AG (HRE) in den kommenden drei Jahren ihr selbständiges Überleben sichern. Der Konzern solle zum spezialisierten Immobilien- und Staatsfinanzierer auf Pfandbriefbasis umgebaut und die Zahl der Beschäftigten insgesamt um etwa 1000 gesenkt werden, teilte der Konzern am frühen Samstagmorgen in München mit.
Die Einmalkosten von rund 400 Millionen Euro sollen zu zwei Dritteln bereits im vierten Quartal verbucht werden. 2008 werde deshalb mit einem Verlust abgeschlossen. "Mit den jetzt getroffenen Entscheidungen schaffen wir seitens des Unternehmens notwendige Grundlagen für die mittelfristige Rückkehr der Gruppe als aktiver Marktteilnehmer", sagte Vorstandsvorsitzender Axel Wieandt. Angesichts der Finanzmarktkrise und des Abschwungs im Immobilienzyklus gebe es keine Alternative.
Die Restrukturierung der Hypo Real Estate sei eine notwendige Voraussetzung für die bereits erfolgte Unterstützung durch die Bundesrepublik und eine weitere Unterstützung durch den Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin), teilte der Konzern weiter mit. Die Hilfen von Bund und SoFFin seien für die Fortführung des Unternehmens "erforderlich". Die Gespräche mit dem SoFFin über weitreichende Unterstützungsmaßnahmen dauerten an.
Im Rahmen des Umbaus sollen in den kommenden drei Jahren die Hypo Real Estate Bank International und die Depfa Bank mit der Hypo Real Estate Bank AG zusammengelegt werden. Im Bereich Öffentlicher Sektor werde das Geschäft auf das Primärmarkt-Geschäft in den pfandbrieffähigen Märkten Europas sowie auf die Bewirtschaftung des Bestands beschränkt, hieß es weiter. Infrastruktur-Finanzierungen will der Konzern zukünftig nicht mehr anbieten.
Der Konzern befindet sich in einer Schieflage, aus der er nur durch milliardenschwere Hilfen des Bundes, des SoFFin und eines Bankenkonsortiums gerettet werden konnte. Die HRE war vor allem durch ihre vor rund einem Jahr übernommene Tochter Depfa in Bedrängnis geraten, die an den angespannten Geldmärkten nicht mehr ausreichend kurzfristige Kredite erhalten hatte.
Zugleich reagierte der Aufsichtsrat auf die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen jene Vorstände, die zwischen November 2007 und September 2008 im Amt waren. Fristlos wurde dem noch amtierenden Finanzvorstand Markus Fell und dem für das Gewerbe-Immobiliengeschäft verantwortlichen Vorstand Frank Lamby gekündigt. Auch die Verträge mit dem zurückgetretenen Vorstandsvorsitzenden Georg Funke und dem früher für das Staatsfinanzierungsgeschäfts verantwortlichen Vorstands Bo Heide-Ottosen wurden aufgehoben.
Möglichst ohne betriebsbedingte Kündigungen soll hingegen im Rahmen des Umbaus die Zahl der Beschäftigten auf etwa 1000 von derzeit rund 1800 gesenkt werden. Zu zwei Drittel seien davon Stellen im Ausland betroffen. Rund 200 weitere Arbeitsplätze entfielen mit Abschluss des geplanten IT-Investitionsprogramms bis 2013, kündigte die Hypo Real Estate an.
Die Kosten für die Neuausrichtung und Restrukturierung beziffert der Konzern mit rund 400 Millionen Euro. Rund zwei Drittel davon würden "voraussichtlich" im 4. Quartal verbucht, hieß es. Durch das neue Geschäftsmodell sollen die jährlichen laufenden Kosten bis 2011 um rund 200 Millionen Euro und bis 2013 um rund 250 Millionen euro sinken.
Der Konzern und die Hypo Real Estate Bank AG würden das Jahr zudem mit roten Zahlen beenden, da sich internationale Kredit- und Immobilienmärkte im laufenden Quartal weiter eingetrübt hätten. Im 4. Quartal seien "weitere erhebliche Ergebnisbelastungen" aus Handelsgeschäften und aus der Risikovorsorge für Immobilienfinanzierungen und strukturierte Kreditprodukte zu erwarten.
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