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Debatte über Manager-Gehälter: Ifo-Chef empört mit Juden-Vergleich

zuletzt aktualisiert: 26.10.2008 - 21:20

Berlin (RPO). Ifo-Chef Hans-Werner Sinn hat die aktuelle Kritik an Managern mit dem Antisemitismus der 30er Jahre verglichen: Damals, so Sinn, seien die Juden die Sündenböcke gewesen - heute seien es die Manager. Der Zentralrat der Juden fordert ihn nun auf, diese Aussage zurückzunehmen.

"In jeder Krise wird nach Schuldigen gesucht, nach Sündenböcken", sagte Sinn dem "Tagesspiegel". In der Weltwirtschaftskrise von 1929 "hat es in Deutschland die Juden getroffen, heute sind es die Manager". Niemand habe damals an einen "anonymen Systemfehler" glauben wollen, der die Krise ausgelöst habe, befand Sinn. Das stieß umgehend auf scharfen Widerspruch des Zentralrats der Juden in Deutschland, bei Grünen und SPD. Sie forderten Sinn auf, sich zu entschuldigen.

"Dieser Vergleich ist empörend, absurd und absolut deplatziert, eine Beleidigung der Opfer", sagte der Generalsekretär des Zentralrats, Stephan Kramer, der "Neuen Ruhr Zeitung Neuen Rhein Zeitung" (Montagausgabe). In Kenntnis dessen, was wenige Jahre später mit den Juden passierte, sei es hanebüchen, heutige Wirtschaftsführer mit Juden zu vergleichen. "Mir wäre neu, dass Manager geschlagen, ermordet oder ins Konzentrationslager gesperrt würden", betonte Kramer.

Der "Leipziger Volkszeitung" sagte Stephan, mit dieser Gleichstellung würden die Verbrechen der Nazis an Millionen von Juden verharmlost. "Dafür muss sich der Ifo-Chef ohne Wenn und Aber entschuldigen", verlangte Kramer. Sinn verspiele mit seinen leichtfertigen Äußerungen auch sein Ansehen als Wirtschaftswissenschaftler.

Der Generalsekretär verwies darauf, dass die Bankmanager wohl Schuld an der Krise hätten, weil sie genau wüssten, was sie ihren Kunden verkauft hätten. Damit seien die Juden offenbar auch Schuld an ihrem Schicksal in der Nazi-Diktatur gewesen, sagte Kramer. Sinn habe mit dem Vergleich versucht, "die Nazis für ihre Verbrechen zu rehabilitieren".

Sinn hatte die Wirtschaftsführer mit dem Vergleich zur Weltwirtschaftskrise in Schutz gegen die zunehmende Kritik nehmen wollen. Auch damals habe niemand an einen "anonymen Systemfehler" glauben wollen, der die Weltwirtschaftskrise ausgelöst habe, befand Sinn.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Fraktion im Bundestag, Volker Beck, nannte Sinns Äußerung eine "beispiellose Geschmacklosigkeit". "Der Vergleich zwischen Juden und Managern von Sinn ist zynisch und total daneben", betonte Beck und fügte hinzu: "Die Wirtschaftskompetenz von Herrn Sinn mag in der Fachwelt strittig sein. Seine Geschichtsvergessenheit ist ab heute unumstritten. Er sollte seine Äußerung sofort zurücknehmen."

Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Sebastian Edathy (SPD), sagte zu dem Vergleich Sinns: "Angesichts solcher Äußerungen hat man den Eindruck, Herr Sinn ist nicht bei Sinnen". Antisemitische Äußerungen mit berechtigter Kritik an manchen Bankenvertretern zu verwechseln, sei ein starkes Stück, sagte er dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Montagausgabe). "Bankmanager, die für Fehlleistungen verantwortlich sind, werden bekanntermaßen nicht wegen ihres religiösen Glaubens, sondern wegen ihres Handelns kritisiert."

Der SPD-Wirtschaftsexperte Rainer Wend sagte der Zeitung zu den Äußerungen Sinns: "Das ist Schwachsinn.

Ein großes Special zur Finanzmarktkrise finden Sie hier.

Quelle: afp

 
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