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Angst vor Rezession an den Börsen: Ifo-Index sackt auf 20-Jahres-Tief

zuletzt aktualisiert: 20.11.2008 - 12:42

München (RPO). Die Weltwirtschaft rutscht in eine immer tiefere Krise: Wirtschaftswissenschaftler des Münchener Ifo-Instituts erwarten eine globale Rezession. Der Ifo-Index sank auf ein 20-Jahres-Tief. Auch an den internationalen Börsen herrscht Krisenstimmung. Bereits am Mittwoch ging der Dow-Jones-Index mit dem tiefsten Stand seit der Irak-Invasion im März 2003 aus dem Handel.

Ifo-Chef Sinn: "Von einer Rezession zu sprechen, halte ich dennoch für völlig falsch." Foto: RPO

"Insgesamt deuten die erhobenen Daten auf eine globale Rezession hin", erklärte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn am Donnerstag. Denn zum fünften Mal in Folge fiel der ifo-Index für das Weltwirtschaftsklima. Er liegt im vierten Quartal bei 60 Punkten. Vor allem die derzeitige wirtschaftliche Lage, aber auch die Erwartungen für die kommenden sechs Monate wurden von den befragten Experten ungünstiger bewertet.

Der Index zu den Aussichten fiel um fast 9 Punkte auf 52,6 Zähler und ist damit auf dem schlechtesten Stand seit 20 Jahren, wie Ifo-Experte Gernot Nerb sagte. "Auf jeden Fall signalisieren die Erwartungen, dass wir den Tiefpunkt bei der Lage noch nicht erreicht haben", erklärte er. Der Teilindex zur aktuellen Lage stürzte um mehr als 18 Punkte auf 67,6 Punkte ab.

Nicht nur in Nordeuropa, Westeuropa und Asien habe sich die Stimmung verschlechtert, sondern auch in Mittel- und Osteuropa, Russland, Lateinamerika und Australien, hieß es. In Westeuropa werde vor allem die aktuelle Wirtschaftslage sehr negativ bewertet. Besonders betroffen davon seien Spanien, Italien, Belgien und Irland.

Vorsichtiger Optimismus in den USA

Auch in den USA werde die derzeitige Situation kritisch gesehen, allerdings seien dort die Konjunkturerwartungen für die kommenden sechs Monate nicht mehr ganz so pessimistisch, sagte Nerb. Dort gebe es Hoffnung, dass die Maßnahmen der Regierung bald Wirkung zeigten. In Asien dagegen seien sowohl die Urteile zur aktuelle Lage als auch zu den Erwartungen deutlich nach unten revidiert worden. Besonders ungünstig sei die Situation in Japan, Südkorea und Taiwan bewertet worden.

Die zusammen mit der Internationalen Handelskammer in Paris befragten 1.000 Wirtschaftsexperten aus 91 Ländern hätten nahezu überall ihre Inflationserwartungen zurückgenommen, teilte das ifo-Institut mit. Die Mehrheit von ihnen erwarte anders als bei der letzten Befragung sinkende Notenbankzinsen und auch einen Rückgang der langfristigen Zinsen in den kommenden sechs Monaten.

Nachdem der US-Dollar und der japanische Yen in den vergangenen Monaten angezogen haben, gelten beide Währung kaum noch als unterbewertet, hieß es. Den Euro sehen die Wirtschaftsforscher aber immer noch überbewertet und erwarten, dass er in den kommenden Monaten gegenüber dem US-Dollar leicht an Wert verlieren wird.

Angst vor Rezession auch an den Börsen

Angst vor einer Rezession herrscht auch an den internationalen Börsen: Die miserablen Vorgaben der Wall Street haben die Aktienkurse am Donnerstag weltweit auf Talfahrt geschickt. Der Deutsche Aktienindex Dax fiel am Vormittag um 3,54 Prozent auf 4.200 Punkte.

Größter Verlierer im Dax war der angeschlagene Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate mit einem Verlust von 15,35 Prozent. Auch Deutsche Bank und Deutsche Börse gaben deutlich nach. Der MDax gab um 3,89 Prozent auf 4.734,80 Punkte nach, der TecDax um 3,75 Prozent auf 440,03 Punkte. Deutliche Kurskorrekturen verzeichneten auch die Börsen in London und Paris.

Schwache Vorgaben aus Übersee belasten den Handel

In Asien waren die Verluste noch deutlicher: In Tokio fiel der Nikkei-Index nach schlechten Daten zur japanischen Exportkonjunktur bis Handelsschluss um 6,9 Prozent. Der Leitindex in Südkorea sackte um 6,7 Prozent ab. Der Hang Seng in Hongkong schloss etwa 4 Prozent niedriger.

Am Mittwochabend hatte der Dow-Jones-Index für 30 führende Industriewerte um 427,47 Punkte oder 5,07 Prozent auf 7.997,28 Zähler nachgegeben. Dies ist der niedrigste Stand seit März 2003.

Quelle: afp

 
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