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Autokrise: Jeder vierte Zulieferer gefährdet

VON ULRIKE WINTER - zuletzt aktualisiert: 28.10.2008 - 07:41

Düsseldorf (RP). Die Produktionsstopps der Autohersteller treffen jetzt auch die Zulieferer: Betriebe in Nordrhein-Westfalen feiern Überstunden ab, planen Weihnachtspausen und Entlassungen. Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer spricht sogar von bis zu 15.000 Stellenstreichungen.

Die Stellen bei den Autoherstellern könnten abgebaut werden. Foto: ddp, ddp

Daimler schockt mit einer Zwangspause: Wegen der Absatzflaute auf dem Automarkt drosseln die Stuttgarter radikal die Produktion und schicken 150.000 Mitarbeiter in verlängerte Weihnachtsferien – in allen 14 deutschen Montagewerken, wie Personalvorstand Günther Fleig gestern betonte.

Bis zu vier Wochen könnten die Bänder stillstehen. Die Kernmarke Mercedes-Benz werde 2008 etwa 45.000 Autos weniger bauen. Zunächst würden Überstunden abgebaut. Wenn die Flaute anhalte, sei auch eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit von 35 auf 30 Stunden möglich. Wenn das nicht reiche, könnte das Unternehmen Kurzarbeit anmelden.

Bei den Zulieferern in NRW schlagen die Auftragseinbrüche unmittelbar durch. Beim Türschlossbauer Kiekert (Heiligenhaus) bauen die 1250 Mitarbeiter bereits verstärkt Überstunden ab. Auch beim Kolbenbauer Kolbenschmidt Pierburg, der in Neuss und Nettetal 1400 Beschäftigte hat, bauen die Mitarbeiter derzeit Arbeitszeit-Guthaben und Urlaub ab. Die Rheinmetall-Tochter hat ihre Umsatzprognose für 2008 von 120 Millionen Euro Gewinn vor Steuern auf 80 Millionen gesenkt.

Federal Mogul (Burscheid) fährt nach Auftragseinbrüchen um 30 Prozent die Zahl der Schichten runter, sagt Betriebsrats-Chef Michael Bergmann. Über Weihnachten gehen er und seine 1800 Kollegen in Betriebsferien – was es bei dem Kolbenringhersteller vorher nicht gab. Von den 300 befristet Beschäftigten sind nur noch 190 im Unternehmen, von 70 Leiharbeitern gerade noch zehn. "Wenn die Aufträge weiter zurückgehen, müssen wir in Kurzarbeit gehen."

Der Autositz-Bauer Johnson Controls (Burscheid) geht neben Kurzarbeit sogar von Werksschließungen aus. Europaweit sollen im laufenden Geschäftsjahr 200 Stellen wegfallen. Der Lenksystem-Hersteller TRW, der in Düsseldorf, Krefeld und Gelsenkirchen vertreten ist, will weltweit 900 Stellen abbauen, auch in NRW, heißt es in der Branche. TRW sagte dazu auf Anfrage unserer Zeitung, man wolle die "Kosten den veränderten Marktbedingungen anpassen".

Der Stuttgarter Autozulieferer Bosch erwägt, die Arbeitszeit von 35 auf 30 Stunden zu verkürzen. Auch Kurzarbeit ist möglich.

Branchenexperte sieht Arbeitsplätze gefährdet

Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer geht davon aus, dass in der Branche derzeit 15.000 der 350.000 Stellen bedroht sind. "Und die Jobs der 60.000 Zeitarbeiter sind ohnehin in Gefahr", sagt er. "Wenn sich die Krise verschlimmert und die Zulieferer keine Hilfe bekommen, könnten 20 bis 25 Prozent der deutschen Zulieferer wegfallen." Bei 860 Betrieben wären das etwa 200. Der Großteil der Firmen sei von ein bis zwei Großkunden abhängig.

"Gibt es kein Kreditprogramm der Regierung für die Autozulieferer, gehen in den nächsten zwei Jahren bis zu 20 Prozent der Autozulieferer in Konkurs", sagte Dudenhöffer der "Bild"-Zeitung. "Dann fallen bis zu 50.000 Jobs weg." Derzeit sind in der direkten Zulieferindustrie rund 350.000 Mitarbeiter beschäftigt.

Dudenhöffer forderte die Bundesregierung auf, ein Kreditförderprogramm speziell für die Zulieferindustrie aufzulegen. Die Firmen hätten es wegen der Finanzkrise und des Absatzeinbruchs besonders schwer, an neue Bankkredite zu kommen.

Ein großes Special zur Finanzkrise finden Sie hier.

Quelle: RP

 
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