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American Express flieht unter Rettungsschirm: Jetzt droht eine Kreditkarten-Krise

VON THOMAS ROTTLUFF UND PHILIPP STEMPEL - zuletzt aktualisiert: 13.11.2008 - 20:01
Düsseldorf (RPO). Bereits die Immobilienkrise machte es deutlich: Der "American Way of Life" ist auf Sand gebaut. Als nächstes Opfer wird die Kreditkarten-Branche gehandelt. Die mangelhafte Zahlungsbereitschaft der Kunden von American Express, Visa, Mastercard und Co. soll mittlerweile auf 970 Milliarden US-Dollar angewachsen sein.
American Express flüchtet unter den Banken-Rettungsschirm.  Foto: GETTY IMAGES NORTH AMERICA, AFP
American Express flüchtet unter den Banken-Rettungsschirm. Foto: GETTY IMAGES NORTH AMERICA, AFP

Experten warnten schon vor Wochen: In vielen Fällen könnten US-Bürger möglicherweise die Gelder, die sie über ihre Kreditkarten finanziert haben, nicht zurückzahlen. Häufig ist von einer ähnlichen Größenordnung wie bei der Immobilienkrise die Rede. 

US-Bürger haben schon jetzt immer häufiger Schwierigkeiten damit, ihre Kreditkartenrechnung zu begleichen. Die veranschlagten Zinsen der Institute betragen bis zu 50 Prozent - für die meisten nicht bezahlbar. Die bevorstehende Rezession lässt bei den Kreditinstituten nun die Alarmglocken läuten. Die Zahl der Arbeitslosen ist auf 6,5 Prozent gestiegen, die Realeinkommen stagnieren. Das, so befürchten Experten, lässt auch mehr Zahlungsausfälle erwarten.

Angesichts der düsteren Aussichten zogen die Macher von American Express nun die Reißleine. Vor rund drei Wochen verzeichnete das Unternehmen in den Quartalszahlen einen Gewinneinbruch von 24 Prozent, 7000 Stellen wurden gestrichen. Das Kreditinstitut lässt sich nun in eine Bankholding umwandeln, "um von den zahlreichen Programmen der Regierung profitieren zu können", erläutert Vorstandsvorsitzender Kenneth Chenault.

So erhofft sich die Unternehmensführung, am 700 Milliarden US-Dollar schweren Rettungspaket der Regierung partizipieren zu können. Das New Yorker Unternehmen sehnt sich nach "größtmöglicher Flexibilität und Stabilität" und braucht dafür Kapital.

Auch Visa und Mastercard sehen stürmischen Zeiten entgegen

Wie die Planungen umgesetzt werden sollen, bleibt vorerst offen. Vieles deutet auf eine Verbreiterung der Geschäftsbasis bei American Express hin. Dies bedeutet, dass das Unternehmen zukünftig auf Giro-Konten und andere Kundeneinlagen setzt. 

Doch nicht nur American Express steht unter Druck. Laut Informationen der ARD kalkulieren die Manager von Mastercard und Visa für das kommende Jahr bereits mit Gewinnrückgang. Durch die Konsumflaute wird weniger Geld in die Kassen gespült. Beide Kreditinstitute sehen schweren Zeiten entgegen.

Über die möglichen Auswirkungen der Kreditkarten-Krise kursieren unterschiedliche Prognosen. Banken-Vertreter sind um Beschwichtigung bemüht: Die Gefahr einer zweiten Katastrophe existiere nicht. Man sei "gar nicht in einem solchen Marktsegment aktiv", entsprechende Papiere würden "nur eine untergeordnete Rolle spielen", hört man aus den Instituten.

Professor Stephan Paul hält dagegen. Die Krise schwappe definitv auch nach Deutschland und Privatanleger seien ebenfalls betroffen, sagte der Finanzexperte von der Universität Bochum der ARD. Allerdings seien die deutschen Banken im Wertpapier-Segment nicht so stark involviert, wie zuvor bei der Hypotheken-Krise.

Ein großes Special zur Finanzkrise finden Sie hier.


 
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