350-Millionen-Überweisung an Lehman Brothers: KfW-Manager kannten das Risiko
zuletzt aktualisiert: 22.09.2008 - 15:17Frankfurt/Main (RPO). Die Millionenpanne bei der Staatsbank KfW hätte offenbar verhindert werden können. Medienberichten zufolge sind die KfW-Manager bereits Freitag vorvergangener Woche bei einer Analyse zu dem Schluss gekommen, dass "Lehman nicht so gut aussieht". KfW-Chef Schröder rechnet nach der Panne mit einem Verlust.
So beschloss die KfW laut "FAZ", die geplante Überweisung durchzuführen, weitere Geschäfte mit Lehman aber nicht mehr zu tätigen. Trotz sich zuspitzender Medienberichte sei der Auftrag zur Transaktion dann am Montag um 8.37 Uhr bei der Bundesbank eingegangen und wenig später ausgeführt worden. Ein weiteres Treffen des Krisenstabes der Bank habe die Überweisung nicht mehr stoppen können. Dem Bericht zufolge ist mindestens die Hälfte der 350 Millionen Euro verloren.
Nach Angaben von "Spiegel Online" hingegen haben sich die drei suspendierten Manager der KfW bereits bei ihrer Analyse am Freitag auf einen Überweisungsstopp an Lehman verständigt. Allerdings habe offenbar niemand die bereits im Computer gespeicherte Transaktion überprüft. So sei dann am Montag um 8.03 Uhr die betreffende Überweisung an die zuständige Bundesbank übermittelt worden. Wenig später erreichte KfW-Chef Ulrich Schröder wie alle anderen Chefs deutscher Banken eine Mail der Bundesbank, wonach "Lehman nicht mehr am Zahlungsverkehr teilnimmt".
KfW-Chef rechnet mit roten Zahlen
Unterdessen rechnet die KfW-Bank nach der Überweisungspanne an die insolvente US-Investmentbank Lehman und den Belastungen wegen der inzwischen verkauften Mittelstandsbank IKB für das Gesamtjahr 2008 mit roten Zahlen. "Ich fürchte, dass wir schwarze Zahlen nicht schaffen werden, eben wegen der IKB- und auch der Lehman-Belastungen", sagte KfW-Chef Ulrich Schröder dem "Handelsblatt".
Zur Höhe des Verlustes wollte sich Schröder nicht äußern. Dies hänge von der Entwicklung der Finanzkrise und der Bewertung des Wertpapierbestands ab. Sein Ziel sei es jedoch, alle Altlasten noch im Jahresabschluss 2008 zu verarbeiten. Schon im vergangenen Jahr hatte die KfW-Bank mit einem Konzernverlust von 6,2 Mrd. Euro das größte Minus in ihrer 60-jährigen Unternehmensgeschichte eingefahren.
Verschärftes Risikmanagement gefordert
Als Konsequenz aus dem Überweisungsdebakel an die zusammengebrochene US-Bank, kündigte Schröder ein verschärftes Risikomanagement und eine konservativere Anlagepolitik der Staatsbank an. Zwar müsse die KfW, wie andere Banken auch, Liquidität in Form von Wertpapieren vorhalten. "Aber eine Förderbank muss sich bei der Auswahl ihrer Wertpapiere sehr konservativ verhalten, das tun wir auch bereits. Wir sind aber gut beraten, vor dem Hintergrund der Erfahrungen der aktuellen Situation unsere Geschäftspolitik noch konservativer zu fahren."
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