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Finanzkrise: KfW-Panne noch teurer: 550 Millionen

zuletzt aktualisiert: 18.09.2008 - 21:22

Düsseldorf (RP). Der Verwaltungsrat der Staatsbank feuerte zwei Vorstände. Damit endete ein turbulenter Tag der Finanzkrise. Am Morgen hatten die Notenbanken 180 Milliarden Dollar in den Markt gepumpt. Die Börsen bleiben skeptisch. Die Investmentbank Morgan Stanley strauchelt.

Als Konsequenz aus der Millionen-Panne bei der Staatsbank KfW werden zwei Vorstandsmitglieder vorläufig suspendiert. Ebenso muss der Bereichsleiter Risiko-Controlling gehen, bis die Dinge geklärt sind. Dies teilte der Vorsitzende des Verwaltungsrats, Bundeswirtschaftsminister Michael Glos, gestern Abend im Anschluss an eine fast vierstündige Krisensitzung in Berlin mit.

Versehentlich Geld überwiesen

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass die KfW ausgerechnet am Tag, als die US-Investmentbank Lehman Brothers ihren Insolvenzantrag gestellt hat, irrtümlich 300 Millionen Euro an Lehman überwiesen hat. Die Bank sprach von einer „technischen Panne”. Dafür musste sie gestern viel Häme einstecken: Die „Bild”-Zeitung titelte „Deutschlands dümmste Bank”, und die „Tageszeitung” ätzte über „Die Trottel von der KfW”. Noch ist unklar, wie viel der Bund aus den Mitteln, die Lehmann jetzt noch hat, zurückerhalten wird. Nach Informationen des ZDF liegt die Schadenssumme der KfW insgesamt sogar bei 550 Millionen Euro, da die Bank nicht nur durch Währungsgeschäfte, sondern auch durch Schuldverschreibungen mit Lehman verbunden sei.

Kein Risikomanagement?

Dennoch stellte sich der Verwaltungsrat hinter KfW-Chef Ulrich Schröder, der erst vor kurzem ns Amt gekommen war. Josef Schlarmann, der Vorsitzende der Mittelstandsvereinigung der CDU, greift dagegen den Verwaltungsrat an: „Das Gremium hat kein professionelles Personal an den entscheidenden Stellen in der Bank eingestellt”, sagte der CDU-Politiker unserer Zeitung. Es fehle in der Bank ein Risikomanagement. Deshalb seien Pannen wie die Überweisung leichter möglich. Die KfW, so Schlarmann, habe „Behördencharakter” und werde „nicht bankmäßig geführt”.

Der Verwaltungsrat genehmigte bei zwei Gegenstimmen auch den Verkauf der Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB an den Finanzinvestor Lone Star. Lone Star soll 100 Millionen Euro für die IKB bezahlt haben. Bund und KfW haben bisher 8,5 Milliarden Euro für die angeschlagene Mittelstandsbank bereit gestellt.

Frisches Geld

Mit der KfW-Sitzung ging ein neuer turbulenter Tag in der Finanzkrise zu Ende. Die weltweit wichtigsten Zentralbanken hatten dem Geldmarkt mehr als 180 Milliarden Dollar zusätzliche Kredite zur Verfügung gestellt. Damit wollen die Notenbanken Engpässe am Geldmarkt lindern, wo sich die Lage in den vergangenen Tagen verschärft hatte. Das half dem Dax zunächst. Doch am Abend breitete sich erneut Skepsis aus. Seit Montag hat der Index nun sechs Prozent verloren.

Sorgenkind Morgan Stanley

Die Haupt-Sorge, die die Börsianer Anleger nun umtreibt: Überleben die Investmentbanken Morgan Stanley und Goldman Sachs die Krise? Viele Investoren sind offenbar skeptisch: Die Aktie von Morgan Stanley notierten im Laufe des Tages in New York 22 Prozent niedriger, die von Goldman Sachs verlor zwölf Prozent. Morgan Stanley verhandelt bereits mit der US-Regionalbank Wachovia über eine Fusion. Laut „New York Times” soll Morgan Stanley-Chef John Mack dabei gesagt haben: „Wir brauchen einen Fusionspartner, sonst schaffen wir es nicht.” Auch die britische Bank HSBC wurde als möglicher Käufer gehandelt.

Die Welle der Notverkäufe macht nicht bei den Investmentbanken halt. Auch die taumelnde Sparkasse Washington Mutual, die größte Sparkasse der Vereinigten Staaten, sucht Partner.

Alles zur Finanzmarktkrise finden Sie in unserem Special.

Quelle: RP

 
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