Finanzkrise: KfW verliert Millionen in Island
VON MICHAEL BRÖCKER - zuletzt aktualisiert: 06.11.2008 - 09:41Berlin (RP). Die bundeseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hat 288 Millionen Euro in Wertpapiere unter anderem bei der angeschlagenen und inzwischen verstaatlichten Kaupthing-Bank in Island angelegt. Das geht aus einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums an die FDP-Bundestagsfraktion hervor, das unserer Redaktion vorliegt.
Demnach hat die Staatsbank "im Rahmen ihrer Fördertätigkeit und der Liquiditätsanlage" 288 Millionen Euro in Island angelegt. 98 Millionen Euro hat die KfW bereits als Risikovorsorge zurückgelegt, wie aus dem Schreiben des Finanzministeriums hervorgeht.
Dass die Staatsbank ihr Geld wiederbekommt, ist unwahrscheinlich. Island kann derzeit wegen der Finanzkrise nur durch Milliardenkredite des Weltwährungsfonds IWF am Leben erhalten werden. Dem Land drohte der Bankrott. Das isländische Einlagensicherungssystem schützt Einlagen nur bis zu einem Wert von 20 887 Euro. "Die Millionen kann die KfW also abschreiben", sagt Hans-Peter Burghof, Finanz-Professor an der Universität Hohenheim. "Wir werden versuchen, die Forderungen gerichtlich durchzusetzen", erklärte dagegen eine KfW-Sprecherin auf Anfrage.
Mit der Island-Anlage muss die staatliche Förderbank, deren Aufsichtsgremium von Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) und Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) geführt wird, erneut eine peinliche Fehlinvestition mit dem Geld der Steuerzahler einräumen. In den vergangenen Monaten hatten bereits die Milliardenverluste der einstigen Düsseldorfer Tochterbank IKB sowie die fehlerhafte Überweisung von 320 Millionen Euro an die insolvente US-Bank Lehman Brothers das Institut negativ in die Schlagzeilen gebracht.
"Die KfW läßt in der Finanzkrise offenbar keinen Fettnapf aus. Ihr Auftrag ist es aber nicht, den Mittelstand in Island zu fördern, sondern in Deutschland. Jetzt muss der Steuerzahler leider wieder zahlen", kritisierte der FDP-Finanzpolitiker Frank Schäffler. Auch Bankenexperte Burghof versteht das Engagement der KfW in Island nicht. "Was hat die Bank dort zu suchen?", fragt er. "Es ist sträflich, bei Banken Geld anzulegen, die keinen ausreichenden Einlagenschutz bieten." Das Renditestreben der Staatsbanker habe offenbar wieder einmal die Vernunft verdrängt.
Laut Bundesfinanzministerium hat die KfW außerdem über eine dänische Tochter einer isländischen Bank Darlehen in Höhe von 300 Millionen Euro gegeben. Diese unterliegen allerdings einer dänischen Staatsgarantie und sind sicher. Weiterhin hält die Staatsbank Wertpapiere der Republik Island in Höhe von 52 Millionen Euro. Ob diese ausfallen könnten, ist unklar.
Bei der Kaupthing-Bank, die europaweit mit besonders hohen Zinssätzen für Tagesgeldkonten geworben hatte, haben auch etwa 30.000 deutsche Privatsparer ihr Geld angelegt. Sie können auf die oben genannte Erstattung von bis zu 20.887 Euro hoffen.
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