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Streit um Steuerspartipps
Kirche: Banken raten ihren Kunden zum Austritt

Hintergrund: Steuertrick und Steuerbetrug
Hintergrund: Steuertrick und Steuerbetrug FOTO: dpa, fz
Düsseldorf. Der Finanzchef der Evangelischen Kirche im Rheinland, Bernd Baucks, erhebt schwere Vorwürfe gegen einzelne Kreditinstitute in Deutschland. Von Jan Drebes

Diese hätten in Informationen über ein neues Verfahren zur Erhebung der Kirchensteuer auf Kapitalerträge ihre Kunden dahingehend beraten, "dass sie der Steuer am besten durch Austritt begegnen können", sagte Baucks auf Anfrage unserer Redaktion.

Um welche Banken es sich dabei handelt, wollte er nicht sagen. Nach seinen Angaben würden sich aber zudem die Kirchenaustritte seit Jahresbeginn "eklatant häufen". Ein Zusammenhang dieses Anstiegs mit den zumeist im Frühjahr verschickten Informationen der Banken zum neuen Verfahren sei feststellbar, so Baucks. Auch, "weil direkte Briefe an die Pfarrerinnen und Pfarrer geschrieben worden sind".

Derzeit müssen in ganz Deutschland Banken ihre Kunden darüber aufklären, dass die auf Kapitalerträge fällige Kirchensteuer ab 2015 nun automatisch vom Kreditinstitut an die Finanzämter abgeführt wird. Zwar war auch schon in der Vergangenheit neben der Kapitalertragssteuer eine Kirchensteuer von acht bis neun Prozent auf Kapitalerträge wie Zinsen fällig. Allerdings mussten Bankkunden bisher die Kirchensteuer in der Steuererklärung geltend machen. Nur wenige Anleger hatten ihrer Bank bereits die Erlaubnis gegeben, die Kirchensteuer auf ihre Kapitalerträge direkt an das Finanzamt abzuführen.

Während sich die Banken über den Mehraufwand durch das automatisierte Verfahren beklagen, sorgen jetzt also vor allem die Informationsschreiben der Institute bei den Kirchen für Bauchschmerzen. Das offenkundige Problem: Kirchenmitglieder, die schon zuvor an einen Austritt aus der Kirche gedacht haben – etwa wegen der Steuern – werden nun noch einmal mit der Nase auf die fällige Abgabe gestoßen.

Offenbar veranlasst das nicht wenige Menschen dazu, der Kirche endgültig den Rücken kehren: Bernd Baucks spricht als Vertreter der Evangelischen Kirche von 13 915 Austritten im Jahr 2012 und von geschätzten 19 000 Austritten im Jahr 2013 – also einem Anstieg von rund 37 Prozent. "Dieser Anstieg ist überdeutlich und man muss wohl annehmen, dass das neue Verfahren neben anderen Faktoren zu dieser 'Welle' beigetragen hat", sagte Baucks unserer Zeitung.

Aus Kirchenkreisen heißt es hinter vorgehaltener Hand, man habe darauf gehofft, dass die Einnahmequelle der Kirchensteuer auf Kapitalerträge mit dem automatisierten Abgabeverfahren effizienter abgeschöpft würde. Denn bisher hatten viele Gläubige das für ihre Zinseinkünfte schlicht nicht getan. Wegen der vermehrten Austritte könnten sich nun aber für die Kirchen unter dem Strich sogar Mindereinnahmen ergeben. Baucks erklärt das so: "Durch Kirchenaustritt gehen ja schließlich nicht nur Kirchensteuern auf Kapitalerträge, sondern auch Kirchenlohnsteuern verloren. Wir befürchten eine Senkung der Einnahmen aufgrund der Einführung des neuen Verfahrens in dem Umfang, wie das neue Verfahren den Impuls zum Kirchenaustritt gegeben hat."In welcher Größenordnung sich diese Mindereinnahmen bewegen könnten, vermochte Baucks nicht zu schätzen.

Sowohl beim Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken als auch beim Bundesverband deutscher Banken, der private Institute vertritt, hält man den Vorwurf von Baucks für unglaubwürdig, Banken hätten ihren Kunden den Kirchenaustritt nahegelegt. Weil jedoch jedes Institut auf eigene Faust über das neue Verfahren informieren könne, wolle man auch nichts ausschließen, hieß es auf Anfrage. Die Verbände jedenfalls hätten eine solche Empfehlung nicht an ihre Mitglieder weitergegeben.

Beim Erzbistum Köln, also der Katholischen Kirche, wollte man mögliche Austrittszahlen noch nicht nennen. Ein Sprecher sagte aber: "Wir müssen gleichwohl von Austritten ausgehen, die durch das neue Verfahren ausgelöst wurden, da wir aus Anfragen schließen, dass manche Kirchensteuerzahler durch die Anfrage der Banken überhaupt erstmals von der Steuerpflicht ihrer Kapitalerträge erfahren haben."

Quelle: RP
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