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Finanzkrise: Kurzarbeit für Hundertausende

zuletzt aktualisiert: 30.11.2008 - 11:38

Frankfurt/Main (RPO). Hunderttausende Arbeitnehmer in Deutschland werden Anfang kommenden Jahres laut einer Umfrage in der Industrie kurzarbeiten. Nach einer verlängerten Weihnachtspause drohe in vielen Unternehmen der nahtlose Übergang in die Teilzeitarbeit. So plane der Autokonzern Daimler, in mehreren Fabriken von Januar bis April nur noch zeitweise zu produzieren.

Die Misere der Autohersteller schlägt mittlerweile voll auf die Zulieferer ein, geht aus der Umfrage der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung hervor. "Wir werden an einigen Standorten auf das Mittel der Kurzarbeit zurückgreifen. Damit können wir zunächst unsere Beschäftigungssituation stabilisieren", sagte eine Conti-Sprecherin der Zeitung. Über die konkrete Gestaltung werde auf lokaler Ebene verhandelt.

Auch im Maschinenbau, der Chemie- und der Stahlindustrie werde die Produktion bald zeitweise ruhen: BASF und MAN prüften die Einführung von Kurzarbeit, Arcelor Mittal schicke einen Teil der Arbeiter in den Hütten Bremen und Eisenhüttenstadt in die Zwangspause. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) verzeichnete bereits im Oktober einen drastischen Anstieg der Kurzarbeit. Unternehmen meldeten Kurzarbeit für 57 000 Beschäftigte an, das sind 30 000 mehr als im Oktober 2007, sagte ein Sprecher.

Infineon prüft wegen Konjunkturflaute Kurzarbeit

Der angeschlagene Halbleiterhersteller Infineon will sein Sparprogramm nach einem Zeitungsbericht verschärfen. Das Unternehmen verhandle mit den Arbeitnehmervertretern über Kurzarbeit, berichtete die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf das Konzernumfeld. Eine Entscheidung sei noch nicht getroffen worden, sagte eine mit den Gesprächen vertraute Person der Zeitung. Demnach sollen die bisher geplanten Einsparungen von jährlich 200 Millionen Euro deutlich erhöht werden. Ein weiterer Arbeitsplatzabbau sei nach heutigem Stand nicht geplant.

Erste Informationen zum Umfang der weiteren Sparmaßnahmen werden auf der Bilanzpressekonferenz des Konzerns am kommenden Mittwoch erwartet. Infineon-Chef Peter Bauer hatte Ende Juli angekündigt, die Kosten jährlich um 200 Millionen Euro senken zu wollen. Das Sparprogramm sieht unter anderem den Abbau von weltweit 3000 Stellen vor, davon 2000 in Deutschland - das ist hierzulande jede fünfte Stelle. Nun mache der Wirtschaftsabschwung weitere Sparmaßnahmen notwendig, zitierte die "WamS" das Konzernumfeld. Infineon bekomme etwa die Krise in der Autoindustrie stark zu spüren, da der Halbleiterhersteller Chips an die Autohersteller liefert.

Kurzarbeit bei Daimler

Wegen der stark rückläufigen Lkw-Bestellungen in Europa will auch Daimler im pfälzischen Wörth die Fertigung im ersten Quartal 2009 herunterfahren. Auch die Mitarbeiter im Sprinter-Werk in Düsseldorf sind von Kurzarbeit bedroht. "Wir stellen uns derzeit auf eine Produktionsdrosselung um 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein", sagte Werkleiter Martin Daum der Fachzeitschrift "Automobilwoche".

Derzeit lägen die Auftragseingänge deutlich unter den im Branchenzyklus üblichen Rückgängen und hätten nichts mit einer normalen konjunkturellen Abkühlung zu tun. Dank hoher Flexibilität, die mit dem Betriebsrat erreicht wurde, stehe aber weder Kurzarbeit noch ein Abbau der Stammbelegschaft zur Debatte. "Bis April haben wir überhaupt keine Probleme", sagte Daum.

Quelle: afp

 
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