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Chancen für deutsche Bankkunden: Lehman-Opfer bekommt Geld zurück

zuletzt aktualisiert: 21.10.2008 - 20:23

Hamburg (RPO). Die Dresdner Bank hat einer Kundin 21.000 Euro zurückerstatten müssen. Sie hatte dort Zertifikate von der pleite gegangenen US-Investmentbank Lehman Brothers gekauft und später geklagt. Verbraucherschützer sehen eine Art Präzedenzfall und gute Chancen auf Erstattung auch für weitere deutsche Anleger.

Bereits vor der Pleite von Lehman Brothers hat die Hamburgerin das Geld für die Lehman-Zertifikate zurückbekommen. Es handele sich um einen "Einzelfall" aus dem Jahr 2007, erklärte ein Sprecher der Dresdner Bank am Dienstag.

Die Frau hatte die Zertifikate Anfang 2007 erworben und war nach deren erheblichem Wertverlust juristisch gegen die Bank vorgegangen. Ihren in einer Klage erhobenen Anspruch auf Schadenersatz erkannte die Dresdner Bank an, somit schloss das Landgericht Ende Juni 2008 das Verfahren mit einem so genannten Anerkenntnisurteil ab.

Der Rechtsanwalt der Bankkundin sagte "NDR Info", seine Mandantin habe sich falsch beraten gefühlt. Nach Angaben der Verbraucherzentrale wichen bei dem Zertifikat der Kundenprospekt und der offizielle Emissionsprospekt voneinander ab. Außerdem seien die Kunden nicht über die vergleichsweise hohe Provision von 8 bis 10 Prozent für die verkaufende Bank informiert worden. "Wenn die Kunden die hohen Provisionen gekannt hätten, wären sie möglicherweise gewarnt gewesen", sagte die Finanzexpertin der Hamburger Verbraucherzentrale, Edda Castellò.

Die Bank verwies hingegen am Dienstag auf ihre "professionellen Standards in der Beratung", deren Einhalten sie bei Beanstandung von Kunden selbstverständlich überprüfe. Der Vorwurf, die Dresdner Bank habe ihre Kunden getäuscht, sei haltlos, sagte ein Sprecher in Hamburg. Aus seiner Sicht gebe es auch keinen Zusammenhang mit Verlusten von Zertifikate-Inhabern nach der Lehman-Pleite Mitte September.

Verbraucherzentrale sieht gute Chancen für Bankkunden

Nach Ansicht Castellòs, zeigt der Fall tausenden Opfern der Lehman-Insolvenz in Deutschland jedoch sehr wohl, dass sie "gute Chancen auf eine volle Erstattung" hätten. Das Wichtigste sei, "dass das Urteil ergangen ist, bevor Lehman pleite gegangen ist".

Das Zertifikat habe schon an sich schwerwiegende Mängel, und zwar intransparente Zinsregelungen und versteckte Provisionen von Lehman an den jeweiligen Verkäufer. Bei denjenigen, die nun im Zuge der Lehman-Insolvenz ihr Geld vollständig verloren hätten, könne zudem "eine weitere Falschberatung über das Risiko" hinzukommen, sagte Castellò am Dienstag.

Inzwischen haben laut "NDR Info" auch einige Kunden der Hamburger Sparkasse ihr in Lehman-Zertifikate investiertes Geld wiederbekommen. Andere Kunden hätten im Rahmen von Vergleichen dagegen nur einen Teil der Anlagesumme zurückerhalten - bei der Behandlung dieser Fälle habe vor allem die Bonität der Haspa-Kunden eine Rolle gespielt, berichtete der Sender.

10.000 Betroffene allein in Hamburg

Bei der Verbraucherzentrale Hamburg haben sich bereits mehrere Hundert Lehman-Opfer gemeldet. Inzwischen wurden vier Informationsveranstaltungen angesetzt. Die Verbraucherzentrale rät allen geschädigten Kunden, sich an eine Beratungsstelle oder einen Anwalt zu wenden. Sie geht von von rund 10.000 betroffenen Anlegern allein in Hamburg aus.

Ein großes Special zur Finanzkrise finden Sie hier.

Quelle: afp

 
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