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Konjunkturkrise: Letzte Hoffnung Weihnachten

VON GEORG WINTERS - zuletzt aktualisiert: 25.11.2008 - 21:44

Düsseldorf (RP). Deutschlands Verbraucher sind vor dem Fest in Kauflaune. Sie glauben, dass die Konjunkturkrise sie nicht trifft. Wenn sich aber im kommenden Jahr die Krise verschärft, dürften die Konsumausgaben deutlich sinken. Der Trend zeigt nach unten.

Rund 221 Euro geben die Deutschen in diesem Jahr für Weihnachtsgeschenke aus. Das sind 25 Euro weniger als vor einem Jahr, wie die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young jüngst errechnet hat. Eine Entwicklung, die nicht wirklich geeignet erscheint, kurz vor dem ersten Advent Zuversicht für das Weihnachtsgeschäft im deutschen Einzelhandel zu nähren.

Und doch sind die Deutschen offenbar in Kauflaune. Die Gesellschaft für Konsumforschung hat gestern zum zweiten Mal in Folge einen Anstieg ihres Konsumbarometers bekanntgegeben und begründet dies unter anderem mit den deutlich gesunkenen Energiepreisen. Die Rezession, die andere längst spüren, sehen die Verbraucher woanders, nicht bei sich selbst.

Das Weihnachtsgeld kommt bei vielen mit der November-Gehaltsabrechnung, und die Metaller haben durch den jüngsten Tarifabschluss (plus 4,2 Prozent) mehr Geld in der Tasche. So lautet die Argumentation der Marktforscher in Nürnberg. Und die OECD machte den privaten Konsum gestern gar als Lichtblick 2009 aus: " Die Inflationsrate wird 2009 auf deutlich unter 1,5 Prozent sinken, die Privathaushalte haben daher, begünstigt durch die höheren Lohnabschlüsse der vergangenen Monate, mehr Geld in der Tasche."

Also doch noch Frohlocken im vorweihnachtlichen Handel? Viele glauben nur an ein Strohfeuer. Wenn sich die Rezession am Arbeitsmarkt auswirke und die Arbeitslosenzahlen spürbar stiegen, könnte dies auf die Konsumneigung der Deutschen durchschlagen, meint selbst die GfK. Und ein Anstieg der Arbeitslosenzahlen um 130.000 im Jahresdurchschnitt, dürfte spürbar sein. Die Größenordnung hat Frank-Jürgen Weise, der Chef der Bundesanstalt für Arbeit, jüngst genannt. Zudem beklagt Josef Sanktjohanser, Präsident des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels: "Es ist doch demotivierend, wenn von einer Tariferhöhung wie jetzt in der Metallindustrie bei einem Facharbeiter nur die Hälfte ankommt."

Bittere Zeiten also für den Einzelhandel, der das Jahr 2009 auch mit großer Skepsis erwartet. "Im neuen Jahr wird die Schonfrist für die Branche vorbei sein. Die Finanzkrise wird sich immer stärker auf die Realwirtschaft auswirken. Viele Unternehmen gerade aus exportorientierten Branchen werden Arbeitsplätze abbauen müssen. Das wird sich dann auch auf den Einzelhandel auswirken. Seine Aussichten für 2009 sind verhalten", heißt es im "Fokus Handel", den der Branchenverband HDE regelmäßig veröffentlicht.

Das ist noch eine vorsichtige Formulierung. In Zahlen: Christoph Schlienkamp, Analyst beim Bankhaus Lampe, rechnet für 2009 mit einem nominalen Umsatzminus von einem Prozent, was preisbereinigt einem Minus von drei Prozent entspricht ­ "und das bei den engen Margen im Handel". Beim Handelsverband HDE gibt's noch keine Prognose. Die wird Verbandspräsident Sanktjohanser morgen bei der Weihnachts-Pressekonferenz in Berlin verkünden. Aber auch die ist mit Unsicherheiten verbunden. Denn die Branche macht ein Drittel ihrer Erlöse und fast den kompletten Gewinn im Weihnachtsgeschäft.

Und wen könnte die Flaute im nächsten Jahr besonders hart treffen? "Im Lebensmittel-Handel werden beispielsweise die Discounter profitieren", sagt Analyst Schlienkamp. Und es gehört nicht viel Phantasie dazu, den Anbietern von Luxus-Artikeln (Schmuck, Parfums) schwierigere Zeiten vorauszusagen, wenn viele den Gürtel enger schnallen.

Alles über die Krise an den Finanzmärkten in unserem Special.

Quelle: RP

 
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