Krisentreffen um Hypo Real Estate: Noch 2008 fehlen 50 Milliarden Euro
zuletzt aktualisiert: 05.10.2008 - 13:09Berlin (RPO). Nach dem Scheitern des 35-Milliarden-Rettungspakets für die Hypo Real Estate hat am Sonntag ein Krisentreffen im Bundesfinanzministerium begonnen. Die Teilnehmer wollten nach Möglichkeiten suchen, den schwer angeschlagenen Immobilienfinanzierer zu retten. "Das ist die große Pokerrunde", hieß es aus Finanzkreisen.
"Wir kämpfen um die Existenz des Unternehmens", sagte ein Sprecher der Hypo Real Estate, nachdem der Dax-Konzern am Samstagabend das Scheitern des erst vor einer Woche ausgehandelten Rettungsprogramms mitgeteilt hatte. Die privaten Banken zogen demnach ihre Zusage zurück, ihren Anteil von 8,5 Milliarden Euro zu schultern. Der Bund hatte sich bereit erklärt, für 26,6 Milliarden Euro zu bürgen.
Bis zu 50 Milliarden Euro noch in diesem Jahr
Der Rückzieher der Banken kam offenbar, nachdem eine genaue Prüfung laut Medienberichten einen noch höheren Finanzbedarf des Münchner Immobilienfinanzierers ergab. Die "Welt" schrieb in ihrer Onlineausgabe, der Hypo Real Estate fehlten dem Vernehmen nach bis Ende 2008 bis zu 50 Milliarden Euro und bis Ende 2009 im schlimmsten Fall 70 bis 100 Milliarden Euro. Die AP erfuhr am Sonntag aus Finanzkreisen, dass die Zahl für 2008 "nicht ganz falsch" sei, 100 Milliarden Euro für das nächste Jahr sei jedoch zu hoch.
An dem Krisentreffen im Bundesfinanzministerium nahm auch Bundesbank-Präsident Axel Weber als Berater der Bundesregierung teil. Der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, und der Präsident des Bundesverbands Deutscher Banken, Klaus-Peter Müller, sollten laut Finanzkreisen später dazu stoßen. Die Krisenrunde im Ministerium muss versuchen, bis zur Öffnung der Aktienmärkte in Asien in der Nacht zum Montag eine Auffanglösung für die Hypo Real Estate zu finden.
"Scherbenhaufen vor die Tür gekehrt"
Der Sprecher des Bundesfinanzministeriums, Torsten Albig, sagte nach dem überraschenden Scheitern des Rettungsplans und dem Rückzieher der Banken: "Sie haben uns einen Scherbenhaufen vor die Tür gekehrt, wir versuchen, ihn zu beseitigen." "Spiegel Online" berichtete, das Bundesfinanzministerium sei nicht vorab über das Scheitern unterrichtet worden.
Bundesbank und die Bafin hatten die nun geplatzte Rettungsaktion für die HRE als unbedingt notwendig bezeichnet, um "schwerste Störungen der Geldmärkte" zu verhindern. Bundeskanzlerin Angela Merkel wollte am frühen Sonntagnachmittag zu dem Thema eine Erklärung abgeben.
Das Münchner Institut war im Zuge der internationalen Finanzmarktkrise durch massive Probleme bei der irischen Tochter DEPFA ins Trudeln geraten. Nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers bekam die DEPFA Probleme, sich kurzfristig am Kapitalmarkt zu refinanzieren.
Die Hypo Real Estate hatte in einer Pflichtmitteilung am Samstagabend erklärt, der Rettungsplan in einer Gesamthöhe bis zu 35 Milliarden Euro sei derzeit nicht länger gültig. Die Gruppe prüfe die daraus drohenden Konsequenzen für die Einheiten des Konzerns. Es werde nach alternativen Maßnahmen gesucht. "Die vorgesehenen Maßnahmen sahen zunächst eine Liquiditätslinie einer Gemeinschaft mehrerer beteiligter Finanzinstitute vor." Diese habe es nun abgelehnt, diese Liquiditätslinie bereitzustellen.
Alles über die Krise an den Finanzmärkten in unserem Special.
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