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Öl deutlich billiger als Gas
Die Heizkosten sinken weiter

Fragen und Antworten rund um den Gaspreis
Fragen und Antworten rund um den Gaspreis FOTO: ddp
Hamburg . Sinkende Energiekosten füllen die Geldbeutel: Mildes Wetter und fallende Preise für Öl und Gas entlasten die Verbraucher in Deutschland bei den Heizkosten.

In der abgelaufenen Heizperiode von Anfang Oktober 2015 bis Ende Mai 2016 mussten die Haushalte nahezu gleich viel Heizenergie einsetzen wie 2014/15. Das ergab eine Analyse des Internet-Portals Verivox. War der Oktober noch deutlich kälter als ein Jahr zuvor, so fielen die übrigen Winter- und Frühjahrsmonate eher wärmer aus.

Das Wetter hat den größten Einfluss auf die Heizkosten und die Verbraucher profitieren von der anhaltend milden Witterung. Der zweite wichtige Faktor sind die Preise für den Brennstoff. Und da hat sich der Wind gründlich gedreht. Nach jahrelangen Preissteigerungen und hohen Nachzahlungsforderungen von Energieversorgern und Vermietern bei der Jahresabrechnung geht es nun in die andere Richtung.

Ein Musterhaushalt von drei bis vier Personen in einem Einfamilienhaus mit Gasheizung musste nach den Verivox-Berechnungen in der abgelaufenen Heizperiode durchschnittlich 1147 Euro bezahlen. Das war immerhin ein Rückgang um vier Prozent gegenüber der Vorperiode. Viel billiger aber war es mit Öl: Hier wurden nur 826 Euro fällig, ein Rückgang um 29 Prozent. "Unter dem Strich war das Heizen mit Gas in der Heizsaison 2015/16 um rund 40 Prozent teurer als mit Öl", sagte Verivox-Sprecher Florian Krüger.

Massiv gefallene Ölpreise

Hintergrund ist der starke Fall der Ölpreise, die sich in den vergangenen beiden Jahren mehr als halbiert haben. Auch der Gaspreis ist in dieser Zeit gesunken, aber längst nicht so stark. Der Verivox-Verbraucherpreisindex für Gas steht bei 6,13 Cent je Kilowattstunde im Vergleich zu 6,69 Cent vor 24 Monaten. Das ist ein Rückgang um 8,4 Prozent. In den vergangenen 12 Monaten wurde Gas um gut sechs Prozent billiger. Heizöl dagegen kostet aktuell mit rund 51 Euro je 100 Liter (bei Abnahme von 3000 Litern inkl. MwSt) rund 39 Prozent weniger als vor zwei Jahren und 19 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Erdgas hat Heizöl im Laufe der Jahrzehnte immer mehr Marktanteile abgenommen, auch weil es bequemer über eine Leitung ins Haus kommt und als umweltfreundlicher gilt. Mehr als die Hälfte der Haushalte in Deutschland heizt mit Gas, rund ein Viertel mit Öl.

"Die Gastarifpreise hängen fest", stellte auch der Energie-Informationsdienst EID fest. Zwar haben seit Jahresbeginn ungefähr die Hälfte aller Gasversorger Preissenkungen von durchschnittlich fünf Prozent angekündigt oder vorgenommen. Aber 25 Unternehmen setzten die Preise um durchschnittlich fünf Prozent herauf. Sie erklärten das vor allem mit steigenden Netzkosten, die fallende Einkaufspreise für Gas mehr als ausgleichen würden. Die Unterschiede zwischen den Anbietern sind groß: Die Stadtwerke Rostock sind nach einer EID-Erhebung zum Beispiel um 30 Prozent günstiger als Mainova in Frankfurt. Dennoch wechselt ein großer Teil der Kundschaft nicht den Anbieter, wohl auch aus Bequemlichkeit.

Der starke Kostenvorteil für Öl ist jedoch nur eine Momentaufnahme. Noch vor zwei Jahren, in der Heizperiode 2013/14, war das Heizen mit Öl um rund ein Viertel teurer als mit Gas. Traditionell hatte das Öl einen Kostenvorteil, aber der war mit dem Beginn der Hochpreisperiode für Öl ab 2010 für mehrere Jahre vorbei. In einem Zehn-Jahres-Vergleich von 2006 bis 2015 hat das Heizöl relativ knapp die Nase vorn. In diesen zehn Jahren hätte der Musterverbraucher 21 415 Euro für Heizöl ausgegeben, aber 22 014 Euro für Erdgas.

So wechseln Sie den Gasanbieter

Raus aus der Grundversorgung oder einen neuen Gas-Anbieter wählen - der Schritt lohnt sich für Gas-Kunden fast immer. Durch einen Tarifwechsel können Verbraucher nach Angaben der Stiftung Warentest mehrere hundert Euro pro Jahr sparen. Bei Verträgen mit dem Grundversorger geht das besonders einfach. Denn Kunden können ohne Angabe von Gründen mit einer Frist von zwei Wochen kündigen, informiert die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfahlen.

Haben Kunden hingegen einen bestimmten Tarif mit dem Grundversorger vereinbart oder mit einem anderen Anbieter einen Vertrag abgeschlossen, müssen sie sich an die Kündigungsfristen im Vertrag halten. Ausnahme: Der Versorger informiert sie über eine Preiserhöhung, dann gilt ein Sonderkündigungsrecht. Was folgt dann?

TARIF-SUCHE: Verbraucher sollten zunächst anhand von alten Jahresabrechnungen ihren eigenen Bedarf ermitteln. Dann holen sie mindestens drei Tarif-Angebote ein und vergleichen diese genau.

VERTRAGSKONDITIONEN: Entscheidend ist, dass der Tarif wirklich günstig ist. Denn teilweise ist der Wechselbonus nur ein Lockmittel - und die Kosten steigen im Folgejahr wieder. Vorsicht: Fordert der Anbieter vom Kunden Vorkasse, sollten Verbraucher besser einen anderen wählen.

FRISTEN: Wer einen neuen Vertrag abschließt, sollte sich nicht zu lange binden. Verbraucherschützer empfehlen eine einjährige Laufzeit - damit man auf Preisveränderrungen flexibel reagieren kann.
Kündigungsfristen von vier bis sechs Wochen sind sinnvoll.

WECHSEL: Meist übernimmt der neue Anbieter die Kündigung des alten Vertrags. Vorausgesetzt, man unterschreibt vorab eine entsprechende Vollmacht. Am Tag des Wechsels sollten Kunden ihren Gaszähler ablesen - und den aktuellen Stand dem alten und neuen Gasanbieter mitteilen.

MIETER: Gibt es im Haus Etagenheizungen oder einen Gasanschluss in der Wohnung, dürfen Mieter ihren Gaslieferanten meist frei wählen, informiert der Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland. Bei einer Zentralheizung im Keller des Mietshauses ist der Vermieter in der Regel für den Wechsel verantwortlich. Mieter haben kaum rechtliche Handhabe, sie können ihn nur mit guten Argumenten motivieren.

 

 

(felt/dpa)
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