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Bochum kämpft mit Folgen der Finanzkrise: Opel und Revierstadt leiden unter dem Börsencrash

VON MARTIN TEIGELER, DDP - zuletzt aktualisiert: 13.10.2008 - 07:44

Bochum (RPO). Die Bochumer haben ihren Humor noch nicht verloren. "Krise? Welche unserer Krisen meinen Sie denn?", lacht die örtliche IG-Metall-Chefin Ulrike Kleinebrahm, wenn sie auf die derzeitigen Probleme der 380 000-Einwohner-Stadt im Ruhrgebiet zu sprechen kommt. Erst verlor Bochum 2300 Jobs durch die Schließung des Nokiawerks und jetzt wurde die Produktion in der Bochumer Opelfabrik wegen der Wirtschaftsflaute für einige Wochen gestoppt. Zudem belasten die Verwerfungen an den Börsen auch noch die Stadtkasse.

Das Opelwerk und die Haushaltskasse der Revierstadt Bochum leiden unter dem Börsencrash.  Foto: AP, AP
Das Opelwerk und die Haushaltskasse der Revierstadt Bochum leiden unter dem Börsencrash. Foto: AP, AP

Globalisierung und Finanzkrise - Bochum hat es in diesem Jahr also doppelt erwischt. 25 Millionen Euro pro Jahr gehen der Kommune durch den fehlenden Steuerzahler Nokia verloren. Die stillstehenden Bänder bei Opel kosten die Stadt zwar keine Steuereinnahmen, aber die Flaute und der Aktieneinbruch beim US-Mutterkonzern GM sorgen wie an anderen Opelstandorten auch in Bochum für Zukunftsangst - zumal Opel noch immer als Symbol für den Strukturwandel gilt.

Gewerkschafterin Kleinebrahm glaubt dennoch weiter an eine Zukunft für Opel in Bochum. Ein Vertrag über die Produktion von neuen Opelmodellen sei bereits abgeschlossen worden. "Sorgen muss man sich aber immer machen", sagt die IG-Metall-Chefin. Sie spricht aus Erfahrung. 2004 hatten Bochums Opelarbeiter ihr Werk nur durch einen wilden Streik vor der Schließung bewahren können.

Doch nicht nur die Opelmisere belastet Bochum. Auch durch finanzielle Manöver der Kommunalpolitik drohen neue Belastungen. Wie zahlreiche andere Gemeinden in der Bundesrepublik hat auch die Stadt Bochum vor einigen Jahren ein sogenanntes Cross-Border-Leasing (CBL) abgeschlossen. Die Kommune hatte 2003 mehr als 20 Millionen Euro durch das Verkaufen und Zurückleasen ihres Kanalnetzes eingenommen. Der komplizierte transatlantische Deal sei risikolos, hieß es damals. Doch dann schlug die Finanzmarktkrise zu.

"Das Rating unserer Vertragspartner wurde herabgesetzt", sagt der heutige Stadtkämmerer Manfred Busch (Grüne). Innerhalb von 90 Tagen müssen nun zusätzliche Sicherheiten gestellt werden. Angesichts der Krise sei es nicht einfach, eine neue Bank für die Garantie des CBL-Geschäfts zu finden. Er sei aber dennoch zuversichtlich, so Busch, dass die neuen Risiken geringer seien als der damalige Profit.

Den ersten Schock hatten die Bochumer zu Jahresbeginn verkraften müssen. Der Mobilfunkkonzern Nokia kündigte an, sein Handywerk in Bochum abwickeln zu wollen. Seit Jahrzehnten hatten die Finnen auf die frühere Zechenstadt im Revier gesetzt. Doch im Mai machten sie die Fabrik dicht und verlagerten die Jobs nach Südosteuropa - trotz des Protests von Arbeitnehmern und Politikern.

Das Bochumer Nokia-Werk war der zweitgrößte privatwirtschaftliche Arbeitgeber in der Stadt. Größtes Industrieunternehmen am Ort ist Opel mit seinen rund 6000 Beschäftigten. Ansonsten sind nur noch im öffentlichen Dienst ähnlich viele Menschen beschäftigt: Knapp 5000 Menschen arbeiten an der Ruhr-Universität Bochum. Im Umfeld der Hochschule gibt es zahlreiche kleine Firmen etwa der Biotechnologie, die neue hochqualifizierte Arbeitsplätze geschaffen haben.

Rund 17 000 Arbeitslose gibt es derzeit in Bochum, was einer Quote von 9,3 Prozent entspricht. Bochum steht besser da als andere Revierstädte. Doch die meisten Ex-Nokianer wurden noch nicht in die Statistik eingerechnet, weil ihre Arbeitsverträge noch laufen.

Von Pessimismus ist in der Stadt dennoch wenig zu spüren. "Eine Umfrage hat vor ein paar Tagen ergeben, dass die Bochumer gern in ihrer Stadt leben", sagt der Bochumer SPD-Bundestagsabgeordnete Axel Schäfer. Er spüre in seinem Wahlkreis "schon Sorgen" wegen der Krise. Die Politik müsse sich darum kümmern. Abseits der großen Krisen-Schlagzeilen seien aber gerade in Bochum während des Aufschwungs der letzten Jahre viele neue Jobs geschaffen worden.

Zuversicht schöpft Bochum auch aus dem Schicksal des örtlichen Fußballclubs. 1:3 hatte der VfL unlängst gegen den großen FC Bayern München in der Fußball-Bundesliga zurückgelegen. Am Ende schafften die Bochumer noch ein 3:3. "Der Bochumer ist nicht ängstlich", sagt der Bundestagsabgeordnete Schäfer. "Auch wenn es mal schwierig wird."

Alles über die Krise an den Finanzmärkten in unserem Special.

Quelle: afp

 
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