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Briefkastenfirmen
Auch früherer NRW-Minister Linssen auf Panama-Liste

Panama Papers: Auch Ex-NRW-Minister Helmut Linssen auf Liste
Ehemaliger NRW-Finanzminister Linssen (Archiv): 830.000 Euro geparkt FOTO: dpa, jst fpt
Düsseldorf. Viele Firmen und Bürger aus NRW haben offenbar bei den Geschäften mit Briefkastenfirmen mitgemischt. Genannt wird auch der frühere NRW-Finanzminister Helmut Linssen – der jedoch streitet ab, Steuern hinterzogen zu haben.

In den sogenannten Panama-Papieren tauchen die Namen vieler Dutzend Bürger und Firmen aus Nordrhein-Westfalen auf. Das geht aus einer regionalen Auswertung hervor, die die "Süddeutsche Zeitung" am Dienstag als Karte publizierte. Dabei wird auch der frühere NRW-Finanzminister Helmut Linssen (CDU) genannt. Gegenüber unserer Redaktion bestätigte Linssen, die frühere Briefkastenfirma Longdown Properties in Panama besessen zu haben. Er habe aber keine Steuern hinterzogen. Schon 2014 war bekannt geworden, dass Linssen bei Longdown knapp 830.000 Mark geparkt hatte – er trat deshalb als Schatzmeister der Bundes-CDU zurück.

In Island hatten die Enthüllungen bereits am Dienstag zu einem Rücktritt geführt: Ministerpräsident Sigmundur Gunnlaugsson gab sein Amt auf. Die Unterlagen sollen Informationen über eine Offshore-Firma auf den Britischen Jungferninseln enthalten, die Gunnlaugssons Frau gehört.

FOTO: C. Schnettler

Unterdessen werden immer mehr Prominente bekannt, die oder deren Vertraute Briefkastenfirmen bei der Anwaltskanzlei Mossack Fonseca gehabt haben sollen. Dazu gehören der spanische Filmregisseur Pedro Almodóvar, der französische Rechtsextremist Jean-Marie Le Pen, der Schauspieler Jackie Chan und andere. Ob die Vorwürfe zutreffen, lässt sich nicht überprüfen; die Betroffenen bestreiten die Vorwürfe. Almodóvars Bruder erklärte, die Firma sei aufgelöst. Laut "SZ" ermittelt die Staatsanwaltschaft Köln bereits seit einem Jahr gegen Mossack Fonseca wegen des Verdachts der Beihilfe zur Steuerhinterziehung.

In Deutschland dringen Politiker auf ein härteres Vorgehen gegen Briefkastenfirmen und Steuersparmodelle. Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) sagte unserer Redaktion: "Ich bin für ein weltweites Verbot von Briefkastenfirmen. Das ist Phantomwirtschaft, nicht Realwirtschaft. Briefkastenfirmen sind die schmutzige Seite des Kapitals." Die Bundesregierung will ein öffentlich zugängliches "Transparenzregister" für deutsche Unternehmen und deren Eigentümer einführen.

(RP/mar/rky)
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