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Enthüllungen über Briefkastenfirmen
Diese prominenten Namen tauchen in den "Panama Papers" auf

Panama Papers: Die prominenten Namen von Politikern, Sportlern und Co.
Cellist Sergej Roldugin (links) ist ein enger Freund von Wladimir Putin. FOTO: afp
München. Die Enthüllungen rund um die "Panama Papers" betreffen amtierende und ehemalige Politiker, Sportler und andere bekannte Persönlichkeiten. Sie sollen ihr Geld in Offshorefirmen geparkt haben. Ein Überblick über die prominentesten genannten Namen.

400 Journalisten haben ein Jahr lang recherchiert und Finanzgeschäfte in Steueroasen unter die Lupe genommen. Am Sonntagabend dann wurden weltweit erste Auswertungen zu den "Panama Papers" veröffentlicht. Zu den Profiteuren der Offshore-Dienste sollen nach den Recherchen von "Süddeutscher Zeitung" und von Journalisten aus rund 80 Staaten unter anderem zwölf frühere und amtierende Staats- und Regierungschefs und 128 weitere Politiker gehören.

Die panamaische Kanzlei Mossack Fonseca hat die in den "Panama Papers"-Enthüllungen erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen, räumte aber ein, dass die veröffentlichten Dokumente zum Teil aus der Kanzlei stammen

  • Sergej Roldugin - russischer Cellist, der als engster Freund Wladimir Putins gilt. Roldugin soll nach den Recherchen an einem Netz von Briefkastenfirmen beteiligt gewesen sein, in das innerhalb weniger Jahre mehr als zwei Milliarden US-Dollar verschoben wurden. Auf eine schriftliche Anfrage der an der Veröffentlichung beteiligten Medien habe er sich nicht äußern wollen, heißt es dort.
     
  • Petro Poroschenko, Präsident der Ukraine: Er soll in den Dokumenten als Besitzer einer Briefkastengesellschaft auftauchen – ebenso wie der frühere ukrainische Premier Pavlo Lazarenko, der wegen Betrugs und Geldwäsche verurteilt wurde. Ein Sprecher von Poroschenko erklärte, dessen Firma hätte mit politischen Vorgängen in der Ukraine nichts zu tun und sei Teil einer Restrukturierung von unternehmerischen Tätigkeiten. Er habe die Firma nicht deklariert, weil sie bislang keine Werte verwaltet habe. 
     
  • Nico Rosberg, Formel-1-Rennfahrer: Seine Dienste für den Mercedes-Benz-Rennstall werden angeblich vertraglich über eine Briefkastenfirma namens "Ambitious Group" auf den Britischen Jungferninseln geregelt. Sie gehört laut "tagesschau.de" zwei anderen Unternehmen mit Sitz auf der Insel Jersey und wird von der Anwaltskanzlei in Panama verwaltet. Daimler Benz erklärte dazu auf Anfrage lediglich, die Firma gehöre nicht zur Unternehmensgruppe. Auch Nico Rosberg selbst wolle keine Fragen zu der "Ambitious Group" beantworten, nicht einmal die, ob ihm die Firma gehöre, berichtet "tagesschau.de". Sein Anwalt habe erklärt, es gebe kein Fehlverhalten seines Mandanten, weswegen der sich auch nicht zu erklären hätte.
  • Sigmundur David Gunnlaugsson, Regierungschef von Island: Auch Gunnlaugsson soll bis Ende 2009 zusammen mit seiner heutigen Ehefrau eine Briefkastenfirma besessen haben. Ein TV-Interview, in dem er damit konfrontiert wird, bricht er ab. Später betont er, die Firma sei kein Geheimnis gewesen, und er habe sich nichts vorzuwerfen. Steuerlich sei die Firma immer deklariert gewesen.

  • Juan Pedro Damiani, Mitglied des Fifa-Ethikkomitees: Laut "Süddeutscher Zeitung" sollen sich in den "Panama Papers" auch Spuren zur Fifa-Affäre finden lassen. So soll der uruguayische Anwalt drei Angeklagten im Fifa-Skandal zu Offshore-Firmen verholfen haben, über die möglicherweise Fußball-Funktionäre bestochen worden sein sollen. Die Ethikkommission der Fifa bestätigte der Deutschen Presse-Agentur interne Vorermittlungen gegen Damiani. Damiani erklärte auf Anfrage der Zeitung, die Kommission über die Geschäftsverbindungen informiert zu haben; allerdings geschah dies laut "SZ" erst nach der Anfrage zu den "Panama Papers". Auch der Name des gesperrten Uefa-Präsidenten Michel Platini soll in den Unterlagen auftauchen.

  • Lionel Messi, argentinischer Fußballstar: Er soll in den "Mossack Fonseca"-Unterlagen als Begünstigter einer bislang unbekannten Offshore-Firma geführt werden. Messi selbst habe sich zu den Vorwürfen nicht äußern wollen.

  • Rami und Hafez Makhlouf, Cousins des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad: Sie sollen an einer Reihe von Briefkastenfirmen beteiligt gewesen sein – dabei wurden gegen die Geschäftsleute in Zusammenhang mit dem Syrienkrieg internationale Sanktionen erlassen, die sich auch auf Finanztransaktionen beziehen. Anfragen bezüglich der Briefkastenfirmen ließen sie unbeantwortet.

  • Alaa Mubarak, Sohn des früheren ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak: Auch er soll in den Daten als Besitzer einer Firma auftauchen.

  • Iyad Allawi, Ex-Premierminister des Irak: Allawi soll in den Unterlagen als Anteilseigner und einziger Direktor von Firmen auftauchen. Ein Sprecher Allawis soll auf Anfrage mitgeteilt haben, dass der Besitz, den Allawi über Offshore-Firmen in Großbritannien gehalten habe, nach britischem Recht versteuert werde und man alle Steuern gezahlt habe.

  • Salman bin Abdulaziz al Saud, König Saudi-Arabiens: Er soll als Anteilseigner einer Firma in den Daten gelistet sein, seine erste Frau (inzwischen verstorben), fünf Söhne und eine Tochter sollen weitere Teilhaber sein.  

  • Li Xiaolin, Tochter des chinesischen Ex-Premiers Li Peng: Als ihr Vater Premierminister von China war, sollen Li Xiaolin und ihr Ehemann Liu Zhiyuan die wirtschaftlich Berechtigten einer Briefkastenfirma gewesen sein.  

Es sind nur einige der bekannten Namen, die in den bislang veröffentlichten Unterlagen auftauchen. Welche Namen dort noch zu finden sind, können Sie auf der eigens für die "Panama Papers" eingerichteten Webseite nachlesen.

Reaktionen auf die Veröffentlichung der "Panama Papers"

 

(das/dpa/afp)
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