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"Panama Papers" enthüllen Infos über schwarze Konten
Putin-Vertraute leiteten offenbar zwei Milliarden Dollar durch Briefkastenfirmen

PanamaPapers: Wladimir-Putin-Vertraute im Visier
Wladimir Putin steht im Zentrum von Enthüllungen. FOTO: ap
Düsseldorf/Panama. In internationaler Recherchearbeit haben mehrere Medien dubiose Finanzgeschäfte immensen Ausmaßes aufgedeckt. In den Unterlagen tauchen die Namen von Milliardären, Politikern, Sportlern, Waffenhändlern, Spionen und Betrügern auf.

Dokumente und Mails im gigantischen Umfang von 2,6 Terabyte haben Informanten der "Süddeutschen Zeitung" und dem Rechercheverbund "International Konsortium For Investigative Journalists" (ICIJ) zugespielt.  Der Enthüller des NSA-Skandals, Edward Snowden, sprach auf Twitter vom "größten Leck in der Geschichte des Daten-Journalismus".

Der Leiter des Rechercheverbundes, Georg Mascolo, sagte am Abend in der ARD-Sendung "Anne Will", er gehe davon aus, dass die Sprengkraft des Datenlecks "ganz erheblich" sei. Er verwies darauf, dass "wir einen solchen Einblick in das Geschäft dieser Steueroasen bisher in diesem Umfang nicht gehabt haben". Zudem kündigte Mascolo weitere Veröffentlichungen an.

Es geht um die fragwürdigen Geschäfte der Anwaltskanzlei Mossack Fonseca in Panama, die offensichtlich half, viele Milliarden Euro vor den Steuerbehörden oder anderen Ämtern über Briefkastenfirmen geheim zu halten.

Offenbar auch Umfeld von Putin und Poroschenko involviert

Reaktionen auf die Veröffentlichung der "Panama Papers"

Die Daten legen als eine Information den nicht sehr erstaunlichen Schluss nahe, dass wichtige Personen aus dem Umfeld von Rußlands Präsidenten Putin Geld über Briefkastenfirmen unterbrachten. Unter anderem hätten Vertraute von Russlands Präsident Wladimir Putin und der ukrainische Präsident Petro Poroschenko Briefkastenfirmen einrichten lassen.

Enge Vertraute von Putin leiteten den Angaben zufolge in den vergangenen Jahren unter konspirativen Umständen offenbar mehr als zwei Milliarden Dollar durch Briefkastenfirmen und schafften dabei viel Geld aus Russland heraus.

Auch der isländische Premierminister Sigmundur Gunnlaugsson soll bis Ende 2009 zusammen mit seiner heutigen Ehefrau eine Briefkastenfirma besessen haben, in der unter anderem Anleihen wichtiger isländischer Banken deponiert waren.

Es gibt auch viele Hinweise auf Briefkastenfirmen im Auftrag von Personen aus der Sportwelt. Der Anwalt Pedro Damiani war Mitglied der Ethik-Kommission des Weltfußball-Verbandes FIFA, half aber auch beim Verwalten von Briefkastenfirmen, die allerdings keineswegs immer illegal sind. Die Ethikkommission der FIFA hat interne Vorermittlungen gegen Damiani eingeleitet.

Auch der Name von Fußballer Lionel Messi findet sich in den Unterlagen. Er soll Teilhaber einer Briefkastenfirma gewesen sein. Extrem erstaunlich wäre das nicht: Er muss sich sowieso gegen den Vorwurf verteidigen, 4,1 Millionen Euro an Steuern hinterzogen zu haben.

Hintergrund zur Kanzlei Mossack Fonseca

Der Chef der Kanzlei, Ramón Fonseca Mora, bestätigte im Fernsehsender TVN: "Wir wurden gehackt. Das ist ein Verbrechen." Sein Unternehmen helfe aber nicht bei Geldwäsche oder Steuerhinterziehung. Die Kanzlei gründe lediglich Firmen und verkaufe sie dann an Banken, Vermögensverwalter oder Anwälte. Eine Geschäftsbeziehung zu den Endkunden bestehe nicht.

Die Kanzlei Mossack Fonseca aus Panama bietet die Gründung und Verwaltung von Offshorefirmen an. Nach eigenen Angaben beschäftigt das Unternehmen über 500 Mitarbeiter auf der ganzen Welt. Die Kanzlei ist in Belize, den Niederlanden, Costa Rica, Großbritannien, Malta, Hong Kong, Zypern, den Britischen Jungfern-Inseln, Bahamas, Panama, Anguilla, Seychellen, Samoa und den US-Bundesstaaten Nevada und Wyoming tätig.

Mossack Fonseca bietet zudem Rechtsberatung unter anderem in den Bereichen Finanzen, geistiges Eigentum und öffentliche Ausschreibungen an. Außerdem setzt die Kanzlei Treuhandfonds und private Stiftungen auf und verwaltet sie.

Gegründet wurde die Kanzlei 1977 von dem deutschstämmigen Rechtsanwalt Jürgen Mossack gegründet. Er wurde in Fürth geboren und wanderte nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" bereits als Kind mit seiner Familie nach Panama aus. 1986 tat er sich dann mit dem Panamaer Ramón Fonseca Mora zusammen. Der Anwalt, Schriftsteller und Politiker war bis vor kurzem Berater von Staatschef Juan Carlos Varela. Wegen Ermittlungen gegen Mossack Fonseca in Brasilien lässt er seine Beratertätigkeit derzeit ruhen.

Der Finanzplatz Panama

Panama ist einer der wichtigsten Finanzplätze in Lateinamerika. Ein äußerst liberales Bankengesetz hat zahlreiche Kreditinstitute nach Mittelamerika gelockt. Derzeit sollen etwa 90 Banken Einlagen in Höhe von rund 65 Milliarden US-Dollar verwalten. Die Finanzkrise ging an Panama weitgehend vorbei und brachte dem Finanzplatz sogar zusätzliche Investitionen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) lobt in seinem jüngsten Bericht die Stabilität des Bankensektors.

Nachdem sich die Schweiz zuletzt von ihrem Bankgeheimnis verabschiedet hatte, galt Panama vielen als neue Steueroase. Immer wieder gibt es Berichte über illegale Transaktionen. In den 1980er Jahren war das Land das Bankenzentrum der kolumbianischen Drogenkartelle. Zuletzt bemühte sich Panama allerdings darum, dieses Image loswerden und sich als seriöser Finanzplatz zu positionieren.

So erließ die Regierung eine Reihe neuer Richtlinien für Banken, Versicherungen, Immobilienfirmen sowie Wertpapier- und Edelsteinbörsen. Im Februar strich der OECD-Arbeitskreis für Maßnahmen zur Geldwäschebekämpfung (Gafi) Panama von der grauen Liste, auf der Staaten geführt werden, die beim internationalen Austausch von Finanz- und Steuerinformationen noch hinterherhinken.

Panama hat noch am Abend der Enthüllungen eine lückenlose Kooperation bei Ermittlungen angekündigt. Sein Land werde dazu "energisch" mit der Justiz zusammenarbeiten, teilte Präsident Juan Carlos Varela am Sonntagabend mit.

Ein Überblick über die Daten und Fakten:

- Die "Panama Papers"-Recherchen basieren nach Angaben der daran beteiligten Medien auf einem Datenleck bei einer panamaischen Anwaltskanzlei.

- Das Leck soll E-Mails, Urkunden, Kontoauszüge, Passkopien und weitere Dokumente zu rund 214.000 Gesellschaften umfassen, vor allem in Panama und den Britischen Jungferninseln.

- Zu den Profiteuren der Offshore-Dienste sollen unter anderem zwölf Staatsoberhäupter und 128 weitere Politiker gehören.

- Zu den Profiteuren sollen internationale Finanzinstitute, darunter den Angaben zufolge auch 15 deutsche Banken oder ihre Töchter gehören.

- Der Datensatz wurde der "Süddeutschen Zeitung" von einer anonymen Quelle zugespielt. Die Internetseite der Zeitung war am Abend temporär nicht mehr erreichbar.

- Die "Süddeutsche Zeitung" teilte die Daten demnach mit dem Internationalen Konsortium investigativer Journalisten (ICIJ) und Partnern auf der ganzen Welt, darunter NDR und WDR.

- Etwa 370 Journalisten aus 78 Ländern haben im Zuge der Recherchen rund 11,5 Millionen Dateien ausgewertet. Es handle sich um "ein gigantisches Leak in einer bislang nicht vorstellbaren Dimension von rund 2,6 Terabyte".

(felt/RP/AFP/dpa)
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