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Höhere Lebenserwartung: Private Rentenversicherung wird teurer

zuletzt aktualisiert: 11.11.2004 - 10:15

Berlin (rpo). Die Deutschen leben immer länger. Wer sich darüber freut, muss zur Kenntnis nehmen, dass gleichzeitig die privaten Renten teurer werden. 

Die drastisch gestiegene Lebenserwartung bringt auch die privaten Rentenversicherer in die Bredouille. Sie sehen sich bei Neuverträgen im kommenden Jahr zu Beitragserhöhungen von acht bis 15 Prozent gezwungen, wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft am Mittwoch in Berlin ankündigte. Die Entwicklung bedeute auch, dass die Altersbezüge aus laufenden Verträgen "eher langsamer ansteigen, häufig sogar auf dem bisher erreichten Niveau verharren".

Böse Überraschung?

Auf den ersten Blick möge dies nach "einer weiteren bösen Überraschung für die Bevölkerung" aussehen, erklärte Verbandspräsident Bernhard Schareck. Bei ruhiger Betrachtung werde klar, warum die Branche so handele. Es gehe darum, die private und betriebliche Altersvorsorge "nicht von vornherein mit der Hypothek ständiger Korrekturen und Anpassungen zu belasten", sondern auf eine sichere Kalkulationsbasis zu stellen. Ein heute geborener Junge könne auf 98 Lebensjahre hoffen, ein Mädchen auf 102. Das zeige, dass ein Auszahlungsplan wie der bei der Riester-Rente bis zum 85. Lebensjahr zum Scheitern verurteilt sei.

"Für laufende Verträge gilt: Die garantierte Rente bleibt unberührt, bei dynamischen Renten also auch das jetzt erreichte Leistungsniveau", entgegnete Schareck möglichen Sorgen der Versicherten. Um dies zu erreichen, würden die Unternehmen die Reserven aufstocken, hieß es. Für 2004 seien dies drei Milliarden Euro. Das Geld komme aus dem Jahresrohüberschuss. Damit schränke sich allerdings der Spielraum ein, über die garantierte Rente hinaus "in gewohntem Maße künftige Rentensteigerungen zu finanzieren". Dies wirke sich auf bestehende Verträge aus.

Branche trotzt der schwächeren Konjunktur

Die Versicherungsbranche bleibt trotz der Konjunkturflaute auf Wachstumskurs. Die anhaltend positive Entwicklung verliert aber dem Verband zufolge an Schwung. Schareck schätzte den gesamten Beitragszuwachs für das laufende Jahr auf 3,5 Prozent. Den gesamten Einnahmen über alle Zweige und Sparten in Höhe von gut 152 Milliarden Euro stünden an Leistungen und Aufwendungen für Schadenfälle voraussichtlich rund 155 Milliarden Euro gegenüber. 2003 betrug das Verhältnis 147,1 Milliarden zu 149,8 Milliarden Euro.

Für 2005 prognostizierte der Verband ein Plus von etwa 1,5 Prozent (2003: plus 4,1). Ursache für den Rückgang seien die hohe Arbeitslosigkeit, Zukunftsängste der Menschen sowie die angespannte Lage der öffentlichen und privaten Haushalte. Wer sich zunächst um seine Existenz kümmern müsse, stelle Risikoschutz zurück, erklärte Schareck. Das gelte sowohl für Privatleute als auch für Unternehmen. Ohne diese Widrigkeiten würde das Jahresergebnis der Branche besser ausfallen. Allerdings sei dies nur eine vage Prognose, weil der Ertrag aus Lebensversicherungen unklar sei.

Im Zuge der Debatte über Vermögensanrechnungen beim neuen Arbeitslosengeld II hatten viele Bürger ihre Lebensversicherungen gekündigt. Zudem fällt kommendes Jahr das Steuerprivileg für Kapitallebensversicherungen weg. Etliche Leute haben deshalb noch dieses Jahr Verträge unterzeichnet, um den Steuervorteil noch mitzunehmen. Die Branche konnte damit herbe Verluste aus dem ersten Halbjahr kompensieren. Nach Worten Scharecks zog das Geschäft in den vergangenen vier bis sechs Wochen stark an. Von einem "Todesstoß" für die Lebensversicherungen könne überhaupt nicht die Rede sein.

Quelle: ap

 
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