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Reaktionen auf Griechen-Hilfe: Ratingagentur stuft Griechenland herab

zuletzt aktualisiert: 22.07.2011 - 14:27

Düsseldorf (RPO). Die US-Ratingagentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit Griechenlands herabgestuft. Nach dem EU-Gipfelbeschluss zur Beteiligung privater Gläubiger rechnet man mit einem teilweisen Zahlungsausfall Griechenlands. Die Einigung der Euro-Länder auf ein zweites Hilfspaket für Athen sei laut Fitch aber "wichtig" und "positiv".

Peter Bofinger, Mitglied im Sachverständigenrat des Bundes, setzt sich seit Monaten für die Einführung von Eurobonds ein.  Foto: ddp
Peter Bofinger, Mitglied im Sachverständigenrat des Bundes, setzt sich seit Monaten für die Einführung von Eurobonds ein. Foto: ddp

Trotz vieler positiver Stimmen seitens Wirtschaftswissenschaftlern und Analysten, wurde das in die Krise geratene Land am Freitag von der US-Ratingagentur Fitch herabgestuft. Griechenland werde seine über Staatsanleihen angehäuften Schulden nicht komplett zurückzahlen, erklärte die Agentur.

Wirtschaftsexperten loben Zinssenkung

Das Rettungspaket, auf das sich die Euro-Länder in der Nacht zu Freitag geeinigt haben, hat bereits für zahlreiche Reaktionen in Wirtschaft und Politik gesorgt.  Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger lobte im Gespräch mit unserer Redaktion vor allem die Zinssenkung. Die Umschuldung hätte jedoch größer ausfallen müssen. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann spricht von einer guten Lösung – und einem schweren Schlag.

Peter Bofinger hält die vereinbarte Zinssenkung für sinnvoll. "Das ist für mich der entscheidende Punkt: Wenn öffentliche und private Gläubiger Griechenland die Kredite für Zinsen von nur noch 3,5 Prozent geben, ist das ein großer Fortschritt", sagte der Wirtshcaftsweise unserer Redaktion. Auch die Regelung, dass der Euro-Rettungsfonds notfalls griechische Anleihen am Markt aufkaufen kann, sei hilfreich.

Schuldenlast um 50 Prozent reduzieren

"Auch das ist eine gute Sache, weil man dadurch die Ansteckungsgefahr, die Selbstverstärkungseffekte der Krise eindämmt." Kritik übte Bofinger dagegen an der zu geringen Entschuldung des Landes. "Die Schuldenlast hätte um 50 Prozent reduziert werden müssen, damit das Land auf die Beine kommen und an die Kapitalmärkte zurückkehren kann", sagte das Mitglied des Sachverständigenrats.

Der Chef der Wirtschaftsweisen, Wolfgang Franz, stößt in das gleiche Horn. Der Fachmann hält die in Brüssel vereinbarte Umschuldung für nicht ausreichend. "Eine weitergehende Entschuldung um 50 Prozent wäre für Griechenland sicher besser gewesen", sagte der Chef des Sachverständigenrats unserer Redaktion.

Ackermann: Problem sollte gelöst sein

Auch der Chef der Deutschen Bank, sprach am Donnerstagabend in einem Interview mit dem ZDF von einer guten Lösung. "Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass wir einen ganz wichtigen Schritt gemacht haben, indem wir eine gute Lösung für Griechenland gefunden haben", erklärte Ackermann und fügte hinzu: "Damit sollte das griechische Problem gelöst sein."

Bank-Chef Ackermann: "Ein ganz dramatisches Ergebnis". Foto: ddp

Gleichzeitig betonte Ackermann, dass die Beteiligung des privaten Sektors kein Pappenstil sei. "Das trifft uns hart. Aber wir waren uns sehr bewusst, dass es gerade in Deutschland kaum möglich sein würde, das Paket durchs Parlament zu bringen, ohne dass sich der Privatsektor engagiert."

Sorge vor Ratingagenturen

Dass die Beteiligung des Privatsektors durch eine Herabstufung Griechenlands durch die Ratingagenturen neue Finanzmarktturbulenzen auslöst, glaubt der Deutsche-Bank-Chef nicht. Die Schuldenlast Athens werde gesenkt, "dass sollten die Ratingagenturen positiv notieren. Ich bin eher überzeugt, dass die Märkte positiv reagieren."

Die Märkte haben vorsichtig optimistisch auf die Einigung vom Donnerstag reagiert. Der Euro legte 1,2 Prozent gegenüber dem Dollar zu. "Die Einigung auf dem Gipfel überrascht bezüglich ihrer Größe und ihres Umfangs", schrieb die leitende Wirtschaftsanalystin Marie Diron vom Beratungsunternehmen Ernst & Young in einer ersten Einschätzung.

"Die Maßnahmen sehen eine signifikante Beteiligung des Privatsektors und eine weitere umfassende Unterstützung aus der EU vor. Alle politisch vermittelbaren Maßnahmen wurden getroffen."

Bankenbeteiligung soll sich auf Griechenland beschränken

Nach Ansicht des deutschen Bankenverbandes muss die Beteiligung der Banken am zweiten Hilfspaket für Griechenland allerdings ein einmaliger Fall bleiben. Die Beteiligung bleibe auf Griechenland beschränkt und sei "keine Blaupause für zukünftige Krisenfälle", betonte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Michael Kemmer, am Freitag in Berlin.

Er warnte, dass die praktische Umsetzung der Beteiligung der Gläubiger am Hilfspaket "noch gewisse Unsicherheiten an den Märkten hervorrufen" könnte. Nötig sei daher eine "rasche, gleichwohl sorgfältige Ausarbeitung der Details", forderte Kemmer.

Schlechte Nachricht für Steuerzahler

Trotz vieler positiver Stimmen, machen sich auch Sorgen um die Steuerzahler breit. "Die Finanzmärkte reagieren ja sehr positiv auf die Beschlüsse von gestern. Da es hier um einen Verteilungskonflikt zwischen den Steuerzahlern Europas und den Investoren geht, ist das eine schlechte Nachricht für die Steuerzahler", sagte Hans-Werner Sinn, Chef des Ifo-Istituts am Freitag zu Reuters TV. "Die Steuerzahler sind hier zusätzlich in die Haftung genommen worden. Die Zinsen für Griechenland wurden noch weiter unter das Marktniveau gesenkt."

Auch der Bund der Steuerzahler kritisierte das zweite Rettungspaket für Griechenland scharf. Den Steuerzahlern seien weitere Haftungsrisiken im Umfang von 109 Milliarden Euro aufgebürdet worden, sagte Verbandsvizepräsident Reiner Holznagel am Freitag zu "Handelsblatt Online". Zwar sei die Beteiligung privater Gläubiger ein Schritt in die richtige Richtung. Trotzdem müsse an dieser Stelle nachgebessert werden um mögliche Risiken für die Steuerzahler zu vermeiden.

Quelle: AFP/RTR/DAPD/RP/RPOcsi

 
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