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Finanzkrise: Rettet den Kapitalismus

VON ANTJE HÖNING - zuletzt aktualisiert: 10.10.2008 - 21:03

Düsseldorf (RP). Die Linken sehen sich durch die Finanzkrise bestätigt: Die Wirtschaft ist böse und der gute Staat muss zurück ans Ruder. Sie vergessen, dass die offene Gesellschaft schon viele solcher Krisen gemeistert hat.

 Foto: ddp
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Karl Marx hat es schon immer gewusst: Der Kapitalismus taumelt von einer Krise in die nächste und erledigt sich am Ende selbst, wie Marx in „Das Kapital“ beschreibt. Beflügelt fühlt sich auch Oskar Lafontaine. „Wir haben den Wind der Geschichte in unseren Segeln“, rief der Star der Linkspartei mit Blick auf die Finanzkrise auf dem jüngsten Parteitag. Aufgabe seiner Partei sei es, dem „finanzmarktgetriebenen Kapitalismus“ Einhalt zu gebieten.

Damit findet Lafontaine längst nicht mehr nur bei Hartz IV-Beziehern offene Ohren, sondern zunehmend auch in der Mittelschicht. Zugleich sinken SPD und auch die Union in der Wählergunst. In Zeiten, in denen Banken tausende gut ausgebildete Angestellte entlassen und Anleger (zu Unrecht) ihre Sparguthaben in Gefahr sehen, wirkt die Lehre der Linken plausibel: Die Wirtschaft ist böse, der Staat ist gut und muss zurück ans Ruder.

Die jüngsten Nachrichten scheinen das zu bestätigen: Das Bankensystem in den USA ist so marode, dass es durch eine staatliche Spritze von 700 Milliarden Dollar gerettet werden muss. Der deutsche Dax-Konzern Hypo Real Estate hat sich so verzockt, dass er eine staatliche Bürgschaft über 26 Milliarden Euro braucht. In Großbritannien, Belgien, Holland und Island werden reihenweise Banken verstaatlicht.

Feuilletonisten und Globalisierungsgegner reiben sich die Hände. „Man lässt sich nicht mehr vom Kapital auf der Nase herumtanzen. Das ist eine gute Entwicklung“, gab Wirtschaftsethiker Ulrich Thielemann (Universität St. Gallen) im Deutschlandradio zu Protokoll. Auch Regierungspolitiker geißeln maßlose Gier der Manager und Casino-Kapitalismus.

Der Kern des Kapitalismus

Natürlich hat es Entgleisungen gegeben. Amerikanische Investmentbanker, die die Hypothekenkredite von US-Hausbauern zu undurchsichtigen Wertpapieren zusammenfassten, verstanden ihre Produkte selbst nicht und lösten damit die Finanzkrise aus. Die Aussicht auf unrealistische Renditen verblendete Banker, Fonds und auch deutsche Anleger, die – schlecht informiert von Bankberatern – diese Papiere zeichneten. Hinzu kommt die fehlende Haftung für deutsche Top-Manager. Anders als Eigentümer-Unternehmer, die mit ihrem Kapital für ihre Fehlern haften müssen, fallen unfähige Top-Manager weich.

Doch wer nun die Systemfrage stellt, hat den Kern des Kapitalismus und der ihn tragenden offenen Gesellschaft nicht verstanden. Krisen gehören zum Kapitalismus dazu. „Schöpferische Zerstörung“ , nannte der Ökonom Joseph Schumpeter das in Bezug auf Aufstieg und Fall von Firmen. Aus früheren Krisen hat der Kapitalismus stets gelernt und gemachte Fehler nicht wiederholt.

Wettbewerb unverzichtbar

Beispiele: Früher druckten private Banken Dollar-Scheine. In Reaktion auf eine Krise wurde 1913 die Notenbank Federal Reserve gegründet. Früher gingen Staaten reihenweise pleite und erschütterten das Vertrauen von Anlegern. Später gründete die Staaten Institutionen wie Weltbank und Währungsfonds, die etwa Argentinien 2001 rettete. Seit der Weltwirtschaftskrise 1929 wissen Notenbanken, dass sie in Zeiten von Börsenpanik den Geldhahn nicht zudrehen dürfen, sondern die Zinsen wie in dieser Woche senken müssen.

Natürlich wird die Welt nach dieser Krise „nicht mehr so sein wie sie war“ (Peer Steinbrück). Aber nicht, weil Kapitalismus und Globalisierung abgeschafft werden. Das kann außer Lafontaine ernsthaft keiner wollen. Wettbewerb bleibt der beste Mechanismus zur Verteilung knapper Arbeitskräfte, Rohstoffe, Güter. Ohne Globalisierung gäb es keine preiswerten Jeans und PC für deutsche Verbraucher, keine ausländischen Unternehmen, die hier eine Million Jobs schaffen.

Spielregeln überprüfen

Doch die Spielregeln müssen verändert werden: Der Staat darf Finanzprodukte nicht zulassen, deren Risiken nicht zu überblicken sind. Angestellte Manager müssen stärker für ihre Entscheidungen haften. Etwa, indem der Staat ihnen verbietet, sich durch (von ihren Arbeitgebern bezahlten) Versicherungen von persönlicher Haftung freizukaufen.

Die Kanzlerin hat Recht: Bei der Finanzkrise geht es nicht nur um ein paar marode Banken. „Es geht um unsere Wirtschaftsordnung“, so Merkel am Dienstag im Bundestag. Doch der größte Vorteil dieser Wirtschaftsordnung ist es, aus Krisen gestärkt hervor zu gehen.

Ein großes Special zur Finanzkrise finden Sie hier.

Quelle: RP

 
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