Finanzkrise: Rettungspaket für Hypo Real Estate geplatzt
zuletzt aktualisiert: 04.10.2008 - 20:59Düsseldorf (RPO). Das Rettungspaket für den angeschlagenen Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate ist geplatzt. Das Unternehmen teilte am Samstagabend mit, dass der Rettungsplan in einer Gesamthöhe bis zu 35 Milliarden Euro derzeit nicht länger gültig sei.
Die Gruppe prüfe die daraus drohenden Konsequenzen für die Einheiten des Konzerns. Es werde nach "alternativen Maßnahmen" gesucht, hieß es.
Von der geplanten Bürgschaft sollte der Bund mit fast 27 Milliarden Euro den Löwenanteil schultern und für den Rest private Banken einstehen. Die Münchner HRE war im Zuge der internationalen Finanzmarktkrise durch massive Probleme bei der irischen Tochter DEPFA ins Trudeln geraten. Nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman bekam die DEPA Probleme, sich kurzfristig am Kapitalmarkt zu refinanzieren.
Der im DAX notierte Konzern HRE teilte am Samstagabend weiter mit: "Die vorgesehenen Maßnahmen sahen zunächst eine Liquiditätslinie einer Gemeinschaft mehrerer beteiligter Finanzinstitute vor. Diese Zusage wird nicht aufrechterhalten."
Die "Welt am Sonntag" hatte zuvor berichtet, die Hypo Real Estate benötige offenbar kurzfristig deutlich mehr Geld als bislang bekannt. Der Zeitung zufolge stellte die Deutsche Bank bei einer Prüfung fest, dass der geplante kurzfristige Kredit von 15 Milliarden Euro und die langfristige Refinanzierung von insgesamt 35 Milliarden Euro bis in die zweite Jahreshälfte 2009 nicht ausreichten. Die Zeitung nannte eine Zahl von bis zu 50 Milliarden Euro, die der HRE bis Jahresende fehlen könnten. Die Deutsche Bank wollte sich am Samstag dazu nicht äußern. Auch die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" hatte berichtet, dass das Rettungspaket auf der Kippe stehe.
Bundesbank und die Finanzaufsicht Bafin hatten in dieser Woche die nun geplatzte Rettungsaktion als unbedingt notwendig bezeichnet, um "schwerste Störungen der Geldmärkte" zu verhindern.
In einem Brief von Bundesbank und Bafin an Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hieß es, ansonsten hätten für das deutsche Finanz- und Wirtschaftssystem "ähnliche unabsehbare Folgen" gedroht wie nach dem Zusammenbruch der amerikanischen Finanzgruppe Lehman Brothers. Weiter hieß es in dem Schreiben mit Datum vom Montag, dass eine Pleite des Immobilienfinanzierers wegen seiner starken Verflechtung eine große Gruppe von Gläubigern in Mitleidenschaft gezogen hätte.
Bundesregierung wird keine Stellung nehmen
Die Bundesregierung hat nach dem Platzen des milliardenschweren Rettungspakets für den angeschlagenen Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate auf die Verantwortung der Bankenaufsicht verwiesen. Die Regierung werde dazu zunächst nicht Stellung nehmen, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm der Nachrichtenagentur AP am Samstagabend in Paris.
Zuvor hatten sich die Staats- und Regierungschefs Frankreichs, Deutschlands, Italiens und Großbritanniens dort auf einem Krisengipfel zu koordiniertem Handeln verpflichtet.
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