Heros ist pleite: Riesenbetrug gefährdet deutsche Geldversorgung
zuletzt aktualisiert: 20.02.2006 - 20:08Düsseldorf (rpo). Der Zusammenbruch der größten deutschen Geldtransportfirma Heros wegen eines beispiellosen Betrugsfalls könnte die Bargeldversorgung in ganz Deutschland beeinträchtigen. Mitarbeiter der Firma sollen in den vergangenen Jahren Kundengelder in Höhe von rund 300 Millionen Euro unterschlagen haben. Die Firma, die rund die Hälfte aller Geldtransporte in Deutschland durchführte, meldete nach Bekanntwerden der Vorwürfe für alle 23 Tochterunternehmen Insolvenz an.
Die Folgen könnten Bundesbürger in ganz Deutschland in den nächsten Tagen zu spüren bekommen - etwa durch leere Geldautomaten. Schon warnte die Bundesvereinigung Deutscher Geld-und Wertdienste vor Versorgungsengpässen mit Bargeld. Die Bundesbank wies ihre Filialen an, alles zu tun, um eine stabile Bargeldversorgung zu gewährleisten. "Alle Filialen wurden aufgefordert, ihre Öffnungszeiten flexibel - je nach lokalem Bedarf - auszuweiten, sofern dies notwendig werden sollte", hieß es. Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach ermittelt und hat bereits vier Haftbefehle erlassen.
Wegen des Verdachts der schweren Untreue und des bandenmäßigen Betrugs waren nach Angaben des Landeskriminalamtes Düsseldorf am Wochenende vier Mitarbeiter der Heros-Tochter Nordcash verhaftet worden. Nordcash hat sich darauf spezialisiert, die Tageseinnahmen von Supermärkten und Warenhäusern abzuholen, zu zählen und auf die Konten der Unternehmen einzuzahlen. Außerdem versorgte das Unternehmen auch Geldautomaten von Banken mit frischen Scheinen.
Auch Karstadt und Kaufhof gehörten zu den Kunden
Nach Angaben aus Handelskreisen transportierte Heros täglich rund 600 Millionen Euro. Dabei sollen die Mitarbeiter im Laufe mehrerer Jahre Kundengelder in dreistelliger Millionenhöhe entnommen haben. Das Geld sollen sie teils in die eigene Tasche gesteckt und "in ganz erheblichem Umfang" auch für die eigene Firma ausgegeben haben, um den Geschäftsbetrieb aufrecht zu halten. Bei einer Razzia am vergangenen Freitag war in den niederrheinischen Städten Viersen und Frechen sowie in Hamburg und Hannover in 25 Firmen und Privatwohnungen umfangreiches Beweismaterial sichergestellt worden.
Nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe meldete Heros gegen 14.30 Uhr beim Amtsgericht Hannover Insolvenz für alle 23 Tochterfirmen an.
Zu den Opfern des Betrugsfalls gehören Deutschlands große Handelskonzerne wie Metro und Karstadt ebenso wie die großen Banken. Der Metro-Konzern, mit seinen Töchtern Kaufhof und real, stellte bereits am Freitag jede Zusammenarbeit mit Heros ein, wie Sprecher Jürgen Homeyer der AP mitteilte. "Die sind komplett raus." Das Unternehmen habe für derartige Situationen Notfallpläne in den Schubladen. Der Schaden halte sich in geringen Grenzen.
Auch Karstadt-Sprecher Jörg Howe räumte ein: "Es sieht so aus, als wären wir auch betroffen." Wie hoch der Schaden sei, könne man jedoch noch nicht sagen. Der Schaden bei der Commerzbank belaufe sich auf 40 Millionen Euro, meldete handelsblatt.com unter Berufung auf Unternehmenskreise. Auch die Deutsche Bank habe bei der Versorgung von Geldautomaten mit der Heros-Tochter Securitas zusammengearbeitet.
Die Bundesvereinigung der deutschen Geld- und Wertdienste (BDGW) kündigte unterdessen an, ihre rund 160 Mitgliedsunternehmen seien bereit, ihre gesamten personellen und technischen Kapazitäten "bis zur Grenze der Belastbarkeit" zur Verfügung zu stellen, um Versorgungsengpässe bei Bargeld zu vermeiden.
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