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Belastung in NRW
Freigabe des Franken belastet deutsche Kommunen

Schweizer Franken: Freigabe belastet deutsche Kommunen
Die Freigabe des Franken bereitet Europa Sorgen. FOTO: dpa, obe jhe bwe
Düsseldorf. Die Freigabe des Schweizer Franken bedeutet einem Bericht zufolge für einige Kommunen in Deutschland eine erhebliche finanzielle Mehrbelastung, weil sie Kredite in der Schweizer Landeswährung aufgenommen haben.

Wie die "Wirtschaftswoche" am Freitag vorab aus ihrer neuen Ausgabe berichtete, drohen allein Städten in Nordrhein-Westfalen zusätzliche Kosten von bis zu 900 Millionen Euro aus Fremdwährungskrediten – nach Informationen unserer Redaktion sind es allerdings 400 Millionen Euro. Dies ergebe sich aus eigenen Berechnungen auf Grundlage von Erhebungen des nordrhein-westfälischen Innenministeriums.

Demnach haben die Kommunen des Bundeslandes insgesamt Kredite im Wert von 1,8 Milliarden Euro in anderen Währungen aufgenommen, und dabei vor allem in Schweizer Franken. Die Städte hätten auf die niedrigen Zinskosten gesetzt und sich auf einen stabilen Wechselkurs verlassen, berichtet die "Wirtschaftswoche". Demnach hat allein die Stadt Essen Kredite in Höhe von 367 Millionen Euro in Franken abgeschlossen, die Stadt Bochum in Höhe von 180 Millionen Euro und Münster in Höhe von 118 Millionen Euro. Müssten sie die Kredite zu den aktuellen Wechselkursen abbezahlen, müssten sie erhebliche Preisaufschläge akzeptieren, nachdem die Schweizer Nationalbank am Donnerstag den Mindestwechselkurs des Franken zum Euro aufhob.

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In Polen hatte die Freigabe des Franken bereits am Donnerstag Panik ausgelöst, weil dort rund 40 Prozent der Immobilienkredite in der Schweizer Währung abgeschlossen wurde. Sie belaufen sich nach Angaben der polnischen Finanzaufsicht auf insgesamt rund 31 Milliarden Euro. Durch die Aufhebung des Mindestwechselkurses zum Euro verteuerte sich die Schweizer Währung im Vergleich zu anderen Währungen um 20 Prozent. Der Wechselkurs zum Euro lag am Freitag in etwa bei eins zu eins. Bis Donnerstag hatte es für einen Euro mindestens 1,20 Franken gegeben.

In Kroatien sind rund 60.000 Kreditnehmer betroffen. Ungarn spielte die Entscheidung der Schweizer Nationalbank herunter, obwohl rund eine Million Landsleute vor der Finanzkrise Kredite in Höhe von rund zehn Milliarden Euro in ausländischen Währungen aufnahmen - vor allem in Franken. Die Regierung war den Kreditnehmern nach der Finanzkrise zu Hilfe gekommen, als die Landeswährung Forint fiel, während der Franken immer stärker an Wert gewann. Durch die Entscheidung der Regierung, einen festen Umrechnungskurs festzulegen, hätten Kreditnehmer mehr als 500 Milliarden Forint (1,6 Milliarden Euro) gespart, erklärte der ungarische Wirtschaftsminister am Freitag.

Die Folgen einer Franken-Aufwertung seien für Ost- und Mitteleuropa heute besser zu handhaben als noch vor ein paar Jahren, erklärte Analyst William Jackson von Capital Economics in London.

(AFP)
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