Schuldenkrise in Europa: Sorge um Spanien - Dax stürzt ab
zuletzt aktualisiert: 25.05.2010 - 15:08Düsseldorf (RPO). An den Märkten wächst die Furcht vor einem bösen Ende der europäischen Schuldenkrise. Sowohl in Europa als auch in Asien brachen die Aktienkurse ein. Der Dax fiel bis zum Mittag um drei Prozent und notierte bei 5635 Punkten. Auslöser sind die neuen Sorgen um Spanien und der Konflikt in Korea.
Der spanische Leitindex in Madrid büßte zeitweise 4,4 Prozent ein. Der Euro ging erneut auf Talfahrt und pendelte um 1,22 Dollar. Am Freitag hatte er noch deutlich über 1,26 Dollar notiert. Die Risikoaufschläge für spanische Staatsanleihen zogen dagegen deutlich an. Am Rohstoffmarkt sank der Preis für ein Fass US-Öl um mehr als zwei Dollar unter 68 Dollar.
Auslöser der Abschläge waren die Nachrichten vom Wochenende, dass die spanische Sparkasse CajaSur durch eine Intervention der Zentralbank gerettet werden musste. Dann hatte sich auch der IWF zu Wort gemeldet und von Spanien weitreichende Reformen gefordert. Der südeuropäische Staat leidet vor allem unter den Folgen einer geplatzten Immobilienblase."Mit weiteren Rettungsmaßnahmen innerhalb des spanischen Bankensektors muss man wohl rechnen", sagte Marktstratege Heino Ruland von Ruland Research. Neben den Sparkassen könnten auch Großbanken wegen ihres Engagements im Immobiliensektor Probleme haben.
"In dem aktuellen Umfeld, in dem wild darüber spekuliert wird, welche Bank als nächstes Ärger haben wird, will jeder nur noch raus aus Aktien", sagte ein Händler. "Alle Werte leiden heute, es gibt keine Einzelgeschichten. Der Markt straft alle ab", brachte ein anderer die Stimmung auf den Punkt.
Unter besonderem Verkaufsdruck blieben europaweit die Bankwerte. Der Branchenindex brach um 4,2 Prozent ein. Unter den spanischen Instituten fielen die Titel der Banco Santander und der BBVA um jeweils mehr als fünf Prozent. Die Titel der italienischen Banco Popolare verloren 3,6 Prozent. Der hiesige Branchenprimus Deutsche Bank verzeichnete einen Kursabschlag von 3,5 Prozent.
Neue Ängste durch Kriegsgeschrei in Korea
Neben der Schuldenkrise ließen auch politische Entwicklungen den Nervositätsgrad der Investoren deutlich steigen. "Die Schlagzeilen zu Korea lösen noch ganz neue Ängste aus, die den Aktienmarkt merklich belasten", merkte Ruland an. "Da ist die Angst vor einem neuen Krieg, der viel Geld kosten könnte." Im Streit um den Verlauf der Seegrenze im Gelben Meer hat Nordkorea dem Süden inzwischen mit einem Militärschlag gedroht. Auslöser der aktuellen Spannungen war die Versenkung eines südkoreanischen Kriegsschiffes Ende März, bei dem 46 Seeleute ums Leben gekommen waren. Internationale Experten machen Nordkorea dafür verantwortlich. Der südkoreanische Aktienindex war rund drei Prozent niedriger aus dem Handel gegangen, ebenso der Tokioter Nikkei-Index.
Hierzulande sorgte die Nachricht über den Rücktritt des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch zum Ende des Jahres für zusätzliche Unsicherheit. "Er galt ja eigentlich als recht fest im Sattel sitzend", formulierte Helaba-Marktanalyst Christian Schmidt seine Überraschung. "Er hat sich mit seinen jüngsten Vorstößen wohl nicht unbedingt beliebt gemacht. Dass er jetzt die Ämter niederlegt, spricht nicht unbedingt für die Stabilität der aktuellen Regierungskoalition."
Einige Börsianer befürchten nun, dass der Dax bis auf 5400 Punkte fallen könnte. Das bisherige Jahrestief von Anfang Februar liegt bei 5433 Punkten.
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