Keine Gefahren zu befürchten: Sparkassen: Finanzkrise macht uns stark
VON DETLEV HÜWEL UND MARTIN KESSLER - zuletzt aktualisiert: 18.09.2008 - 20:52Düsseldorf (RP). Mitten in der Finanzkrise erweisen sich die Sparkassen als Hort der Stabilität. Grund: Ihr Geld kommt von den Sparern, nicht von den internationalen Märkten.
Der Präsident der westfälischen Sparkassen, Rolf Gerlach, hält eine Kreditklemme bei den öffentlich-rechtlichen und genossenschaftlichen Geldinstituten für ausgeschlossen. „Die Sparkassen in Deutschland müssen keine Liquiditätsengpässe befürchten”, sagte der Chef des Westfälisch-Lippischen Sparkassen- und Giroverbands (WLSGV) unserer Redaktion. Das gelte auch für den Genossenschaftssektor. Zusammen mit den Sparkassen haben diese Häuser im Geschäft mit Privatkunden einen Anteil von knapp 60 Prozent in Deutschland.
Als Grund für die hohe Stabilität des Sparkassensektors nannte Gerlach die solide Finanzierung der Geldinstitute. „Die Sparkassen beziehen ihr Geld zu 90 Prozent aus den Einlagen ihrer Sparer”, sagte Gerlach. Nur für den Spitzenausgleich würden sie sich Geld bei ihren Landesbanken leihen. Gerlachs Resumee: „Die Finanzkrise kann dem Sparkassensektor nichts anhaben.”
Dezentrale Struktur
Ihre Stärke bezögen die Sparkassen aus ihrer dezentralen Organisation. Die setze die Institute in die Lage, ihre Firmen- und Baukredite sogar auszuweiten. „Wir begleiten viele Mittelständler weiterhin durch den Aufschwung”, sagte Gerlach.
Ähnlich äußerte sich die SPD-Finanzexpertin Gisela Walsken: „Jetzt zeigt sich, dass die Sparkassen mit der Ausrichtung ihres Geschäfts auf die Nähe zum Kunden krisenunabhängiger sind. Das rechtfertigt einmal mehr ein öffentlich-rechtliches Bankensystem mit einer entsprechenden Staatshaftung.” Auch vor diesem Hintergrund müsse die schwarz-gelbe Landesregierung ihren Entwurf für das Sparkassengesetz zurückziehen, so Walsken. Es dürfe keine Türöffnung zur Privatisierung geben.
Auch Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) verwies auf die Vorzüge des dreigliedrigen Bankensystems in Deutschland. Der Bankenprofessor Wolfgang Gerke vom Bayerischen Finanzzentrum in München sieht in der regionalen Ausrichtung der Sparkassen und Genossenschaftsbanken den Vorteil dieser Institute. Es habe lediglich „kleinere Abschreibungen auf Geschäfte im US-Hypothekenmarkt gegeben”, sagte der Experte. Probleme, so Gerke, hätten hingegen die Landesbanken.
Die Kunden von Sparkassen, Genossenschaftsinstituten und Privatbanken zeigten sich gleichwohl verunsichert. So berichten die Geldhäuser, dass sie vermehrt Anfragen von Kunden hätten, ob deren Einlagen noch sicher seien. „Manche wollten es sogar schriftlich haben”, sagte ein Sprecher des Sparkassen- und Giroverbands. Dessen Präsident Haasis erklärte, alle Einlagen seien in unbegrenzter Höhe gesichert. Die Sparkassen stünden füreinander ein.
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