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US-Finanzkrise spitzt sich zu: Spitzentreffen gescheitert, größte Bankenpleite der US-Geschichte

zuletzt aktualisiert: 26.09.2008 - 06:11

Washington (RPO). Die US-Finanzkrise spitzt sich zu. Ein Krisentreffen von US-Präsident George W. Bush mit Barack Obama und John McCain brachte keine Einigung. Die größte Sparkasse des Landes, Washington Mutual, wird durch eine Übernahme vor dem völligen Zusammenbruch gerettet. Es ist die größte Bankenpleite der US-Geschichte.

Die US-Sparkasse wird von JPMorgan Chase für 1,9 Milliarden Dollar übernommen.  Foto: FR159797 AP, AP
Die US-Sparkasse wird von JPMorgan Chase für 1,9 Milliarden Dollar übernommen. Foto: FR159797 AP, AP

Vorerst gibt es keine Einigung über das vorgeschlagene Rettungspaket für angeschlagene US-Finanzunternehmen. Barack Obama erklärte im Anschluss an das Spitzentreffen im Weißen Haus, es müsse noch mehr getan werden, um eine Einigung zu erreichen. Er betonte, ohne eine Einigung seien Arbeitsplätze, das Wirtschaftswachstum, Rentenpläne und der Finanzmarkt in Gefahr.

Auch US-Kongress kann sich nicht einigen

Die Verhandlungen im US-Kongress über das 700-Milliarden-Dollar-Rettungspaket wurden etwas später aber ebenfalls ohne Ergebnis beendet worden. Die Demokraten warfen den Republikanern vor, für das Scheitern verantwortlich zu sein. Die Verhandlungen sollten am Freitag fortgesetzt werden.

Für Unmut vor allem bei vielen republikanischen Abgeordneten sorgt zum einen die Höhe des Rettungspakets, dass von der Regierung auf 700 Milliarden Dollar veranschlagt wurde. Zum anderen lehnen viele auch die geplanten staatlichen Eingriffe in den Finanzmarkt ab.

Zwischenzeitlich gab es am Donnerstagmittag zwar etwas Hoffnung, als führende Politiker berichteten, es habe eine grundsätzliche Verständigung gegeben. Davon war später aber nicht mehr die Rede. Nach dem Treffen im Weißen Haus erklärte Senator Richard Shelby, der führende Republikaner im Bankenausschuss des Senats, es sei jetzt klar, dass die Einigung "keine Einigung ist".

Angesichts der stockenden Verhandlungen eilte auch wieder Finanzminister Henry Paulson zum Kongress, um die Abgeordneten und Senatoren von der Notwendigkeit des Rettungspakets in der vorgeschlagenen Größe zu überzeugen.

Durch den anhaltenden Streit um das Rettungspaket ist auch weiter unklar, ob es am Freitag zum ersten Fernsehduell der Präsidentschaftskandidaten Obama und McCain kommt. Während Obama daran festhalten will, erklärte McCain, er wolle zuerst eine Einigung beim Finanzmarkt-Rettungspaket erreichen.

Bereits am Mittwochabend hatte Bush in einer dramatischen Fernsehansprache zur besten Sendezeit schnelle Entscheidungen angemahnt. "Unsere gesamte Wirtschaft ist in Gefahr", warnte der Präsident. "Ohne sofortiges Handeln des Kongresses könnte Amerika in eine finanzielle Panik rutschen, und ein bedauerliches Szenario könnte sich entfalten."

Washington Mutual vor Zusammenbruch gerettet 

Die US-Bank JPMorgan Chase hat durch eine Übernahme die größte Sparkasse des Landes, Washington Mutual, vor dem völligen Zusammenbruch gerettet. Es war die bislang größte Bankenpleite in den USA. Die Übernahme kostet JPMorgan Chase 1,9 Milliarden Dollar (1,3 Milliarden Euro).

Washington Mutual (WaMu), das seinen Sitz in Seattle hat, ist mit Vermögenswerten von rund 310 Milliarden Dollar die größte Sparkasse der USA. Durch gescheiterte Hypothekenkredite waren aber in jüngster Zeit Milliardenverluste entstanden. Die Bank war deshalb von Rating-Agenturen zuletzt heruntergestuft worden.

Es war bereits das zweite Mal in sechs Monaten, dass JPMorgan Chase im Zuge der US-Finanzkrise ein Unternehmen übernimmt, das kurz vor den Aus steht. Im März hatte die Bank das Investmenthaus Bear Stearns aufgekauft. JPMorgan Chase erklärte, das Kreditgeschäft von WaMu von rund 31 Milliarden Dollar werde vermutlich abgeschrieben. Es würden Aktien für acht Milliarden Dollar verkauft, um die Kapitalposition zu verbessern.

Das Bundsinstitut für Einlagensicherung (FDIC), das auch die Einlagen bei WaMu absicherte, erklärte, es werde durch die Übernahme die Versicherung nicht aktivieren müssen. Es gab Befürchtungen, dass die Versicherung, die bei der Pleite der IndyMac Bank zu Beginn des Sommers schon in Anspruch genommen wurde, durch einen WaMu-Zusammenbruch aufgebraucht werden könnte.

WaMu habe unter akuten Liquiditätsenpässen gelitten, erklärte die FDIC-Vorsitzende Sheila Bair. Der Aktienkurs von WaMu hatte in diesem Jahr 87 Prozent an Wert verloren. Neben JPMorgan Chase waren zuletzt offenbar unter anderem Wells Fargo, Citigroup, HSBC und Banco Santander aus Spanien an WaMu interessiert.

Alle Infos zur Finanzkrise finden Sie in unserem Special.

Quelle: ap

 
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