Börsen weiter auf Talfahrt: Staaten kämpfen weltweit gegen Finanzkrise
zuletzt aktualisiert: 09.10.2008 - 21:37Frankfurt/Washington (RPO). Auch am Donnerstag hat der Kampf gegen die Folgen der Finanzkrise die Regierungen rund um den Globus in Atem gehalten. An den Börsen in aller Welt ging die Talfahrt nach einer leichten Verschnaufpause weiter.
Zudem gewährte die US-Zentralbank gewährte dem von der Pleite bedrohten Versicherungskonzern AIG einen neuen Milliardenkredit. Die isländische Regierung verstaatlichte die dritte große Bank des Landes. Außerdem macht die Finanzkrise inzwischen den deutschen Firmen schwer zu schaffen: Laut Deutschem Industrie- und Handelskammertag (DIHK) kommen sie schwerer an Kredite.
Island verstaatlicht dritte Bank: Das vom Staatsbankrott bedrohte Island stellte seine größte Bank, Kaupthing, unter Staatskontrolle. Damit hat der Inselstaat, dessen Finanzsektor seit den 90er Jahren unkontrolliert gewachsen war, die drei größten Banken in seiner Hand. In Deutschland schloss die Finanzaufsicht Bafin die Niederlassung der Kaupthing. Das Institut hatte hierzulande vor allem relativ hoch verzinste Tages- und Festgeldkonten angeboten. Laut Bafin legten rund 30.000 deutsche Kunden insgesamt 308 Millionen Euro an. Ihr Geld ist nach Angaben eines Kaupthing-Sprechers bis zur Höhe von 20.887 Euro gesichert.
US-Notenbank stützt AIG: Die US-Notenbank stützte den Versicherungskonzern AIG mit einem weiteren Kredit von 38 Milliarden Dollar (rund 28 Milliarden Euro). Einen ersten Großkredit von 85 Milliarden Dollar hat AIG inzwischen so gut wie aufgebraucht.
Dow Jones zeitweise auf Fünfjahrestief: Der Dow-Jones-Index sank am Donnerstag an der New Yorker Aktienbörse zeitweise (gegen 21.30 Uhr) unter die Marke von 9000 Punkten. Das wichtigste Börsenbarometer der Welt erreichte zwischenzeitlich einen Stand von 8955,84 Punkte. Später erholte sich der Index wieder leicht und lag mit einem Minus von 250 Punkten gegenüber dem Vortag bei 9006 Punkten. Mit ein Grund für den Absturz waren drastische Verluste der Aktien von General Motors. Der Dow-Jones-Index war kurz nach der Eröffnung der Wall Street noch um 140 Punkte nach oben geschossen, ging dann aber wieder auf Talfahrt wie die übrigen weltweiten Aktienmärkte.
Milliarden-Bürgschaft für Dexia: Gegenüber dem angeschlagenen Versicherungskonzern Dexia bürgten Frankreich, Belgien und Luxemburg für ein Kreditvolumen von bis zu 4,5 Milliarden Euro. Dexia war vor kurzem bereits mit einem 6,4 Milliarden Euro schweren Rettungspaket gestützt worden.
Guthaben-Garantie ausgeweitet: Irland weitete seine umfassende Garantie für Guthaben bei den sechs Großbanken des Landes auf fünf ausländische Geldinstitute aus. Die Anfang Oktober ausgesprochene pauschale Rettungszusage der Regierung an ihre Großbanken war von anderen EU-Ländern als Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen EU-Banken kritisiert worden.
Leitzinsen gesenkt: In Asien senkten die Notenbanken mehrerer Staaten ihre Leitzinsen, darunter Südkorea und Taiwan. Bereits am Mittwoch hatten sieben führende Notenbanken, unter ihnen die Europäische Zentralbank, gemeinsam ihre Leitzinsen gesenkt, um die Weltwirtschaft anzukurbeln.
Keine Kreditklemme: Deutsche Banken verlangen von Firmen hierzulande inzwischen mehr Sicherheiten oder auch Risikozuschläge bei der Kreditvergabe, wie DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben der "Bild"-Zeitung unter Berufung auf eine Blitzumfrage unter mehr als 3000 deutschen Unternehmen sagte. Es gebe es aber weiterhin keine Kreditklemme.
Kaum Erholung an der Börse: Weltweit erholten sich die Börsen von den schweren Kursstürzen vom Mittwoch kaum. Der Dax verlor erneut und schloss mit einem Minus von 2,53 Prozent bei 4.887 Punkten. Auch die Kurse auf dem Pariser Aktienmarkt sackten weiter ein. Die Börse in London verlor nur leicht. Nach schweren Verlusten zum Handelsauftakt an der Wall Street stabilisierte sich der Dow Jones am Mittag (Ortszeit).
Krisentreffen der G7-Finanzminister: Das Weiße Haus kündigte für Samstag ein Krisentreffen von US-Präsident George W. Bush und den Finanzministern der G-7-Staaten sowie den Direktoren des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank in Washington an. Nach Angaben seiner Sprecherin Dana Perino wollte sich Bush dabei von den Schritten der einzelnen Länder im Kampf gegen die Finanzkrise unterrichten lassen. Der US-Präsident sagte zudem, er wolle mit seinen europäischen Partnern zusammenarbeiten, um eine "bestmögliche" abgestimmte Lösung zu erarbeiten.
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