US-Bankenrettung: Steuerzahler müssen "hunderte Milliarden" zahlen
zuletzt aktualisiert: 19.09.2008 - 20:15Washington (RPO). Für George W. Bushs Banken-Rettungsaktion müssen die Steuerzahler bluten. Der US-Präsident hat sie bereits am Freitag auf hohe Kosten eingestimmt. Finanzminister Henry Paulson bezifferte die möglichen Kosten auf "hunderte Milliarden" Dollar, während ein einflussreicher Senator sogar von bis zu einer Billion Dollar ausging.
"Diese Maßnahmen erfordern es, eine beträchtliche Summe Geld der Steuerzahler zur Verfügung zu stellen", sagte Bush am Freitag in Waashinton. Die kostspieligen Eingriffe der Regierung brächten "ein Risiko" mit sich. An den Börsen weltweit sorgte die Ankündigung des Rettungspakets für ein Kursfeuerwerk.
Bush warb bei seinen Landsleuten um Zuversicht: Auf lange Sicht sei zu erwarten, "dass dieses Geld letztlich zurückgezahlt wird", sagte er. Langfristig hätten die US-Bürger guten Grund, Vertrauen in die Wirtschaftskraft ihres Landes zu setzen: "Dieses Land ist der beste Ort der Welt, um zu investieren und Geschäfte zu machen", betonte Bush. Wegen der angespannten Situation an den Märkten sei Abwarten derzeit keine Option: Die Regierung müsse "nun handeln, um die wirtschaftliche Gesundheit unserer Nation zu schützen", sagte Bush.
Weiterer Druck auf die Finanzmärkte werde Arbeitsplätze kosten, Sparpläne zur Rentensicherung vernichten und einen weiteren Preisverfall am Immobilienmarkt nach sich ziehen, warnte Bush. Zugleich werde es für die US-Bürger schwieriger, Kredite für Hauskauf, Autos und Studiengebühren zu bekommen: "Das sind Risiken, die sich Amerika nicht leisten kann."
Paulson sagte zu den voraussichtlich hohen Kosten der Rettungspläne: "Das hier muss groß genug werden, um wirklich etwas zu bewirken und bis zum Kern des Problems vorzustoßen." Er werde Gesetzespläne vorstellen und mit dem Kongress arbeiten, damit dessen Mitglieder übers Wochenende Details ergänzen könnten. Kommende Woche solle es an die Gesetzgebung gehen.
Nach Angaben des US-Finanzministeriums wird der Staat mit bis zu 50 Milliarden Dollar eine Garantie für Geldmarktfonds übernehmen. Die Einlagensicherung soll demnach zunächst für ein Jahr gelten, die beteiligten Fondsgesellschaften müssten eine Gebühr zahlen. Geldmarktfonds spielten "für viele Amerikaner eine wichtige Rolle beim Sparen", begründete das Ministerium den Schritt.
Der als einflussreich geltende republikanische Senator von Alabama, Richard Shelby, gesagt, er gehe von Kosten von bis zu einer Billion Dollar für die Rettungsaktion aus. "Ich schätze mal, es geht um mindestens eine halbe Billion", sagte er dem Fernsehsender ABC. Aber wer sich anschaue, was die US-Notenbank Fed bereits alles unternommen habe, der könne auch mit bis zu einer Billion Dollar rechnen.
Als Reaktion auf die Pläne der US-Regierung schossen die Börsenkurse weltweit nach oben. Der Frankfurter Dax schloss mit einem Plus von 5,56 Prozent bei 6189,53 Zählern. In London notierte der FTSE-100-Index der führenden Unternehmen bei Börsenschluss 8,84 Prozent im Plus bei 5311,30 Punkten, an der Pariser Börse legte der CAC 40 um 9,27 Prozent auf 4324,87 Zähler zu. Der Dow Jones in New York sprang um 3,47 Prozent auf 11.401,63 Punkte, der technologielastige Nasdaq-Index legte 2,71 Prozent auf 2258,77 Punkte zu. In Hongkong schloss die Börse mit einem Plus von 9,6 Prozent, jene in Shanghai mit einem Plus von 9,5 Prozent. Die Kurse in Tokio legten um 3,76 Prozent zu.
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