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Deutsche Wirtschaft: Stimmung so schlecht wie zuletzt 1993

zuletzt aktualisiert: 24.11.2008 - 13:57

München (RPO). Zum sechsten Mal in Folge hat sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft verschlechtert. Wie das Münchener ifo-Institut am Montag mitteilte, sank der ifo-Geschäftsklimaindex im November von 90,2 auf 85,8 Punkte. Das ist der schlechteste Stand seit Anfang 1993.

In allen befragten Branchen, im verarbeitenden Gewerbe, Bauhauptgewerbe sowie Groß- und Einzelhandel, habe sich Klima eingetrübt. Der deutsche Aktienmarkt zeigte sich von diesem Negativrekord des Frühindikators für die konjunkturelle Entwicklung allerdings unbeeindruckt und legte bis zum frühen Nachmittag mehr als drei Prozent zu.

Im November sank der monatlich unter rund 7000 Unternehmen erhobene Ifo-Geschäftsklimaindex bereits zum sechsten Mal in Folge. Experten hatten zwar ebenfalls einen Rückgang des Stimmungsbarometers prognostiziert, jedoch nur auf 88,6 Punkte. Letztmals im Februar 1993 war das Indexniveau mit 84,9 Punkten niedriger gewesen. Deutschland steht angesichts des schlechten Ifo-Geschäftsklimaindex nach Einschätzung von Experten am Beginn einer scharfen Rezession.

"Die Unternehmen sind erheblich unzufriedener mit ihrer momentanen Geschäftslage und rechnen zudem mit einer nochmals deutlich ungünstigeren Geschäftsentwicklung im kommenden halben Jahr", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Insgesamt habe sich der konjunkturelle Abschwung verschärft und werde nun auch den Arbeitsmarkt erfassen.

Der Teilindikator zur Beurteilung der aktuellen Lage fiel den Angaben zufolge deutlich auf 94,8 Punkte, im Oktober hatte er bei 99,9 Punkten gelegen. Die Erwartungskomponente sank von 81,4 Punkten auf 77,6 Zähler. Das war das niedrigste Niveau seit Beginn der Erhebungen Anfang der 1990er Jahre.

Nach Einschätzung von Experten dürfte die Wahrscheinlichkeit gestiegen sein, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Leitzinsen in den kommenden Woche von derzeit 3,25 Prozent um mehr als 50 Basispunkte senkt. Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer sagte, eine Zinssenkung um einen dreiviertel Prozentpunkt sei angesichts des Drucks der eingebrochenen Konjunkturindikatoren wahrscheinlicher. Bis Frühjahr 2009 werde die EZB ihren Leitzins auf 1,75 Prozent zurücknehmen.

Analyst Rainer Sartoris von der HSBC Trinkaus zufolge führt der Ifo-Index vor Augen, "dass wenig Hoffnung auf eine Beendigung der konjunkturellen Durststrecke im kommenden Jahr besteht". Auch Commerzbank-Chefvolkswirt ist pessimistisch: "All dies deutet darauf hin, dass das BIP im vierten Quartal massiv zurückgeht, wir rechnen gegenüber dem dritten Quartal mit einem Minus von 0,75 Prozent". Zudem werde die deutsche Wirtschaft 2009 um 1,2 Prozent schrumpfen.

Auch eine Schrumpfung, allerdings nur um fast 0,5 Prozent, prognostizierte das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) für kommendes Jahr. Die von dem Institut veröffentlichte Konjunkturumfrage habe gezeigt, "dass sich die Export- und auch die Investitionserwartungen merklich eingetrübt haben", sagte IW-Direktor Michael Hüther. Anfang Oktober hatte das arbeitgebernahe Institut für 2009 noch ein Wachstum von 0,6 Prozent erwartet. Für das laufende Jahr rechnet das IW noch mit einem Wachstum von 1,7 Prozent. 2007 war die deutsche Wirtschaft noch um 2,5 Prozent gewachsen.

Viele Entlassungen geplant

Auch die Stimmung bei den Arbeitnehmern ist offenbar auf einem neuen Tierfstand angekommen. Jedes zweite deutsche Unternehmen plant einem Medienbericht zufolge, im kommenden Jahr Arbeitsplätze abzubauen. Das geht dem Bericht zufolge aus der aktuellen Herbst-Konjunkturumfrage des Kölner Instituts für Wirtschaft hervor. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte zuvor an die Unternehmen appelliert, Fachkräfte nicht zu entlassen.

Wie die "Bild"-Zeitung berichtet wollen rund 52 Prozent der Betriebe im Osten ihre Belegschaft 2009 halten, im Westen sind es nur gut 45 Prozent. Die Zahl der Erwerbstätigen werde im Durchschnitt des kommenden Jahres um 230.000 Personen zurückgehen.

Ein großes Special zur Finanzkrise finden Sie hier.

Quelle: afp

 
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