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Schöne Frau guckt auf Goldmünzen ddp 2010
  Foto: ddp
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Eine Folge der Euro-Krise: Sturm auf Goldhändler verursacht Engpässe

zuletzt aktualisiert: 22.05.2010 - 12:33

(RP). Angesichts der Lage auf den internationalen Finanzmärkten wächst auch unter den Menschen in NRW die Angst um ihr Erspartes. Immer mehr suchen Sicherheit und investieren ihr Geld in Edelmetall. Schon gibt es Lieferschwierigkeiten. Experten warnen vor Panikkäufen und stellen klar: Auch bei Gold gibt es ein Risiko – sogar ein doppeltes.

 Foto: ddp
Foto: ddp

An den großen Börsen der Welt ist der Preis für Gold in den vergangenen Wochen und Tagen von einem Höchststand zum nächsten geklettert. In London stieg er in dieser Woche sogar auf den historischen Höchststand von 1248,82 Dollar pro Unze. Freitag kostete sie in Frankfurt am Main immer noch 1179,35 Dollar.

Niederrhein und Bergisches Land kaufen reichlich

Nicht nur die großen Finanzjongleure suchen angesichts der Krise in Griechenland und der Schwäche des Euros Sicherheit in dem Edelmetall. Auch Bürger am Niederrhein und im Bergischen Land kaufen Gold – und zwar kräftig. Die Nachfrage nach Münzen und Barren ist bei den Banken und Händlern in Nordrhein-Westfalen stark gewachsen.

"Das Interesse an Gold ist in den vergangenen 14 Tagen sprunghaft angestiegen. Zu 90 Prozent sind es Privatkunden, die sich nach Gold erkundigen", berichtet Alexander Blum, Leiter Private Banking bei der Sparkasse Mönchengladbach. "Mindestens eine Verzwanzigfachung der Nachfrage nach Gold" hat der Vorstandvorsitzende der Verbands-Sparkasse Wesel, Friedrich-Wilhelm Häfemeier, in den vergangenen Tagen und Wochen registriert.

"Eine Verdoppelung" bei den Goldverkäufen meldet Lothar Heinemann, Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse in Solingen. Von einer "deutlichen gestiegenen Nachfrage" nach dem Edelmetall sprechen auch die Sparkassen in Kleve und Emmerich, die Volksbank Niederrhein in Kleve sowie sowie der Pressesprecher der Deutschen Bank, Mike Schweitzer.

Goldbestellungen für 5000 Euro

Friedrich-Wilhelm Häfemeier von der Verbands-Sparkasse in Wesel macht den Trend konkret: "Zu normalen Zeiten hatten wir drei bis vier Bestellungen pro Woche. Dabei ging es meist um kleine Mengen im Wert von 200 bis 500 Euro, die die Kunden verschenken wollten. Jetzt ordern auch Privatkunden Gold für 1000 bis 5000 Euro. Vereinzelt bestellen sie sogar bis zu einem Kilogramm Gold." Die Goldkäufer kommen aus allen Schichten der Gesellschaft. Besonders ausgeprägt ist die Nachfrage aber bei Menschen, die eine Inflation selbst erlebt haben. Etwas schwächer bei denen, deren Eltern eine Geldentwertung miterleben mussten.

Nicht nur bei den Banken und Sparkassen verlangen viele besorgte Geldanleger nach Gold. "Seit zwei Stunden habe ich keine einzige Goldmünze mehr. Momentan bin ich völlig leer gekauft. Das kann sich in ein paar Stunden wieder ändern, aber die Nachfrage ist derzeit extrem", berichtet gestern Klaus Fleissner von der Münzhandlung Ritter in Düsseldorf. Mit "Nachschubschwierigkeiten" haben auch die Geldinstitute zu kämpfen. "Gerade kleinere Münzen und Stückelungen sind immer wieder mal vergriffen", berichtet Frank Ruffing, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Niederrhein in Kleve.

Aufschlag von 80 bis 100 Euro

Manche Banken würden auf diese gefragten Produkte pro Unze, die derzeit etwa 1100 Euro kostet – wegen der Lieferengpässe einen Aufschlag von 80 bis 100 Euro vom Kunden kassieren. Wer besonders stark nachgefragte Münzen kaufen will, muss derzeit mit Wartezeiten von bis zu sechs Wochen rechnen. Münzen sind bei den Käufern derzeit grundsätzlich begehrter als Barren. "Sie sind einfach besser handelbar", sagt Wilfried Röth, Vorstandsmitglied der Sparkasse in Kleve.

Dass sich die Nachfrage nach Gold in Zeiten ökonomischer Unsicherheit erhöht, weil es als wertbeständig gilt, hat Tradition. Dennoch warnen Finanz-Experten wie Marco Cabras, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz: "Der hohe Goldpreis ist die Folge einer Panikreaktion", sagt er. Wenn die Unsicherheit am Markt überwunden werde, werde der Preis wieder fallen. Auch Frank Ruffing von der Volksbank Niederrhein rät, nur in Maßen auf Gold zu setzen.

Vorsicht: Gold hat gleich ein doppeltes Risiko

Es bringe keine Zinsen und unterliege einem zweifachen Kursrisiko – dem Goldpreis und dem Dollarkurs, in dem es gehandelt werde. Maximal "zehn bis 15 Prozent" seines Vermögens sollte man in Gold investieren. Die leidige Erfahrung der Vergangenheit habe gezeigt, dass vor einer Hyper-Inflation auch noch so viel Gold kein Schutz sei. "Damals musste man sein Gold letztendlich hergeben, um etwas zu Essen zu bekommen."

Quelle: RP/cnm/dido/leb/uwi

 
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