Börse: Übernahme-Gerüchte beflügeln Commerzbank-Aktie
zuletzt aktualisiert: 10.08.2005 - 17:44Frankfurt/Paris (rpo). An der Frankfurter Börse gibt es erneut Gerüchte über eine Übernahme der Commerzbank durch die französische BNP. Obwohl beide Banken keinen Kommentar abgaben, kletterte die Aktie der Commerzbank zeitweise um fast acht Prozent.
Zuvor waren an den den Märkten Spekulationen über ein Kaufangebot in Höhe von 30 Euro pro Anteil für das Institut kursierten. Dies wären fast 50 Prozent mehr als der Schlusskurs vom Dienstag. Auch Branchenexperten zeigten sich zurückhaltend. Die Commerzbank gilt seit Jahren als mögliche Übernahmekandidatin. Grund ist, dass sie wegen des niedrigen Aktienkurses relativ billig zu haben wäre. Ihre Marktkapitalisierung liegt zur Zeit bei rund 12,8 Milliarden Euro. Zudem hat die Übernahme der HypoVereinsbank durch die italienische UniCredito die Spekulationen über den Beginn der lange erwarteten Konsolidierung auf dem deutschen Bankenmarkt neu angefacht.
"Die BNP Paribas kommentiert keine Marktgerüchte", sagte ein Sprecher der Pariser Bank. Fast dieselbe Formulierung gab es bei der Commerzbank. Marktteilnehmer sahen darin jedenfalls kein Dementi. "Eine Übernahme der Commerzbank wäre für die BNP Paribas möglich", sagte ein Händler in Paris. "Man weiß, dass die BNP Paribas viel Geld in den Kassen hat und die Commerzbank zum Verkauf steht." Allerdings kursierten zur Zeit am Markt viele Gerüchte. "Es gibt einen enormen Hunger nach Geschichten", sagte der Händler, "Das wird langsam zum Problem."
BNP-Paribas-Chef Baudouin Prot hatte vergangene Woche bei der Vorlage der Halbjahreszahlen gesagt, das Institut wolle vor allem in den Anrainerstaaten des Mittelmeers, Mitteleuropa, den USA und Asien wachsen. Dabei sei es weiter Ziel, das Geschäft über kleinere und mittlere Übernahmen auszubauen. Angebliche Übernahmepläne für die deutsche Bausparkasse BHW hatte Prot dementiert.
Zuletzt hatten sich die Franzosen bei der Expansion im Ausland vor allem auf die Westküste der USA konzentriert. Im März 2004 kaufte das Institut dort die Community First, wodurch die Zahl der US-Filialen mit der Tochter BancWest auf über 500 stieg. Die französische Wirtschaftszeitung "La Tribune" berichtete am Mittwoch, das Institut spreche nun mit vier chinesischen Banken über einen Einstieg. Geld ist in Paris jedenfalls vorhanden: Die BNP hat rund sieben Milliarden Euro für den Zeitraum von 2005 bis 2007 für Übernahmen zurückgestellt. Davon sind bisher nur rund 1,7 Milliarden Euro verbraucht.
Die Commerzbank steckt ihrerseits seit Jahren in einer tiefen Umstrukturierung, der rund 6400 Arbeitsplätze zum Opfer fielen. Nach zwei Verlustjahren gelang im vergangenen Jahr aber wieder der Rückkehr in die Gewinnzone. Bank-Chef Klaus-Peter Müller befindet sich schon länger auf der Suche nach Partnern. Im August vergangenen Jahres war die Übernahme der BHF durch die Commerzbank geplatzt. Schon 2001 war eine Fusion der Frankfurter mit der UniCredito gescheitert.
Die Übernahmegerüchte brachten am Mittwoch jedenfalls neuen Schwung in den Commerzbank-Kurs. Gegen 14.00 Uhr war das Papier mit 21,34 Euro 6,5 Prozent mehr wert als am Dienstag und einsamer Spitzenreiter unter den 30 Spitzenwerten im Deutschen Aktienindex (DAX).
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