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Krise am Finanzmarkt: US-Regierung will Banken retten

zuletzt aktualisiert: 19.09.2008 - 06:24

Washington (RPO). Die Finanzmarktkrise spitzt sich zu. In Zusammenarbeit mit der US-Zentralbank und dem Kongress arbeitet die US-Regierung jetzt an einem umfassenden Rettungsplan für die krisengeschüttelten Banken. Finanzminister Henry Paulson teilte mit, dass über einen "Gesamtplan" beraten werde, um die derzeitige Finanzkrise zu überwinden.

Vor allem will die US-Regierung die Banken von notleidenden Krediten befreien, um die Turbulenzen an den Börsen zu überwinden. Die asiatischen Börsen reagierten am Freitag mit zum Teil kräftigen Gewinnen. Die japanische Zentralbank pumpte weitere drei Billionen Yen (20 Milliarden Euro) in den Markt.

Zur Überwindung der Finanzkrise würden "alle Optionen" in Betracht gezogen, sagte die Sprecherin des US-Finanzministeriums, Brookly McLaughlin. Dazu zählten Gesetzesmaßnahmen und Regierungsanordnungen. Die Beratungen mit den Vertretern des Kongresses sollten "über das Wochenende" fortgesetzt werden, um einen "Weg nach vorne aufzuzeigen". Im Gefolge der Pleite der US-Bank Lehman Brothers waren die Börsen in den vergangenen Tagen weltweit in schwere Turbulenzen geraten.

An den Gesprächen über den "umfassenden" Rettungsplan in Washington beteiligten sich Notenbankchef Ben Bernanke und führende Politiker sowohl der Republikaner als auch der Demokraten. Das "im System liegende Risiko" und der "Stress auf den Kapitalmärkten" müssten überwunden werden, sagte Finanzminister Paulson. Der Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid, erklärte: "Wir bereiten uns darauf vor, mit ihnen zusammenzuarbeiten und warten auf ihren Vorschlag."

Rettungsplan wie in den 80er Jahren

Die US-Regierung will sich offenbar an dem Staatsfonds Resolution Trust Corporation (RTC) orientieren, der 1989 zur Sanierung zahlreicher Spar- und Darlehenskassen eingerichtet wurde und insgesamt 394 Milliarden Dollar verwaltete. "Dieses Land kann zusammenstehen und schnell handeln, wenn es zum Wohl der amerikanischen Bevölkerung getan werden muss", sagte Paulson. Parlamentspräsidentin Nancy Pelosi sagte, die Vertreter beider Parteien wollten sich anhören, "was die Regierung zu sagen hat". Dabei hofften sie, "dass wir zusammenarbeiten können". Auch Bernanke sprach davon, dass in enger Zusammenarbeit mit dem Kongress "die Finanzkrise überwunden" werden solle, so dass "unsere Wirtschaft sich wieder in Bewegung setzt".

Finanzmärkte reagieren positiv

Die Wall Street machte bereits am Donnerstag mit einem kräftigen Kursaufschwung den Einbruch vom Vortag fast wieder wett. Der Dow-Jones-Index stieg bis Handelsende um 3,5 Prozent und schloss mit 10.985,17 Punkten. Dem Börsenschluss war ein turbulenter Handelstag vorangegangen. Die Börse in Tokio verzeichnete am Freitag ein Plus von mehr als drei Prozent, in Singapur kletterte der Index um fast vier Prozent, in Hongkong lagen die Gewinne bei mehr als sieben Prozent.

Ermittlungen wegen betrügerischer Spekulationen

Wegen des Verdachts auf betrügerische Spekulationen im Zusammenhang mit dem jüngsten Kurssturz von Finanzaktien an der Wall Street leitete der US-Bundesstaat New York Ermittlungen ein. Es gehe dabei um den Verdacht der gezielten Verbreitung von "falschen Informationen und Gerüchten" mit dem Ziel, die Kurse bestimmter Aktien in den Keller zu treiben, sagte der New Yorker Justizminister Andrew Cuomo auf CNN.

Die britische Finanzaufsicht (FSA) verbot am Donnerstag Optionsgeschäfte. "Wir betrachten Optionsgeschäfte weiterhin als legitime Investitionstechnik unter normalen Marktbedingungen", erklärte FSA-Chef Hector Sands in London. Doch die gegenwärtige "extreme Lage" führe zu chaotischen Zuständen auf den Märkten. Daher sei die Entscheidung zum Verbot der Optionsgeschäfte getroffen worden, "um uns gegen weitere Instabilität auf dem Finanzsektor zu verwahren". Das Verbot gilt bis zum 16. Januar.

Alles zur Finanzmarktkrise finden Sie in unserem Special.

Quelle: ap

 
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