Börsen-Chaos: VW-Aktie stützt Dax im Alleingang
zuletzt aktualisiert: 27.10.2008 - 18:10Frankfurt (RPO). Der Dax leidet unter der Finanzkrise – allein die Aktie von Volkswagen kann sich gegen den allgemeinen Trend behaupten. Das Papier hat wegen der geplanten Mehrheitübernahme durch Porsche um mehr als 200 zugelegt. Der Dax schloss nur knapp im Plus, obwohl alle 29 anderen Top-Aktien abrutschten.
Nachdem Porsche mitgeteilt hatte, bereits 74,1 Prozent der VW-Aktien direkt oder über Optionen zu besitzen, setzte ein Run auf die noch knapp 6 Prozent im Streubesitz verfügbaren Aktien ein. Der Kurs explodierte um bis zu 200 Prozent auf über 630 Euro. Bei Börsenschluss kostete das Papier noch 520 Euro, das war ein Plus von 146,62 Prozent.
Kurzum: Die VW-Aktie hat einen sensationellen Kurssprung hingelegt. Das Papier stieg teilweise um mehr als 90 Prozent, während die anderen Dax-Titel ausnahmslos im Minus lagen. Porsche kauft die VW-Aktien vom Markt. Man wolle die Märlte beruhigen, die VW-Aktie verhalte sich völlig irrational, sagte ein Porsche-Sprecher auf Anfrage unserer Redaktion.
Der DAX, der mit einem Minus von knapp 5 Prozent in die Woche gestartet war, erholte sich und schloss mit 4.286,01 Punkten noch 0,22 Prozent im Minus. Der MDAX verlor 4,96 Prozent auf 4.810,55 Zähler, der TecDAX gab 4,29 Prozent auf 458,21 Punkte ab.
Größte Verlierer im DAX waren Postbank mit minus 24 Prozent sowie Commerzbank und Deutsche Post AG mit über 17 Prozent. Außer Volkswagen kam kein Wert in die Gewinnzone.
Die internationalen Aktienmärkte waren nach der Verkaufswelle der vergangenen Handelstage mit deutlichen Kursverlusten in die neue Woche gestartet. Der Nikkei-Index stürzte in Tokio um 6,4 Prozent auf 7.162 Punkte und damit auf den niedrigsten Stand seit 26 Jahren. Das zog auch andere europäische Börsen nach unten. Der Schweizer SMI schloss 3,07 Prozent tiefer.
In New York eröffnete die Wall Street mit Verlusten bis rund 1,6 Prozent, erholte sich aber in Verlauf des Vormittags (Ortszeit) auf ein Minus von nur noch 0,64 Prozent bei rund 8.325 Punkten.
Aufwertung des Yen belastet die japanische Wirtschaft
Hintergrund ist die Sorge, dass sich die Finanzmarktkrise zu einer Währungskrise ausweiten könnte. Der japanische Yen war am Freitag auf den höchsten Stand seit 13 Jahren gestiegen. Ein Dollar kostete etwa 90 Yen. Am Montag stieg der Dollar wieder und lag am Nachmittag bei 92 Yen. Die Aufwertung des Yen ist eine Belastung für die exportorientierte japanische Wirtschaft.
Zugleich sackt der Euro immer weiter ab. Sein Referenzkurs wurde am Nachmittag in Frankfurt am Main mit 1,2460 Dollar festgestellt, nach 1,2596 Dollar am Freitag. Gegen den Franken fiel die europäische Einheitswährung auf ein Rekordtief von 1,4322, bevor sie wieder etwas zulegte auf 1,4447 Franken.
Die sieben reichsten Industriestaaten warnten vor zu großen Schwankungen im Wechselkurs des japanischen Yen. Der rasche Anstieg der vergangenen Tage sei beunruhigend für das Gleichgewicht der Märkte, erklärten die Finanzminister der G-7-Staaten und die Zentralbankpräsidenten.
EZB deutet Leitzinssenkung an
Unterdessen deutete die EZB an, dass eine Leitzinssenkung für den Euro-Raum bevorstehen könnte. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sagte in Madrid, eine Senkung im November sei eine Möglichkeit. Die US-Notenbanker treffen sich bereits am Dienstag für zwei Tage.
Allgemein wird mit einer Leitzinssenkung um 0,5 Prozentpunkte auf 1 Prozent in den USA gerechnet. Allerdings machten auch Spekulationen die Runde, wichtige Notenbanken der Welt könnten wegen der Finanzmarktkrise erneut in einer konzertierten Aktion die geldpolitischen Zügel lockern.
.Ein großes Special zur Finanzkrise finden Sie hier.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum
