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Gesundheitsreform: Warum Klinik-Pleiten nutzen

zuletzt aktualisiert: 03.03.2006 - 08:51
Düsseldorf (RP). Nichts wird sich im Gesundheitswesen so stark verändern wie Krankenhäuser: Jede fünfte schließt, die überlebenden spezialisieren sich. Die Patienten gehen früher nach Hause. Und sie erfahren, ob eine Blinddarm-OP in Haus A riskanter ist als in Haus B. Das fordern jedenfalls die Experten. Reform tut not. Denn für keinen Bereich geben die Kassen so viel Geld (34 Prozent) aus wie für Kliniken.

ZuvieleBetten In Deutschland gibt es 500.000 Krankenhaus-Betten. Laut Rheinisch-Westfälischem Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) werden 2010 nur noch 440.000 gebraucht. Das weiß auch die Politik. Doch der Abbau fällt ihr schwer. Allein im Rheinland sollte die Zahl bis 2005 um 4000 auf 60.500 verringert werden. Nur 3000 hat man geschafft. Der Bettenabbau müsse auch mit der Schließung von Krankenhäusern einhergehen, wenn er ökonomisch etwas bringen soll, verlangt Wilfried Jacobs, Chef der AOK Rheinland. „Doch leider sind Kommunalpolitiker oft ohne Mut und Kraft.“

Dabei hätten (fast) alle etwas davon. „Würden die zehn Prozent schlechtesten Häuser geschlossen und die Patienten auf andere verteilt, könnten die Kassen im Jahr 4,9 Milliarden Euro sparen“, sagt RWI-Experte Boris Augurzky. So könnte der Kassenbeitrag im Schnitt um 0,49 Prozentpunkte sinken. Zugleich könnten sich die Arbeitsbedingungen verbessern. Unter dem Druck leerer Kassen zwingen manche Kliniken ihre Ärzte noch immer zu 36-Stunden-Schichten - eine Gefahr für Ärzte wie Patienten.

Auch viele Patienten hätten nichts gegen Konzentration, selbst wenn sie damit weitere Wege haben. „Befragungen zeigen: Patienten ist es wichtig, dass ihr Krankenhaus qualitativ gut ist, nicht, dass es um die Ecke liegt“, so Jacobs. Unrentable Häuser gibt es genug: „Zehn Prozent sind so unwirtschaftlich, dass ihre Schließung unausweichlich ist“, sagt Augurzky. 20 Prozent seien insolvenzgefährdet. Die Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton hält jede vierte Klinik für einen Pleitekandidaten.

ZulangeLiegezeiten Manche Hospitäler machen das neue Abrechnungssystem verantwortlich für drohende Pleiten. Seit 2004 rechnen die Kliniken nicht mehr nach Liegezeiten, sondern nach Fallpauschalen ab. „Die Fallpauschalen bringen die Probleme nur an den Tag“, wiegelt Augurzky ab. Das wird vor allem ab 2009 der Fall sein. Dann gelten für alle Kliniken eines Bundeslandes einheitliche Pauschalen. So will die Politik die Liegezeiten senken. Vor kurzem lagen die Deutschen noch 9,5 Tage im Krankenhaus. „Künftig werden es sieben Tage sein“, schätzt Augurzky.

BlutigeEntlassung? Ärzte-Präsident Jörg-Dietrich Hoppe fürchtet, dass es damit verstärkt zu „blutigen Entlassungen“ kommt. Diese Sorge halten Klinik-Manager für unbegründet: „Wir haben kein Interesse, dass Patienten zu früh entlassen werden und rasch mit Komplikationen wieder kommen“, sagt Horst Imdahl, Geschäftsführer der Stadtkliniken Düsseldorf. Denn dann bekommen Kliniken auch kein Geld. Für Blinddarm-Patienten etwa zahlen die Kassen erst nach neun Tagen wieder, im Schnitt werden diese nach 4,6 Tagen entlassen.

MehrPrivate Private Kliniken können sich im Wettbewerb oft besser behaupten. „Sie sind Herr ihre Investitionen, kommunale Häuser müssen beim Land um Geld betteln“, sagt Augurzky. Doch die Länder haben kein Geld. Allein in NRW beträgt der Investitionsstau 4,8 Milliarden Euro. Das RWI erwartet, dass Rhön Kliniken und Co. weitere Häuser übernehmen.

BessereQualitätsberichte Seit 2005 sind Krankenhäuser verpflichtet, Qualitätsberichte zu veröffentlichen. „Das ist ein Einstieg. Mehr nicht“, sagt Henner Schellschmidt vom AOK-Forschungsinstitut. So geben die Berichte nur an, wie viel Erfahrung Kliniken bei ihren wichtigsten Operationen haben. Dabei wären Fallzahlen von allen Eingriffen und auch Ergebnisse - Komplikationen, Todesfälle, Rückfälle - wichtig. Schellschmidt: Doch offenbar fürchte manche Klinik, dass Offenheit sie Marktanteile kostet.

 
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