Ungarn steht mit dem Rücken zur Wand: Die Ratingagentur Moodys stufte die Staatsanleihen auf Ramschniveau herab. Damit steht Ungarn auf einer Ebene mit Dritte-Welt-Staaten wie Guatemala. Nachfolgend eine Übersicht über die wirtschaftlichen Schwachpunkte Ungarns:
Ungarn hat einen
Schuldenberg angehäuft, der 82 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung entspricht. Bis 2014 sollen die Verbindlichkeiten unter die Marke von 70 Prozent gedrückt werden. Das wird schwierig, da Ungarn viele Anleihen in Fremdwährungen aufgenommen hat. Allein 2012 müssen Anleihen von fast fünf Milliarden Euro zurückgezahlt werden. Nach der Herabstufung sind die Risikoaufschläge für ungarische Staatsanleihen gestiegen, was die Refinanzierung erheblich verteuert.
Die Regierung erwartet für 2012 bislang ein
Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent. Die EU-Kommission und viele Experten rechnen aber inzwischen mit weniger als einem Prozent. Ein Grund dafür ist die hohe Arbeitslosigkeit, die die Binnennachfrage dämpft. Der Konjunkturabschwung in den Euro-Ländern und weltweit drosselt zudem die Exporte.
Viele Ungarn leiden unter der kräftigen
Abwertung des Forint. Sie halten 4,8 Billionen Forint an Hypothekenkrediten in ausländischen Währungen wie dem Schweizer Franken. Diese Summe entspricht 17 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Durch die Abwertung des Forint wird die Rückzahlung nun deutlich teurer.
Auch viele Unternehmen und Kommunen haben sich in Franken verschuldet. Was wegen niedriger Zinsen lange Zeit von Vorteil war, wird wegen des ungünstigen Wechselkurses nun zum Bumerang.
Investoren zweifeln an der Unabhängigkeit der Zentralbank. Grund: Durch eine neues Gesetz wählte das von der regierenden Fidesz dominierte Parlament vier Mitglieder in den geldpolitischen Ausschuss, der über die Zinsen entscheidet. Sie können dort Notenbankchef Andras Simor und seine beiden Stellvertreter überstimmen.