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Börse Pleite Abschwung Panorama 2008 afp
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Finanzkrise: Was Sparer jetzt falsch machen können

VON GEORG WINTERS - zuletzt aktualisiert: 11.10.2008 - 20:59

(RP). Viele denken darüber nach, ob sie ihr Vermögen noch der Bank anvertrauen oder lieber zu Hause horten sollen. Davon raten Experten allerdings ab, weil sie die Sicherungseinrichtungen in Deutschland für gut genug halten. Und für die Gesamtwirtschaft hätte das „Geldhamstern“ negative Folgen.

Düsseldorf. Die Zeiten, in denen die internationale Finanzkrise nur ein Thema für Profis war, sind längst vorbei. Die Krise hat über Börsenbeben, geplatzte Geldanlagen und Bankpleiten die breite Masse erreicht. Sie erzeugt Panik. Viele Sparer haben so große Angst vor einer Pleite ihrer Bank, dass sie am liebsten alle Konten plündern und das Geld nach Hause tragen möchten – oder bestenfalls im Tresor der Bank vergraben. Motto: „Nach mir die Sintflut. Wenn ich der letzte bin, ist für mich vielleicht nichts mehr da. Aus dem Tresor kann ich mein Geld dann wenigstens wieder rausholen, wenn die Bank in Not gerät“, so argumentieren mittlerweile manche deutschen Sparer.

Soll man das Geld wirklich horten?

„Eindeutig nein“, sagt der Erlanger Bankprofessor Wolfgang Gerke. „Das ist völlig sinnlos.“ Aus seiner Sicht ist die Furcht vor dem Verlust des Ersparten ohnehin nicht gerechtfertigt: „Es gibt die staatlichen und die privaten Einlagensicherungssysteme. Und das die nicht mehr funktionieren, würde ich ausschließen. Ganz abgesehen davon, dass Geld, das unter dem Kopfkissen der Verbraucher liegt, keine Zinsen bringt.“

So viel ökonomische Vernunft überzeugt derzeit indes kaum einen Bankkunden. Angst ist irrational, und sie löst Massenflucht aus. Bankberater berichten – freilich nur hinter vorgehaltener Hand – darüber, dass ihre Kunden die Bankverbindung kündigen, weil sie ein anderes Geldhaus für sicherer halten als ihr eigenes. Deshalb zählen sich Sparkassen und Volksbanken gegenwärtig zu den großen Gewinnern der Finanzkrise. Sie verbuchen nach eigenen Angaben starken Zulauf sowohl an Kunden als auch an Geld.

Sind Großbanken also unsicherer?

Prinzipiell nein. Die gesetzlichen Sicherungsmechanismen gelten für alle Bankengruppen gleich, und das Garantieversprechen der Bundeskanzlerin gilt für Großbanken genau so wie für kleine Sparkassen. Deren freiwillige Sicherungseinrichtungen haften zwar unbegrenzt, während jene bei den Privatbanken auf eine bestimmte Quote des Eigenkapitals der Bank beschränkt sind. Das aber ist zumindest bei den Großbanken so hoch, dass die durchschnittliche Spareinlage eines deutschen Kunden kaum mehr gefährdet sein dürfte als bei Sparkassen oder Volksbanken.

Was passiert, wenn man hortet?

„Jeder ist sich selbst der Nächste“ – wer nach dem Motto zur Bank stürmt, um sein Bares bloß vor den anderen abzuheben, entzieht das Geld dem Kreislauf. Die Folgen sind vielfach: „Die Banken vergeben dann noch weniger Kredite“, sagt Experte Gerke. Dies trifft dann nicht nur die Unternehmen, denen die Banken nicht mehr bei notwendigen Investitionen helfen können, sondern auch den Privatmann, der auf der Suche nach einer Finanzierung für seine eigenen vier Wände ist, und denjenigen, der sein neues Auto auf Pump kaufen muss. Die Autobauer müssen ihre Produktion noch stärker zurückfahren, auch andere Branchen leiden unter noch schwächerem Geldfluss als bisher, unter dem Strich steht ein weiterer Verlust von Arbeitsplätzen in Deutschland.

Gibt es sichere Geldanlagen?

„Wer eine Bundesanleihe kauft, ist als Investor auch auf der sicheren Seite“, sagt Gerke. Bei Pfandbriefen und Bundeswertpapieren ist der Staat der Schuldner des Käufers. Und auch wenn Island mittlerweile der Bankrott droht – bei der öffentlichen Hand in Deutschland ist das nicht zu erwarten. Derzeit liegen die Zinsen für die Finanzierungsschätze des Bundes bei 4,25 Prozent jährlich. Das ist kaum weniger als manche Bank für Tagesgeld anbietet.

Lieber ein Haus kaufen . . . ?

Immobilien werden gern als Betongold bezeichnet. Wer trotz aller Sicherheitseinrichtungen Angst um sein Erspartes hat und ohnehin damit geliebäugelt hat, eine Wohnung oder ein Haus zu kaufen, der kann das auch jetzt tun. Das Gleiche gilt für potenzielle Autokäufer in Deutschland.

Wer sich die Immobilie allerdings als Kapitalanlage zulegt, sollte nicht vergessen, dass die Werte auch verfallen können. Generell gilt nach Einschätzung von Maklern: Je näher eine Immobilie in der Nähe der Metropolen liegt, um so höher wird künftig ihr Wert sein. Begründung: In den großen Städten gibt es die Arbeitsplätze, und wer nicht dauerhaft als Berufspendler große Strecken fahren will, der wird nicht aufs Land ziehen.

. . . oder im Ausland anlegen?

Das bringt keinen Vorteil, was die Sicherheit angeht. Denn egal, ob man den deutschen Sicherungssystemen nun über den Weg traut oder nicht – in anderen Ländern findet man keine besseren. Und die Zinserträge muss man genau so in Deutschland versteuern wie die aus den Geldanlagen im Inland.

Bliebe vielleicht noch eine Investition in andere Währungen. Wer aber beispielsweise sein Geld in Dollar oder Yen anlegt, der trägt ein Kursrisiko. Der Verfall des Dollar-Kurses in den vergangenen Monaten ist vielen Anlegern vermutlich noch schmerzlich in Erinnerung geblieben.

Ein großes Special zur Finanzkrise finden Sie hier.

Quelle: RP

 
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