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Börse Wall Street Schwarzer Donnerstag, Panorama, AP 2010-0507
  Foto: AP, AP
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Die Wall Street im Fokus: Wenn die Börse plötzlich verrückt spielt

zuletzt aktualisiert: 07.05.2010 - 18:35

Washington (RPO). Das gespenstische Schauspiel an der Wall Street war nach 20 Minuten vorbei. Zurück bleibt quälendes Unbehagen. Binnen Minuten wurden am Donnerstag an der New Yorker Wall Street vorübergehend Milliarden von Dollar an Börsenwert vernichtet, ohne dass der Grund dafür klar ist. Der wichtigste Börsenindex der Welt stürzt um neun Prozent ab - und niemand weiß genau warum.

Die politische Debatte um eine Zähmung der Finanzmärkte dürfte nun jedenfalls um ein schlagkräftiges Argument reicher sein. Die Spekulationen nach dem Börsenschock am "schwarzen Donnerstag" überschlagen sich. Was war der Auslöser? Händler sprechen über die Schuldenkrise in Griechenland, wild gewordene Trading-Computer, die anhaltende Debatte über die Finanzmarktreform in Washington. Sie klingen dabei ziemlich ratlos.

Ein Gerücht macht an der Wall Street die Runde: Ein Händler der Citibank habe sich bei einer Verkaufsorder vertippt und 16 Milliarden statt 16 Millionen Aktien abgestoßen und damit eine Kettenreaktion ausgelöst. Die Börsenaufsicht SEC findet dafür zunächst jedoch keine Bestätigung.

Vertipper als Auslöser?

Was sich in jenen panikhaften Minuten am Donnerstag an der Wall Street abspielt, lässt jede Logik vermissen. Händler starren entgeistert auf die Kurve. "Das ist eine Börsenpanik", sagt der Analyst Gregori Volokhine vom Finanzdienstleister Meeschaert. Die Aktie des Beratungsunternehmens Accenture etwa fällt binnen Minuten von 41,78 Dollar auf gerade mal 0,01 Dollar, ehe ihr Kurs zurück auf über 41 Dollar schnellt. Der Leitindex Dow Jones fällt von knapp 10.900 Punkten zum Handelsbeginn auf 9870 Punkte, ehe er bei 10.510 Zählern schließt.

Dass die griechische Schuldenkrise die Börsenkurse drückt, war seit Tagen zu beobachten. "Hinter dieser Entwicklung steht die Furcht, dass sich der griechische Albtraum auf viel größere Volkswirtschaften wie Spanien oder Italien ausbreiten könnte" sagt der Analyst Ian Shepherdson von High Frequency Economics. Eine schlüssige Erklärung für den urplötzlichen Kurssturz bietet die griechische Krise aber nicht.

Transaktionen werden annuliert

Die Börsenaufsicht leitete Ermittlungen ein, um den Auslöser für die "ungewöhnlichen Handelsbewegungen" zu ermitteln. Die Technologiebörse Nasdaq unternahm den ungewöhnlichen Schritt, die meisten Transaktionen in der Panikzeit von 14.40 Uhr bis 15.00 Uhr (Ortszeit, 20.40 bis 21.00 Uhr MESZ) kurzerhand zu annullieren.

Auch wenn die Auslöser des Börsenbebens zunächst im Dunkeln lagen, trat eines klar zu Tage: die Schwachstellen im Sicherheitsregime. Eigentlich hat die New Yorker Börse (NYSE) ein Sicherheitssystem, um die Verkäufe im Fall einer Börsenpanik zu verlangsamen oder ganz zu stoppen. Börsianer an der Wall Street sprechen von "Wellenbrechern".

In den vergangenen Jahren sind allerdings im Schatten der NYSE ein gutes Dutzend elektronischer Handelsplattformen entstanden, die Panikverkäufe nicht stoppen. Während die NYSE am Donnerstag bremste, dürften die Händler zu anderen Plattformen wie Nasdaq oder Instinet ausgewichen sein. Dort konnten sich Panikreaktionen ungehemmt entfalten. Es gingen so viele Verkaufsaufträge ein, dass die Preise mancher Aktien Richtung Null fielen.

Computer verschlimmern Panikstimmung

Im Hochfrequenzhandel mit Super-Computern, die automatische Aufträge in Sekundenbruchteilen ausgeben, kann sich Panikstimmung beschleunigen. Bei deutlichen Abwärtstrends an den Finanzmärkten kann dies zu massiven Verkaufswellen führen, weil die Computer auf einmal massenhaft versuchen, die Verluste für die Anleger zu verringern.

Durch das computergestützte sogenannte "High-Frequency Algorithmic Trading" ist das Handelsvolumen in New York seit 2005 um mehr als 150 Prozent gestiegen. Mehr als die Hälfte der Geschäfte werden automatisch durch Computer abgewickelt. In Deutschland ist die Entwicklung ähnlich: Großanleger wie Banken oder Versicherungen wickelten rund 60 Prozent ihres Handels über automatische Systeme ab, die Börsentrends analysierten, heißt es bei der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Quelle: AFP/felt

 
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